Verschieben, spenden, hoffen: So reagiert das Kulturbüro Werne auf die Krise

rnKeine Veranstaltungen in Corona-Krise

Kultur-Events in der Corona-Krise? Fehlanzeige. Seit März wurden alle Termine in Werne abgesagt. Die Kulturschaffenden berichten über fehlende Sicherheit, Flexibilität und Hoffnung für 2021.

Werne

, 08.11.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Abwechslungsreich und anregend - so wirbt Bürgermeister Lothar Christ im Vorwort für das neue Kulturprogramm 2020/21 in Werne. Das zugehörige Programmheft hält Marlies Schmid-Goßheger in den Händen. „Das ist das, was wir eigentlich gern gemacht hätten“, sagt die Verantwortliche aus dem Kulturbüro der Stadt Werne.

Die Kulturschaffenden müssen sich in diesem Jahr in Geduld üben und sich sehr flexibel zeigen. Denn: Fast alle Veranstaltungen, die sie in diesem Jahr geplant haben, mussten aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden. Die letzte Aufführung liegt lange zurück. Mit dem Gastspiel von Kabarettistin Lioba Albus am 7. März im Kolpingsaal ging auch das Kulturjahr unfreiwillig zu Ende.

Keine Veranstaltung mehr in 2020

Nach dem angekündigten Lockdown ist für die Kultur-Verantwortlichen klar, dass sie bis 2020 keine Veranstaltung mehr anbieten werden. „Wir haben uns bis Ende des Jahres davon verabschiedet“, sagt Schmid-Goßheger, um gleich wieder hoffnungsvoll nach vorn zu schauen: „Neues Jahr, neue Kraft und neue Ideen.“

Statt die Saison 2020/21 wie vorgesehen am 30. November mit der Komödie „Schtonk!“ zu eröffnen, blicken die Verantwortlichen aus dem Kulturbüro nun gebannt auf den 20. Januar. Dann soll die Komödie „Mr. President First“ im Kolpingsaal gezeigt werden.

Doch weil niemand versichern kann, dass eine Aufführung tatsächlich möglich ist, formuliert Schmid-Goßheger die Pläne weiter vorsichtig: „Wir versuchen, Anfang 2021 zu starten, mit dem, was dann möglich ist.“ Eine Zusage könne man nicht machen.

Kein Abonnement-Angebot für Kultur-Events in Werne

Deshalb gibt es in der Saison 20/21, die bis April läuft, auch nicht mehr wie gewohnt das Abonnement-Angebot, mit dem sich Interessenten gleich für mehrere Events in der Saison Karten und Plätze sichern können. „Wir können es nicht gewährleisten, das Ganze aufrecht zu erhalten“, erklärt Schmid-Goßheger. Dennoch haben die Abonnenten weiterhin ein Vorverkaufsrecht für die Tickets, es können aber auch Karten in den freien Verkauf gehen. Vorausgesetzt, es können Veranstaltungen angeboten werden.

In der Vergangenheit mussten die Mitarbeiter aus dem Kulturbüro stets auf die immer wieder veränderten Regelungen der Coronaschutzverordnung reagieren. Zunächst habe man sich an der Vorgabe orientiert, mit maximal 300 Besuchern und mit gewissen Hygieneregeln im Kolpingsaal Events zu veranstalten.

Nachdem sich die Lage im Kreis Unna zugespitzt hatte, gab es weitere, strenge Regeln. Man hätte etwa für 100 Besucher den Kolpingsaal, der eigentlich rund 500 Gäste fassen kann, öffnen können. Maskenpflicht inklusive. Dafür keine Pause, keine Bewirtung und keine Garderobe.

Abonnenten reagieren verständnisvoll

Die Reaktion der aktuell 226 Abonnenten fiel „überraschend positiv“ aus: „Sie haben gesagt, dass sie die Kultur fördern wollen. Viele wollten auf alle Einschränkungen eingehen“, erzählt Schmid-Goßheger. Doch dazu kam es erst gar nicht. Mit dem Lockdown im November sind auch alle kulturellen Veranstaltungen verboten. „Und wo dann die Reise hingeht, weiß heute keiner“, sagt Norbert Hölscher, Mitarbeiter im Kultur- und Sportbüro der Stadt.

