Nach Streit in Dortmunder Kleingarten: Hat auch Werne ein Pool-Problem?

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In Dortmund sorgen Pools für Ärger in Kleingartenanlagen - und sollen verboten werden. Wie ist die Lage in Werne? Stört der Badespaß hier auch die Gartenidylle? Wir haben nachgefragt.

Werne

, 15.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Temperaturen weit über 30 Grad, schwüle Luft - und dann auch noch eine gedämpfte Reiselust angesichts der Pandemie: Klar, dass man sich da gerne ein Stück Urlaubsfeeling in die Heimat holen möchte. Dazu gehört bisweilen auch der erfrischende Sprung ins kühle Nass. Und in Zeiten überfüllter Freibäder hat manch einer natürlich schon längst eine geeignete Alternative gefunden: ein privater Pool, wahlweise im eigenen Garten oder aber in der gepachteten Kleingartenparzelle.

Letzteres hat nun in Dortmunder Kleingartenanlagen für Ärger gesorgt. Das Problem: Weil Pools nicht der kleingärtnerischen Nutzung entsprechen, will der Stadtverband Dortmunder Gartenvereine sie verbieten. Der Verband argumentiert zudem mit dem angeblich hohen Wasserverbrauch und dem Einsatz von Chemikalien. Daher sollen ab sofort nur noch kleine Planschbecken mit einem Durchmesser von 1,5 Metern und einer Wassertiefe von 40 Zentimetern zulässig sein.

Chlorbelastung und zu hoher Wasserverbrauch?

Die Kleingärtner halten dagegen: Wegen der guten Filteranlagen komme gar kein Chlor zum Einsatz. Und im Vergleich zu Planschbecken, bei denen man alle zwei Tage das Wasser wechseln müsse, sei der Wasserverbrauch bei größeren Pools letztlich deutlich geringer. Denn hier müsse man das Wasser schließlich den ganzen Sommer über nicht austauschen, heißt es.

Brigitta Hackenholt ist inzwischen seit 16 Jahren Vorsitzende des Kleingärtnervereins „Am Bellingholz“, Wernes einziger Kleingartenanlage. Und Hackenholt kann die Argumente durchaus nachvollziehen - allerdings auch die Ansicht des Dortmunder Stadtverbands. „So ein Pool verbraucht natürlich schon viel Wasser. Und das summiert sich ja“, sagt sie.

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Es ist eine simple Vergleichsrechnung: Auf der einen Seite steht die Gartenanlage Woldenmey in Dortmund. Sie ist mit 71 Parzellen fast genauso groß wie ihr Werner Pendant. Hier gibt es 69 Parzellen. Der große Unterschied: Während in der Dortmunder Anlage ungefähr 30 Pools stehen, sind es in Werne laut Hackenholt „nur zwei oder drei“. Und Wasser sei nun mal ein hohes Gut. Vor allem jetzt, wo erste Gemeinden in NRW bereits Wasserknappheit vermelden.

„Es gab vor ein paar Jahren mal eine kleine Pool-Welle. Aber wahrscheinlich haben die Leute dann am Ende des Jahres ihre Wasserrechnung gesehen und sich gedacht: ‚Das lassen wir lieber‘“, vermutet Hackenholt. Ohnehin tauchten Pools genauso wie Rutschen oder Sandkästen immer nur „periodisch“ in der Werner Kleingartenanlage auf. Meist in den Parzellen, die junge Familien gepachtet haben. Und sobald die Kinder älter werden, verschwinden diese Dinge laut der Vorsitzenden auch wieder aus den Gärten.

In der Kleingartenanlage „Am Bellingholz“ gibt es 69 Parzellen - und in einigen davon stehen auch Pools.

In der Kleingartenanlage „Am Bellingholz“ gibt es 69 Parzellen - und in einigen davon stehen auch Pools. © Michelle Kozdon

Wie groß ein Pool in der Gartenanlage „Am Bellingolz“ sein darf, ist in der Gartenordnung des Vereins geregelt - auch wenn er hier in die Kategorie „Teich“ fällt. Maximal zwei Prozent der Gartengröße und höchstens zehn Quadratmeter, heißt es dort. Einen solch großen „Teich“ gebe es am Bellingholz aber nicht, sagt Hackenholt. Ihr eigener Teich sei deutlich kleiner. Und es schwimmen auch keine Menschen darin, sondern nur Seerosen und Frösche. Ganz idyllisch, ohne Ärger.

Falls es den in der Werner Anlage doch einmal gibt - etwa unter Gartennachbarn -, dann weiß sich die Vereinsvorsitzende auch durchaus zu helfen. Denn wenn man wie Hackenholt schon mehrfach im Schlichtungsausschuss des Bezirksverbands Hamm-Kreis Unna der Kleingärtner saß, dann hat man mit Streitigkeiten im Garten so seine Erfahrung. Nicht nur mit Pools. Am Bellingholz brauche es im Fall der Fälle auch keinen Vermittler von außerhalb, wie Hackenholt mit einem Schmunzeln sagt: „Hier schlichte ich.“

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