Gerüchte-Check: Bereitet Bahn alles für ein zweites Gleis in Werne vor?

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Wer sich die Baustelle an der Bahnstrecke in Werne anschaut, blickt momentan auf einen breiten Oberbau. Der ist so breit, dass sich die Frage stellt: Bereitet die Bahn alles für ein zweites Gleis vor?

Werne

, 02.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Januar 2020 baut die Deutsche Bahn (DB) an zwei Abschnitten auf der Strecke Münster-Lünen Spundwände ein, um den Damm dauerhaft zu festigen. Der ist, wahrscheinlich durch die heißen Sommer der vergangenen Jahre, an einigen Stellen in sich zusammengesackt. Folge: Die schweren IC-Züge konnten zum Schluss gar nicht mehr auf der Strecke verkehren, die leichteren Eurobahn-Züge mussten an den besagten Abschnitten langsam fahren.

Während dieser Reparatur-Arbeiten stellte sich heraus, dass auch der Schienenoberbau saniert werden muss. Grund sind wellenförmige Verläufe des Oberbaus – das Schotterbett weist in den Bauabschnitten Werne und Ascheberg unterschiedliche Dicken auf. Die DB muss den Oberbau deswegen komplett abtragen und neu aufbauen. Die Bauarbeiten verlängern sich aufgrund der zusätzlichen Modernisierungsarbeiten bis zum Ende der Herbstferien in NRW am 26. Oktober 2020.

Neuer Oberbau des Bahndammes gibt Anlass zu Spekulationen

Dieser neue Oberbau gibt nun Grund zu Spekulationen. Denn er fällt so breit aus, dass sich unwillkürlich die Frage stellt: Bereitet die Bahn hier schon den Untergrund für ein zweites Gleis vor, welches ja schon seit Jahrzehnten für die Strecke zwischen Münster und Lünen im Gespräch ist?

Erst jüngst erreichte die Öffentlichkeit die Nachricht, dass nicht nur die Politik Bedarf für ein zweites Gleis sieht, sondern auch ein von der Bahn in Auftrag gegebenes Gutachten. Schlägt die Bahn nun wirklich zwei Fliegen mit einer Klappe? Saniert sie den Bahndamm und bereitet in einem Arbeitsgang alles für die Installation eines zweiten Gleises vor? Auch wenn das erst in vielen Jahren kommen sollte?

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Wir machen den Gerüchte-Check und fragen, wie wahrscheinlich dieses Szenario ist. Dafür spräche tatsächlich, dass die Bahn mit relativ überschaubarem Aufwand zumindest einen Teil der Strecke so präparieren könnte, dass ein zweites Gleis verlegt werden könnte.

Allerdings spricht deutlich mehr dagegen. Erstens: Auch wenn ein Gutachten einen Bedarf sieht, ist die finale Entscheidung für solch ein Multi-Millionen-Projekt längst noch nicht gefallen. Man würde also ins Blaue hinein bauen. Zweitens: die Finanzierungsfrage. Die Sanierung des Bahndammes ist eine Reparatur, die die Bahn aus ihren Mitteln bezahlt. Der Neubau beziehungsweise die Erweiterung einer Strecke finanziert sich aus ganz anderen Töpfen.

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„Auch wenn der Oberbau an einigen Stellen für den Laien sehr breit wirken mag, ist er nicht für ein zweites Gleis gedacht und dafür auch nicht ausreichend“, sagt eine Bahnsprecherin auf Anfrage der Redaktion. Ein weiterer Schienenstrang bedürfe einige Meter mehr Breite. „Da sind wir dann auch gleich bei dem Thema, dass man Grund und Boden neben der Strecke erwerben müsste“, so die Sprecherin. Das wäre das dritte, gewichtige Argument, das gegen einen vorbereitenden Ausbau spricht.

An dem Gerücht, die Bahn bereitete aktuell den Boden für ein zweites Gleis in Werne, ist nichts dran.

An dem Gerücht, die Bahn bereitete aktuell den Boden für ein zweites Gleis in Werne, ist nichts dran. © Grafik Klose

Die breite des Oberbaus erklärt die Bahn-Vertreterin mit der Beseitigung des oben erwähnten wellenförmigen Verlaufes. Die Bahn trägt zunächst den Oberbau vollständig ab und gleicht anschließend das unterschiedliche Profil des Dammes mit einem Gesteingemisch aus. Die Schicht muss schwer wasserdurchlässig sein, um künftige Veränderungen am Dammkörper zu verhindern.

Unser Gerüchte-Check ergibt also: Die jetzigen Sanierungsarbeiten am Bahndamm in Werne haben nichts mit der Installation eines zweiten Gleises zwischen Münster und Lünen zu tun.

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