Spektakuläre Luftaufnahmen, Tiere aus nächster Nähe und seltene Unterwasserbilder. Der Naturfilmer Ulf Marquardt drehte für seinen Film über die Lippe auch in Werne - mit neuen Erfahrungen.

Werne, Lünen, Selm

, 22.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ulf Marquardt schwamm schon mit Haien, Delfinen oder Seekühen. Der gebürtige Lüdinghauser dreht schon seit 20 Jahren Naturfilme und hat schon viel erlebt. Dennoch zeigt sich der 54-Jährige überrascht über die Aufnahmen, die er an und in der Lippe drehen konnte. Für seinen Film „An den Ufern der Lippe“, der am Dienstag, 16. April, um 20.15 Uhr im WDR ausgestrahlt wird, hat Marquardt auch in Werne gedreht. Über seine Erlebnisse und den Naturfilm spricht Ulf Marquardt im Interview.

Wieso finden Sie die Lippe so faszinierend, sodass Sie einen Film über den Fluss gedreht haben?

Es ist ein ruhiger und unauffälliger Fluss. Es ist der längste Fluss in NRW, der sich in den vergangenen 30 Jahren zum Positiven verändert hat. Früher war die Lippe ein eher trübes Wasser und kein Tauchgewässer. Mit einer Sondergenehmigung konnten wir nun Unterwasseraufnahmen, die es so noch nicht gab, drehen. Da hat uns die Dürre im vergangenen Sommer in die Karten gespielt, da konnte man sehr viele Fische und spannende Unterwasserwelten sehen. Der Film beschreibt eine Reise entlang der Lippe mit einer beeindruckenden Natur.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Sehr beeindruckend waren wirklich die Unterwasserbilder. Da war ich extrem überrascht. Ich bin schon mit Haien, Delfinen und Seekühen getaucht. Das war schon sehr spektakulär. Die Lippe war keineswegs langweilig. Ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Man konnte sehr viele Fische sehen - zum Beispiel einen Wels. Der war unfassbar groß. Da habe ich mich nebengelegt, um die Größe zu verdeutlichen. Bei der Lippe muss man aber genau hingucken. Erst auf den zweiten Blick sieht man, wie toll es an der Lippe, an diesem damals stinkenden Fluss, sein kann.

Ulf Marquardt: „Dass die Lippe eine spektakuläre Unterwasserwelt hat, hat mich überrascht“

Unter anderem am Gersteinwerk sind Luftaufnahmen entstanden. © Ulf Marquardt

Warum hat die Lippe es verdient, sie zu würdigen?

Das liegt auch an den Tieren an und in der Lippe. Es gibt hier viele Rückkehrer. Störche zum Beispiel spielen eine große Rolle in dem Film. Da haben wir interessantes Verhalten beobachtet. Vor einigen Jahren war der Bestand im Prinzip erloschen. Da hat sich mal einer hierhin verirrt. Jetzt gibt es mittlerweile wieder sehr viele Störche an der Lippe. Das ist eine Erfolgsgeschichte. Es ist genauso bei den Bibern. Da gibt es an der Lippe mindestens zwölf Familien mit Nachwuchs. Es gibt auch Otter hier. Die konnten wir allerdings nicht aufnehmen, weil sie sehr große Reviere haben. Das hätte man vor zehn Jahren auch nicht gedacht. Die waren in NRW praktisch ausgestorben. Wie energisch diese Tiere heute zurückkommen, das hat mich erstaunt und gefreut.

Welche Aufnahmen sind in Werne entstanden?

Wir haben zum Beispiel am Gersteinwerk gedreht. Dort habe ich mit meinem Kollegen Dr. Rudolf Diesel Libellen gefilmt. Er verfügt über eine Zeitlupenkamera, die 2000 Bilder pro Sekunde aufnimmt und 150.000 Euro wert ist. Da haben wir total fantastische Bilder gemacht. Und am Wehr in Werne haben wir die sehr seltenen Blässhühner aufgenommen. An den Rieselfeldern haben wir auch gedreht - so ziemlich genau vor einem Jahr. Da war es noch sehr kalt. Wir haben einige Nah- und Landschaftsaufnahmen gemacht. Wir wollten auch Kiebitze filmen, aber die haben uns eigentlich nur den Rücken zugedreht, sodass diese Sequenzen nur kurz im Film vorkommen.

Wie häufig waren Sie in der Lippestadt für Dreharbeiten?

Wir haben insgesamt von Spätsommer 2017 bis Oktober 2018 Aufnahmen an der Lippe gemacht. Vier Tage haben wir komplett im Werner Raum verbracht. Manchmal verbringt man ja auch viel Zeit, ohne überhaupt verwertbare Aufnahmen zu bekommen. Aber ich bin bald wieder in Werne für ein neues Projekt.

Ulf Marquardt: „Dass die Lippe eine spektakuläre Unterwasserwelt hat, hat mich überrascht“

Naturfilmer Ulf Marquardt hat 30 Jahre lang selbst an der Lippe gelebt. © Ulf Marquardt

Worum handelt es sich dabei?

Bei dem ersten Film ging es vor allem darum, die Natur zu zeigen. Da werden die Städte - bis auf Bad Lippspringe, wo die Quelle der Lippe ist - nicht gezeigt. Der 45-minütige Film hat dem WDR aber so gut gefallen, dass er sich einen neuen, längeren Film von etwa 90 Minuten wünscht. In dem Film soll es dann um die Städte und Historisches entlang der Lippe gehen. Dafür suche ich auch noch Protagonisten, die mir tolle Geschichten erzählen können, an denen wir zeigen können, wie sich die Lippe in den letzten 30 Jahren verändert hat. Denn an den Ufern des alten Flusses ist einiges passiert.

Inwiefern hat sich die Lippe denn in Ihren Augen verändert?

Ich habe selbst mein Leben lang an der Lippe gelebt. Vor 30 Jahren war es noch ein Drecksgewässer. Wir sind früher in jeden Kanal gesprungen, aber nicht in die Lippe. Heute ist es ein sauberer Fluss, in dem man von der Wasserqualität her prima baden könnte, wenn die Lippe nicht fast überall unter Naturschutz stehen würde. Das hat mich sehr beeindruckt. Das hätte ich nie gedacht.

  • Ulf Marquardt arbeitet seit 1991 als Autor, Regisseur, Kameramann und Produzent. Der gebürtige Lüdinghauser arbeitete für das öffentlich-rechtliche und private Fernsehen. Seit rund 20 Jahren dreht Marquardt als Kameramann selbst Filme.
  • Der 54-Jährige kennt die Lippe sehr gut. Er ist in Lüdinghausen geboren, in Lünen zur Schule gegangen. Er hat in Selm gewohnt. Seine Frau kommt aus Werne. Heute lebt Marquardt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Pulheim.
  • Protagonisten für den neuen Film, der am 3. Dezember im WDR ausgestrahlt werden soll, können sich direkt an Ulf Marquardt wenden per E-Mail an info@ulf-marquardt.de.
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