Weniger Einbrüche, mehr Betrugsfälle: So fällt die Statistik für den Kreis Unna aus

Kriminalstatistik 2018

Die Gesamtkriminalität im Kreis Unna war 2018 rückläufig. Das geht aus der aktuellen Statistik hervor. Während die Entwicklung in vielen Bereichen positiv ist, bleiben einige Sorgenkinder.

Werne, Selm, Schwerte

, 13.02.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min
Landrat Michael Makiolla (r.), der leitende Polizeidirektor Peter Schwab (l.) und der Leiter der Direktion Kriminalität, Frank Kujau, stellten am Mittwoch die Kriminalstatistik für den Kreis Unna vor.

Landrat Michael Makiolla (r.), der leitende Polizeidirektor Peter Schwab (l.) und der Leiter der Direktion Kriminalität, Frank Kujau, stellten am Mittwoch die Kriminalstatistik für den Kreis Unna vor. © Felix Püschner

Eine weiter rückläufige Gesamtkriminalität, weniger Wohnungseinbrüche und Diebstähle sowie eine sinkende Straßenkriminalität – das Fazit, das Landrat Michael Makiolla bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für den Kreis Unna am Mittwoch (13. Februar) zog, stimmte nicht nur den Behördenleiter selbst durchaus zufrieden.

„Es zeigt sich, dass die konsequente Ausrichtung der letzten Jahre, in denen wir uns auf den Wohnungseinbruch sowie die Bekämpfung der Straßen-, Gewalt- und Jugendkriminalität konzentriert haben, nachhaltig Früchte trägt“, so Makiolla.

Hemmschwelle beim Mitführen von Messern gesunken

Dennoch ist keineswegs alles rosig. Im Bereich der Straßenkriminalität merkte Kriminaldirektor Frank Kujau beispielsweise an, dass die Hemmschwelle für das Mitführen und den Einsatz von Messern deutlich gesunken sei – auch wenn dies statistisch nicht separat erfasst werde: „Ich habe den Eindruck, dass die Zahl derjenigen, die ein Messer dabei haben und es auch zeigen wollen, zunimmt.“ In gleichem Maße steigere die Wahrscheinlichkeit, das Messer dann auch zu nutzen.

Kreisweit ist ein Rückgang der Straßenkriminalität von 5633 im Jahr 2017 auf 5021 Fälle im Jahr 2018 zu verzeichnen. In Werne sank die Zahl von 576 auf 466 Fälle, in Selm von 517 auf 414 und in Schwerte von 835 auf 637.

Betrugsmaschen häufen sich

Ein großes „Sorgenkind“ sind derzeit Fälle von „Betrug zum Nachteil älterer Menschen“. In Werne gab es im vergangenen Jahr 59 solcher Fälle. 2017 waren es noch lediglich 13. In Selm stieg die Zahl von 26 auf 58 Fälle, in Schwerte sogar von 73 auf 114.

Zu den Betrugsmaschen gehört unter anderem der „Enkeltrick“, zuletzt verstärkt aber insbesondere die Masche der „falschen Beamten“, bei der sich die Betrüger zum Beispiel als Polizisten ausgeben. Auf einen Anruf beim Opfer folgt dann in der Regel der Besuch an der Haustür – und das Aushändigen von Bargeld oder anderen Wertgegenständen seitens der gutgläubigen Opfer.

„Wenn im Display die 110 steht, heißt das nicht, dass am anderen Ende der Leitung auch die Polizei ist“, betonte Kujau. Sein Rat: Betroffene sollten in jedem Fall selbst noch einmal zum Hörer greifen und bei der Polizeibehörde nachfragen.

Wohnungseinbrüche bleiben im Fokus

In Bezug auf Fälle, bei denen Opfer vor der Übergabe noch zur Bank geschickt werden, um Geld abzuheben, merkte Makiolla an: „Wir sind mit den Banken im Gespräch. Die Mitarbeiter sind dort sensibilisiert, können aber natürlich auch nicht immer helfen.“ Es habe schon Fälle gegeben, bei denen die Täter ihr Opfer am Telefon davon überzeugt hätten, dass gegen die Bankmitarbeiter aktuell ermittelt werde.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist kreisweit deutlich rückläufig. Gab es 2017 noch 617 Fälle, waren es 2018 noch 484. In Werne stehen 84 Fällen von Wohnungseinbruchsdiebstählen im Jahr 2017 43 Fälle in 2018 gegenüber. In Selm sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 41 auf 28. In Schwerte stieg sie hingegen von 68 auf 79.

Dies sei jedoch noch weit entfernt von den Zahlen der Vorjahre (2015 waren es hier noch mehr als 250 Fälle). Mitverantwortlich dafür sei die gute Anbindung an die Autobahn, die den Tätern eine schnelle Flucht ermögliche, wie Kujau erklärte. Man werde diese Deliktgruppe weiter im Fokus behalten – zumal die Opfer psychisch meist sehr an den Folgen litten.

Geringe Aufklärungsquote und mehr Rauschgiftkriminalität

Dass die Aufklärungsquote im Bereich der Wohnungseinbruchsdiebstahls vergleichsweise gering ist – kreisweit wurden 2018 nur rund 16 Prozent der Fälle aufgeklärt – sei keineswegs untypisch. „Es liegt auch daran, dass wir haben kaum Festnahmen auf frischer Tat hatten“, so Kujau. Die Spurensuche im Nachhinein gestalte sich schwierig. Selbst wenn man DNA-Proben entnehme, ließen sich die nur schwer einem Täter zuordnen.

Polizeidirektor Peter Schwab appellierte in diesem Zusammenhang an die Bürger, sich frühzeitig bei der Polizei zu melden: „Es genügt schon ein schlechtes Bauchgefühl, um die Polizei zu rufen. Man muss nicht immer auf ein verdächtiges Verhalten in der Nachbarschaft warten.“

Auffällig ist zudem der Bereich der Rauschgiftdelikte: Kreisweit stieg die Zahl von 814 auf 966 Fälle. Schwerte sticht dabei heraus mit einer Steigerung von 197 auf 410 Fälle. Kujau erklärte hierzu, die Polizeiarbeit sei in diesem Bereich wesentlich intensiver gewesen als in den Vorjahren. Heißt: mehr Kontrolle, mehr registrierte Delikte.

Lesen Sie jetzt