Raser auszubremsen, ist das Anliegen einiger engagierter Eltern, die der Stadt damit viel Arbeit abnehmen. Die Verwaltung bedankt sich dafür mit Ignoranz. © Felix Püschner / Leonie Sauerland
Meinung

Liebe Werner Stadtverwaltung, da hast du total gepennt!

Sicherheit im Straßenverkehr sollte bei einer Kommune höchste Priorität genießen. Doch statt ein wachsames Auge zu haben, hat die Werner Verwaltung komplett gepennt. Ein Unding, findet unser Kommentator.

Mit dem bürgerschaftlichen Engagement ist das so eine Sache. Wer sich engagiert – und dann auch noch ehrenamtlich –, bekommt für seine Leistung im Idealfall Anerkennung, vielleicht sogar eine Auszeichnung und eine Lobeshymne von offizieller Seite. Das hört sich dann meistens so an: „Das, was Sie da tun, ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist eine wichtige Aufgabe. Ohne Ihre Hilfe würden wir das alles gar nicht schaffen. Herzlichen Dank!“

Ist ja auch das Mindeste, sollte man meinen. Tatsächlich war der Werner Stadtverwaltung das Engagement der Initiative „Lebendige Spielstraße“ jedoch noch nicht einmal den Griff zum Telefonhörer wert. Zur Erinnerung: Die Initiative, die sich seit 2019 für mehr Sicherheit im Straßenverkehr einsetzt, hatte der Stadt seither einiges an Arbeit abgenommen. Die besorgten Eltern hatten unter anderem einen Katalog mit verschiedenen Maßnahmen erstellt, die sich dazu eignen würden, Raser auszubremsen – zum Beispiel Rundteller, sogenannte Legosteine und Piktogramme. Das war nicht unbegründet.

Lebensgefährliche Situationen in der Spielstraße

Denn ein Gutachten kam schon im April 2019 zu dem Ergebnis, dass beispielsweise in der Dr.-Hövener-Straße 9 von 10 Pkw ein Kind überfahren würden, sofern es denn tatsächlich in besagter Spielstraße spielen würde. Das hatten Geschwindigkeitsmessungen bei mehr als 300 Fahrzeugen in diesem Bereich ergeben. Heißt schlichtweg: Lebensgefahr.

Doch statt schleunigst zu handeln, schaltete man bei der Stadt offensichtlich ein paar Gänge runter. Von dem Großteil der versprochenen Maßnahmen fehlt bis heute jede Spur. Corona sei schuld daran, hieß es von Seiten der Stadt. Alles verzögere sich. Aber mal ganz davon abgesehen, dass die Pandemie nicht als Ausrede für jegliches Versäumnis gelten kann, setzt das aktuelle Verhalten der Verwaltung dem ganzen Versagen nun die Krone auf.

Denn: Die Mitstreiter der Initiative bettelten seit zwei Jahren förmlich um neue Spezialfarbe, um Piktogramme in Eigenarbeit (!) auf die Fahrbahn malen zu können. Die Stadt hatte nur folgende Aufgabe: Farbe bestellen – und den Bürgern Bescheid geben, sobald diese angekommen ist, damit sie sich das Zeug abholen können. Statt das zu tun, verkündet die Verwaltung angesprochen auf den Stand der Dinge nun in aller Seelenruhe: „Die Farbe? Liegt schon seit Wochen bei uns rum. Hat sich aber niemand gemeldet, der sie haben wollte…“

Das ist an sich schon eine bloße Unverschämtheit gegenüber denjenigen, die tatsächlich – und ohne Bezahlung – anpacken wollen. Es wirft aber auch eine zentrale Frage auf: Stehen bürgerschaftliches Engagement und die Sicherheit spielender Kinder bei der Verwaltung etwa nicht sonderlich hoch im Kurs oder hat man schlichtweg „nur“ gepennt. Ich hoffe auf Letzteres. Aber auch das ist schon traurig genug, wenn es um Menschenleben geht.

Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
Zur Autorenseite
Felix Püschner