Klosterpforte steht für jeden offen

20 Uhr

Kurz vor 20 Uhr. Die schwere Holztür zu dem fast 350 Jahre alten, weißen Putzbau steht immer noch offen. Wie schon seit mehr als zwölf Stunden. Während gerade viele Werner zu Hause auf dem Sofa sitzen und den Beginn der Tagesschau erwarten, lässt der Feierabend der Kapuziner-Patres auf sich warten. Mindestens noch eine Stunde.

WERNE

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 19.08.2013 / Lesedauer: 3 min

Wer durch die geöffnete Tür eintritt, gelangt in einen kleinen Flur. Und steht nach einigen Schritten vor einer weiteren Tür. Die ist zwar verschlossen. Aber ein beleuchteter Schriftzug lädt ein zu bleiben. "Bitte schellen", steht da. Ein Druck auf den weißen Knopf, und sofort ist zu lesen: "Warten. Ich komme."

Nach einigen Augenblicken öffnet Pater Wolfgang die Tür. Der Guardian der Werner Brüdergemeinschaft, wünscht "Grüß Gott" und nimmt sich Zeit: Eine Stunde wird er über den durchgeplanten Tagesablauf im Klosteralltag sprechen. Über den Regelfall. Dabei ist heute eine Ausnahme. Wegen der Gottesmutter.Mahlzeiten werden im Refektorium eingenommen

Während der weißhaarige Mann mit der braunen Kutte den Gast über den langen Flur führt, erklärt er das: "Heute ist Mariä Aufnahme im Himmel." Nur noch in Bayern ruht die Arbeit. "Dennoch begehen auch hier noch manche den Feiertag", freut sich der Pater. Die Messe um 18 Uhr - sie fehlt an einem "normalen" Donnerstag - sei gut besucht gewesen. "Sogar Eltern mit Kindern waren da". Pater Wolfgang bleibt vor einer Tür stehen. Er drückt die Klinke: ein großer Raum mit langer Tafel. Die Fenster geben den Blick in den großen Garten frei. Es beginnt gerade zu dämmern.

"Das Refektorium", stellt Pater Wolfgang vor. Hier nehmen er und seine vier Mitbrüder die Mahlzeiten ein. "Manchmal haben wir auch Gäste", sagt er: Pilger, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind und im Kloster übernachten. "Für die nächsten Tage hat sich eine Gruppe aus Dänemark angekündigt", sagt er. Am größten ist mittwochs die Runde im Speiseraum. Dann sitzen die Helfer von der Kolpingsfamilie mit am Tisch. "Auch Pfarrer Schäfer kommt regelmäßig dazu."

Inzwischen ist es 20.15 Uhr. Die Nachrichten im Fernsehen sind vorbei. Der Spielfilm am Abend beginnt - andernorts. "Wir arbeiten um diese Zeit in der Regel auf unseren Zimmern", berichtet der Guardian. Und da gibt es keine Fernseher. Er selbst habe bis gerade an seiner Predigt für die große Wallfahrt Ende des Monats gefeilt.

Diese Stunde sei eine ruhige Zeit - wenn nicht gerade feste Veranstaltungen im Terminkalender stehen. Wie die monatlichen Meditationsabende. Oder die 14-tägigen Bibelgespräche. "Beides beginnt um 20 Uhr", sagt Pater Wolfgang.

Zurück zum Tagesablauf. Wann der Wecker schellt? "Bei mir gegen 6 Uhr", sagt er. Bei Bruder Theo, etwas früher. Er schließe meistens schon gegen 6.15 Uhr Tor und Kirche auf. Egal wer wann aufsteht: "Um 7 Uhr sind wir alle zusammen beim Laudes und der Messe." Meistens zusammen mit einigen treuen Gottesdienstbesuchern.

Danach werde gefrühstückt und jeder gehe seiner Arbeit nach: Seelsorge-Angelegenheiten, Beichtgespräche, "oder einfach nur Dasein für Menschen". Bis 11.45 Uhr. "Dann läuten die Glocken." Wieder. Denn nach einem Blitzeinschlag waren sie längere Zeit verstummt. Die Patres hatten dennoch nicht verpasst sich zum gemeinsamen Gebet zu versammeln.Wasser und Wein zum Feierabendgespräch

Mittagessen, Mittagspause: Ab 14.30 Uhr geht es weiter, nur durch Abendbrot und Vesper unterbrochen. "Bis etwa jetzt", sagt Pater Wolfgang und blickt auf die Uhr: kurz vor 21 Uhr.

Er steht auf, geht in die Küche, greift zu einem Plastikkorb und füllt ihn: eine Flasche Wasser, ein Bier, etwas Wein und Fruchtsaft, die flüssigen Begleiter für die Recreation eine Tür weiter. Nach und nach kommen auch die Mitbrüder in den getäfelten Raum, lassen sich in einen der bequemen Sessel fallen und beginnen, miteinander zu plaudern: Feierabend. Endlich. Die hölzerne Eingangstür ist jetzt verschlossen.

 

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