Deshalb gibt es auch Überlegungen für alternative Veranstaltungsorte in Werne. Kabarettist Günna Knust etwa, der eigentlich schon im März 2020, dann im Dezember 2020, in Werne spielen sollte, könnte 2021 bei einer Open-Air-Veranstaltung sein Programm zeigen. Events auf dem Marktplatz oder in der Freilichtbühne sind ebenso denkbar.

Keine festen Termine

All das erfolgt nach dem Motto „Verschieben geht vor Absagen“, erklärt Schmid-Goßheger. „Das liegt uns nicht nur am Herzen, sondern wir wissen natürlich um die Not der Schauspieler und Agenturen.“ Demnach werden die Verträge, die entsprechend formell angepasst wurden, eingehalten, indem die für 2020 geplanten Events im kommenden Jahr stattfinden sollen.

Feste Termine - abgesehen von dem Auftakt mit „Mr. President first“ am 20. Januar 2021 - allerdings könne man nun noch nicht kommunizieren. Wie auch bei der Komödie zum Jahresbeginn werden die Abonnenten kurz vorher informiert, ob und mit welchen Hygieneregeln das Stück gezeigt werden kann.

Hoffen darauf, dass einige abgesagte Veranstaltungen im kommenden Jahr nachgeholt werden können (v.l.): Norbert Hölscher, Marlies Schmid-Goßheger und Marion Stegeman aus dem Kultur- und Sportbüro der Stadt Werne.

Hoffen darauf, dass einige abgesagte Veranstaltungen im kommenden Jahr nachgeholt werden können (v.l.): Norbert Hölscher, Marlies Schmid-Goßheger und Marion Stegeman aus dem Kultur- und Sportbüro der Stadt Werne. © Andrea Wellerdiek

Flexibilität ist auch bei den Kultur-Vereinen und -Institutionen gefragt. So konnten einige Events statt in den eigenen Räumen des Flöz K im Kolpingsaal steigen. „Man sieht, dass wir alle nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir sind bemüht, Lösungen zu finden“, erklärt Schmid-Goßheger im Namen der Kulturschaffenden in Werne. Das gilt auch für die verlängerte Saison, wenn man so will. Normalerweise endet die im April, nun sind auch Stücke und Konzerte bis in den Juni hinein terminiert.

Tickets gespendet

Und dass die Werner künftig gern wieder zu Kultur-Events gehen möchten, zeigt sich darin, dass sich viele dafür entschieden haben, ihre gekauften Tickets nicht zurückerstattet zu bekommen, sondern das Geld stattdessen zu spenden. Bei drei abgesagten Events des Kulturbüros und 1500 verkauften Karten sind so 3500 Euro zusammen gekommen. „Damit werden wir die Kulturszene unterstützen“, erklärt Schmid-Goßheger.

Eine Ausnahme-Saison wie diese habe sie noch nie erlebt. Sie arbeitet seit 1987 für das Kulturbüro der Stadt. An Absagen wegen Krankheiten oder Todesfällen im Ensemble sowie an Open-Air-Events, die wetterbedingt nicht stattfinden konnten, kann sie sich erinnern. Aber eine ähnliche Situation wie derzeit habe es seit mehr als 30 Jahren nicht gegeben.

Derzeit gehen die Verantwortlichen aus dem Kulturbüro Werne davon aus, dass das Neujahrskonzert mit dem Jugendsinfonie-Orchester des Musikschulkreises Lüdinghausen 2021 ausfallen wird. Ebenso wird wohl das Konzert der Blaskapelle Schwartländer Ende März nicht stattfinden. Der Hintergrund: „Es gelten sehr strenge Vorgaben für Orchester. Lange konnten die Musiker gar nicht proben“, erklärt Norbert Hölscher aus dem Kulturbüro.
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