Auf eBay-Kleinanzeigen und Kleiderbörsen wie Vinted boomt derzeit offenbar das Geschäft mit Secondhand-Artikeln. © Spiller
Gebrauchtwaren-Handel

Lieferengpässe: Secondhand-Geschäfte auf eBay-Kleinanzeigen und Vinted boomen

Nicht nur die Pandemie, offenbar auch die derzeitigen Lieferengpässe befeuern den Secondhand-Kauf auf Plattformen wie eBay-Kleinanzeigen oder Vinted kurz vor dem Weihnachtsfest.

An allen Ecken und Enden fehlen Rohstoffe: Holz ist schon lange zur Mangelware geworden, doch auch an Chips für die lang ersehnten Spielekonsolen fehlt es. Ersatzteile für Auto und Fahrrad: wochenlange Lieferzeiten. Auch Geschäfte sind betroffen – sei es Tierfutter, Spielzeug oder Schmuck. Und dabei sind es nur noch vier Wochen und ein paar Tage bis zum Heiligen Abend. Wo also noch rechtzeitig die Weihnachtsgeschenke herholen?

Offenbar behelfen sich viele Menschen, indem sie auf Secondhand-Börsen wie eBay-Kleinanzeigen oder Vinted – ehemals Kleiderkreisel – ausweichen. Monatelang hatte ich einen alten Wintermantel in meinem digitalen Kleiderschrank, den andere Vinted-Kunden über die App einsehen können. Vergangene Woche dann habe ich den plötzlich ohne große Vorrede und ohne Verhandeln verkauft. Und am selben Abend kam noch jemand aus Lünen, um einen alten HaRa-Wischer zu kaufen. Wochenlange Pause auf den digitalen Verkaufsplattformen und dann zwei Treffer am selben Tag. Kann das Zufall sein?

Auch Freunde und Familie verkaufen derzeit gut Secondhand-Artikel

Eine kurze Umfrage bei Freunden und Familien zeigt: Offenbar ist gerade eine gute Zeit, um Dinge, die man nicht mehr braucht, online zu verkaufen. Meine Cousine etwa hat vor Kurzem erst ein Regal, eine Lampe und Spielzeug verkauft. Auch in den Medien heißt es: Hochkonjunktur für die digitalen Flohmarkt-Plattformen.

Den Eindruck bestätigt uns auf Nachfrage auch eBay-Kleinanzeigen selbst. „Wir sehen aktuell allgemein eine Zunahme der Aktivitäten auf unserer Plattform – das hängt sicher auch mit saisonalen Effekten zusammen. Die Vermutung, dass auch Lieferengpässe zu diesem Mehr an Aktivität beitragen, liegt jedoch nahe. Immerhin sind zahlreiche Produkte derzeit kaum als Neuware zu bekommen“, so Pressesprecher Pierre Du Bois.

Darin liege eine Chance, dass der Gebrauchtkauf als gleichwertige Alternative zum Neukauf wahrgenommen werden könnte. Bei dem Wuppertal Institut, das sich als Think Tank für die Nachhaltigkeitsforschung versteht, hat eBay-Kleinanzeigen gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung eine Studie zur sogenannten Circular Economy beauftragt – zu Deutsch Kreislaufwirtschaft.

Diese setzt sich unter anderem für langlebige Produkte, Reparatur statt Wegwerfen, Wiederaufbereitung von Produkten und Recycling ein. Beide kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die Pandemie nachhaltiges Verhalten in der Bevölkerung begünstigt.

Studie bestätigt steigende Beliebtheit von Gebrauchtware

1023 Personen haben an der Online-Umfrage teilgenommen, die eine Woche lang online lief. 62 Prozent gaben laut der Studie an, pandemiebedingt nachhaltiger zu handeln. „Jede zweite Person (47 Prozent) kann sich vorstellen, der Umwelt zuliebe häufiger zu gebrauchten Artikeln zu greifen, als bisher. Vier von zehn Befragten (38 Prozent) kaufen bereits mindestens zweimal im Jahr Secondhand“, heißt es in der Studie.

Am häufigsten kauften demnach 30- bis 39-Jährige gebraucht: 61 Prozent der Befragten in diesem Alter haben in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal etwas aus zweiter Hand gekauft – ein Drittel in dieser Altersgruppe (33 Prozent) sogar mehrfach. Etwa 1297 Euro an Gegenständen pro Haushalt lägen ungenutzt herum.

Von Vinted – ehemals Kleiderkreisel – hießt es auf Anfrage, dass die Plattform stetig wachse, aber besonders während der zwei Lockdown-Phasen im Frühjahr und Winter 2020 sei die Anzahl der auf der Plattform angebotenen Artikel gewachsen. Vinted führt das selbst auf ein steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein der Kunden zurück und nennt Lieferengpässe bei Neuwaren nicht.

Die Nachfrage sei saisonal bedingt, sodass etwa beim Wechsel vom Herbst zum Winter mehr Menschen ihre Kleiderschränke anpassen und ausmisten. Darüber hinaus, so zitiert Vinted eine eigene, beauftragte Umfrage unter 4000 Befragten, könnten sich 59 Prozent der deutschen Befragten vorstellen, einen Mix aus Secondhand und Neuwaren zu Weihnachten zu verschenken.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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