Tochter (4) infiziert? Familie wird trotz Zweifel ein zweiter Test verweigert

rnCorona-Fall in Kita in Werne

Die Tochter (4) einer Werner Familie wurde positiv auf Corona getestet. Weil die Eltern am Ergebnis aus Bayern zweifeln, wollten sie einen zweiten Test. Doch das verweigerte das Gesundheitsamt.

Werne

, 21.08.2020, 16:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon wieder Ärger um das Gesundheitsamt des Kreises Unna: Nach der Kritik an der Informationspolitik berichtet nun eine von einem Coronafall betroffene Familie aus Werne davon, dass die Mitarbeiter der Behörde einen zweiten Corona-Test verweigert haben. Und das, obwohl die Familie selbst die Kosten übernehmen wollte. Mit dem zweiten Test wollte die Familie, die anonym bleiben möchte, Gewissheit haben, ob sich die Tochter tatsächlich mit dem Virus infiziert hat oder der Test aus Bayern fehlerhaft ist. Denn das Testergebnis zweifelt die Familie stark an.

Drei Wochen lang war die Familie aus Werne mit den drei Kindern (zwischen 4 und 6 Jahre alt) in Kroatien im Urlaub, als das Land noch nicht als Risikogebiet eingestuft worden war. Auf der Rückreise ließ sich die Familie in Deutschland vorsichtshalber auf das Coronavirus testen.

Auf der Raststätte Donautal-Ost bei Passau hielt die Familie in der Teststation an, „um auf Nummer sicher zu gehen“. Heute bereut das Ehepaar die Entscheidung. „Hätte ich den Blinker nicht gesetzt und hätten wir uns nicht auf der Raststätte testen lassen, dann wäre unser Leben ganz normal weitergelaufen“, sagt der Vater (32).

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Denn die vierjährige Tochter wurde positiv getestet. Das erfuhr die Familie allerdings erst Tage später. Aufgrund der Panne bei der Übermittlung der Testergebnisse aus Bayern bekam auch die Familie aus Werne erst sechs Tage nach dem Abstrich eine telefonische Rückmeldung am 13. August.

Alle seien negativ, nur die Tochter soll mit dem Coronavirus infiziert sein, teilte man der Mutter mit. „Mir wurde der Boden unter den Füßen weggerissen. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt die 32-Jährige.

Corona-Tests aus dem Umfeld fallen alle negativ aus

Sofort holte sie die Tochter und ihren Bruder aus der Kita Arche Noah und den älteren Bruder aus der Wiehagenschule in Werne ab. „Man fühlt sich wie die letzte Pest“, erzählt die Mutter immer noch betroffen. Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn - alle Kontaktpersonen rief das Ehepaar an. Die darauffolgenden Corona-Tests fielen allesamt negativ aus, wie die Mutter erzählt.

Auch die ihrer beiden Söhne. „Das habe ich aber von der Lehrerin und aus den Medien erfahren. Das ist unfassbar, dass wir über den gesundheitlichen Zustand des eigenen Kindes aus den Medien erfahren müssen. Vom Gesundheitsamt haben wir überhaupt keine Rückmeldung bekommen“, erzählt die Mutter.

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Einen Tag später, am 16. August, wollte sie auch ihre Tochter ein zweites Mal testen lassen. Vergebens. Während bei den Eltern in der Zweigstelle Lünen des Gesundheitsamtes ein Abstrich genommen wurde, wurde ein Test bei der Tochter verweigert. „Sie ist ja positiv“, habe man dort gesagt. Die Eltern boten daraufhin an, die Kosten des Tests selbst zu übernehmen.

Dass das Mädchen trotzdem nicht getestet wurde, sorgte für Unverständnis und Ärger bei den Eltern. „Wir wollten wissen, ob an dem positiven Test aus Bayern etwas dran ist oder ob sie vielleicht sogar negativ ist. Und wir wollten wissen, wie wir weiter vorgehen sollten“, sagt die aufgebrachte Mutter.

Zweifel an Testergebnis aus Bayern

Sie und ihr Mann zweifeln arg an dem positiven Testergebnis aus Bayern. Neben den „chaotischen und provisorischen Zuständen“ in dem Testzentrum hätte keiner der Familie Symptome auf das Coronavirus gezeigt. „Wir haben drei Wochen lang auf engstem Raum im Wohnwagen mit Klimaanlage Urlaub gemacht. Die Kinder haben vom selben Eis gelutscht. Ich habe ihnen ein Küsschen gegeben“, so die Mutter weiter.

Wie an solch einem Testzentrum hatte sich auch die Familie aus Werne an der Raststätte nach der Rückkehr nach Deutschland testen lassen.

Wie an solch einem Testzentrum hatte sich auch die Familie aus Werne an der Raststätte nach der Rückkehr nach Deutschland testen lassen. © picture alliance/dpa

Mit dem Test wollte die Familie auf Nummer sicher gehen. „Wir wollten keinem Menschen etwas Böses tun. Wir haben nicht fahrlässig gehandelt. Wir wollten uns nur vorsorglich testen lassen und werden dafür bestraft“, sagt der Familienvater. Einen zweiten Test für die Tochter haben sie nun selbst daheim mit Hilfe eines Hausarztes durchgeführt. Negativ. Der Test fiel negativ aus.

„Wir müssen zwar weiter in Quarantäne bleiben. Aber der Test hat uns als Familie Gewissheit gegeben“, sagt die Mutter, die sich große Sorgen gemacht hat. „Es war sehr schwer, Infos zu bekommen. Das war für mich nicht mehr tragbar. Ich bin mehrmals zusammengebrochen. Das war psychisch eine wahnsinnige Belastung“, erzählt die 32-Jährige, die sich vor allem bei Freunden, der Familie und den Nachbarn um die Unterstützung - etwa bei Einkäufen - bedankt.

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Mit einem zweiten Test für die Tochter hätte man der Familie ein Stück Sorgen nehmen können. Doch warum haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes des Kreises den verweigert?

Ohne auf den Einzelfall aus Datenschutzgründen einzugehen, erklärt Pressesprecher Max Rolke aus dem Kreis Unna: „Wenn ein positives Testergebnis vorliegt, wird nicht noch einmal getestet. Wir können uns auf die Ergebnisse aus Bayern verlassen. Das Gesundheitsamt ist nur für das Kontaktpersonen-Management zuständig ist, um die Nachverfolgung von möglichen weiteren Infizierten zu gewährleisten.“

Gesundheitsamt Unna testet nur Kontaktpersonen

Deshalb seien nur die Eltern als Kontaktperson getestet worden. Bei der Tochter blieb ein zweiter Test hingegen aus. Die Hausärzte seien in diesem Fall und auch bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten, Lehrern und Erzieherinnen für einen Corona-Test zuständig, so Rolke weiter. Wenn es um Informationen rund um das Coronavirus geht, könne man sich aber telefonisch an das Gesundheitsamt des Kreises wenden. „Da bekommt man mit Sicherheit die richtigen Informationen oder die richtigen Anlaufstellen genannt, an die man sich wenden kann“, erklärt Rolke.

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