Marienkapelle: Sanierungsarbeiten am Glockenstuhl

Ein Besuch auf der Baustelle

Eine ganze Stange Geld hat die Kirchengemeinde St. Christophorus zusammen mit dem Bistum Münster in die Hand genommen, um den maroden Glockenstuhl der Marienkapelle zu sanieren. Die Arbeiten, die mit 65 000 Euro zu Buche schlagen, sind in vollem Gange. Ein Besuch auf der Baustelle, hoch über den Dächern von Horst.

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, 07.05.2016, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis Oliver Linnhoff seinen Arbeitsplatz erreicht hat, muss er eine Holz- und zwei ziemlich wackelige Aluminiumleitern überwinden. Hoch oben, über den Dächern von Horst, auf vier Quadratmetern Arbeitsfläche, hockt der Elektromonteur der Firma Petit & Gebr. Edelbrock in blauer Arbeitskleidung und schraubt an der Elektronik herum.

Es riecht nach Holz. Der neue Glockenstuhl aus Eiche verbreitet diesen Geruch. Nach 60 Jahren war ein neuer fällig. Er wurde im April eingebaut und trägt die zwei aufpolierten alten Glocken, zu denen sich kommende Woche zwei neue gesellen sollen. Gefertigt wurden sie in Gescher, an Pfingsten sollen sie das erste Mal gemeinsam läuten.

Modernste Technik

Von Hand werden die Glocken schon lange nicht mehr zum Klingen gebracht. Das erledigt heute modernste Technik. Über Steuerungscomputer, die Elektromonteur Linnhoff im Glockenstuhl anbringt, kann der Neigungswinkel der Glocken programmiert werden – 45 bis 70 Grad sind Standard, je nach Glockengröße.

Die Computer geben dazu den Befehl, wie schnell die Glocken geläutet werden sollen. Oliver Linnhoff ist nicht nur Elektromonteur, er ist auch Taktgeber.

Keine Zeit für Kirchturmromantik

Die Marienkapelle in Horst, sagt er, sei eine der kleineren Kirchen, in denen er arbeitet. „Der Frankfurter Dom ist schon eine andere Hausnummer“, sagt Linnhoff, der in der gesamten Republik auf Kirchtürme steigt und Glocken zum Läuten bringt.

Viel Zeit für Kirchturmromantik und den Blick für die schöne Aussicht bleibt nicht. „Das hier oben ist für mich ein reiner Arbeitsplatz“, sagt Linnhoff. Der 40-Jährige wirkt introvertiert. Vom Reporter genervt? Er verneint. „In meinem Job spielt sich viel im Kopf ab, man muss überlegen, welche Wege Leitungen am besten gehen“, sagt Linnhoff, während er mit seinem Akkuschrauber eine graue Stromleiste befestigt.

Düsterer Glockenturm

Während draußen die Sonne scheint, ist es im Glockenturm düster. Wie in einem Gefängnis verhindern dicke Holzlatten einen freien Blick nach draußen. Doch für die Nachbarn der Kirche sind sie von Vorteil, streuen sie den Schall der Glocken gleichmäßig übers ganze Dorf.

Mit der Montage der Steuerungscomputer ist die Arbeit nicht getan. Zeitschaltuhr und eine Konsole, an der die Glocken von der Sakristei aus bedient werden können, muss Linnhoff anbringen. Dann ist es geschafft. Und für den Monteur Zeit, den nächsten Glockenstuhl zu erklimmen.  

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