Marita Twehues erinnert sich an alte Barbaraschule

Serie "Evenkamp"

Durch den Abriss der Weihbachschule ist wieder ein Stück Evenkamp verloren gegangen. Deshalb blicken wir in unserer "Evenkamp-Serie" zurück. In dieser Folge erzählt Marita Twehues (74) von ihrer Schulzeit als Junglehrerin in der früheren Barbaraschule. Von ihren damaligen Schülern schwärmt sie heute noch.

EVENKAMP

, 29.06.2016, 13:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Marita Twehues erinnert sich an alte Barbaraschule

Lang ist es her: Als Junglehrerin wechselte Marita Twehues 1966 zur katholischen Volksschule ?Barbaraschule?, die Nachfolgerin der Köttersbergschule. Hier blieb sie bis zum Umzug in die Fürstenhofschule im Jahre 1975.

Als sie 1966 durch die Eingangspforte der Barbaraschule ging, fühlte sie sich wie im Himmel. Eine moderne Volksschule mit Aula, Turnhalle, Lehrerzimmer, Sekretariat, Lehrküche: Das hatte Marita Twehues (74) an den Schulen Alter Zoll und Holthausen nicht kennengelernt. Nach einem Jahr Landschule wechselte sie in den Evenkamp.

Schulrat Christian Schausten hatte ihr die noch junge Schule, 1958 erbaut und Nachfolgerin der Köttersbergschule, empfohlen: „Gehen Sie mal zur Barbaraschule. Da ist das Kollegium so nett.“ Und so war es. Twehues erinnert sich gerne an die neun Jahre, die sie dort Lehrerin war. Das, was man sich in der Stadt vom Evenkamp erzählte und die Eltern ihren Kindern einbläuten, „bleib dort weg“, konnte sie nicht bestätigen.

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Evenkamp-Serie: Erinnerungen an die Barbaraschule

Mit dem jüngsten Abriss der 100 Jahre alten Weihbachschule an der Stockumer Straße ist wieder ein Stück Evenkamp verloren gegangen. Aus diesem Anlass blicken wir auf die Geschichte des heutigen südlichen Stadtteils von Werne zurück und stellen in loser Reihenfolge Zeitzeugen der Bergarbeitersiedlung vor. In dieser Folge erzählt Marita Twehues (74) von ihrer Schulzeit als Junglehrerin in der damaligen modernen Barbaraschule. Von ihren damaligen Schülern schwärmt sie heute noch. Ein Einblick.
29.06.2016
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Die Barbaraschule war die katholische Volksschule im Evenkamp.© Foto: Archiv Irmtraud Havighorst
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Marita Twehues
Lang ist es her: Als Junglehrerin wechselte Marita Twehues 1966 zur katholischen Volksschule Barbaraschule, die Nachfolgerin der Köttersbergschule. Hier blieb sie bis zum Umzug in die Fürstenhofschule im Jahre 1975.© Foto: Helga Felgenträger
Die Barbaraschule wurde 1958 als Volksschule für die Evenkämper Kinder gebaut.© Foto: Helga Felgenträger
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Burkhard Jankowski
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Burkhard Jankowski
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Burkhard Jankowski
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Burkhard Jankowski
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Burkhard Jankowski
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Burkhard Jankowski
Alle Bilder sind von der Klassenfahrt 1975 nach Schmallenberg (im Sauerland). Das war damals die Klasse 9 der Barbaraschule - die Klasse von Marita Twehues und Walter Johannpeter.© Foto: Marita Twehues
Hinten von links nach rechts: Annette Schwerbrock, Beate Steinert, Elke Rosenberger, Iris Kretschmann, Hans Jürgen Holtmann, Sabine Wenge und Silvia Zillmann.© Foto: Burkhard Jankowski
Zu Fronleichnam war an der Barbaraschule ein Altar aufgebaut.© Foto: Archiv Irmtraud Havighorst
Zu Fronleichnam war an der Barbaraschule ein Altar aufgebaut.© Foto: Archiv Irmtraud Havighorst
Schlagworte Werne

Im Gegenteil: „Wenn ich heute an die frühen Jahre meiner Lehrtätigkeit an der Barbaraschule zurückdenke, erinnere ich mich gerne an diese Zeit.“ Sie schwärmt von einem „wunderbaren überschaubaren Kollegium, aktiven und interessierten Eltern und unkomplizierten, fröhlichen Kindern, die aus einfachen Verhältnissen stammten.“

"Ohne Sie hätte ich niemals das Abitur gemacht"

Es gab keine Unterschiede in der Herkunft. „Die Väter waren vorwiegend Bergleute, die Mütter Hausfrauen“, erzählt sie. Zwischen Elternhaus und Schule herrschte eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das Schulgebäude war für damalige Verhältnisse modern ausgestattet. „Es bestand eine rege Teilnahme an Elternversammlungen, Elternsprechtagen und Schulfesten“, erinnert sie sich. Die Eltern hätten um Rat gefragt und bei Problemen nicht gleich die Schuld beim Lehrer gesucht. „Man ging respektvoll miteinander um“, sagt sie. Die Schüler hätten früh gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse, wenn es erforderlich war, zurückzustellen.

Damals musste sie noch echte Überzeugungsarbeit bei den Eltern leisten, wenn sie den Eindruck hatte, ihr Kind sei für das Gymnasium geeignet. Zu groß waren oft die finanziellen Sorgen oder die Angst, das Kind könne es nicht schaffen und man könne ihm nicht helfen. Heute freut sie sich, wenn sie frühere Schüler trifft, die sich bei ihr bedanken: „Ohne Sie hätte ich niemals das Abitur gemacht.“ „Manche schafften es auch über den zweiten Bildungsweg“, sagt sie.

Bis zur Schulreform 1968 war die Barbaraschule eine Volksschule mit neun Jahrgängen. Twehues übernahm damals den zweiten Jahrgang mit rund 40 Schülern, die sie bis zur vierten Klasse unterrichtete und in der sie ihre zweite Staatsprüfung ablegte. Danach wurde die Schule in eine Gemeinschafts-Hauptschule umgewandelt und 1975 zog sie mit ihren Schülern zur Fürstenhofschule. In die Barbaraschule zog die „Vinzenzschule für Lernbehinderte“ ein.

Zur Person: Marita Twehues

Geboren wurde Marita Twehues am 21. Februar 1942 in Werne an der Lippe. Zur Schule ging sie in die Steintorschule und danach zum Aufbaugymnasium nach Unna. Ihr Studium absolvierte Marita Twehues in Münster. Ihre erste Lehrerstelle war an der Landschule „Alter Zoll“ in Holthausen. Als Junglehrerin wechselte sie 1966 zur katholischen Volksschule „Barbaraschule“, die Nachfolgerin der Köttersbergschule. In die Fürstenhofschule zog sie mit den Barbaraschülern 1975. Fünf Jahre später ging sie zur Wiehagenschule, wurde Konrektorin und wechselte 1990 zur Wienbredeschule.

Hintergrund: Früher katholische Volksschule

Die heutige Barbaraschule (Förderschule mit Schwerpunkt Lernen) im Beckingsbusch war einst die „Allgemeine katholische Volksschule“ im Evenkamp. Sie wurde 1958 gebaut und war die Nachfolge für die Köttersbergschule an der Stockumer Straße, die einst auf dem Gelände der heutigen Sparkasse stand und für die vielen Kinder im Evenkamp zu klein geworden war. Die Jahrgänge eins bis acht gingen hier zur Schule.

In eine Gemeinschafts-Hauptschule verwandelte sich die Barbaraschule dann 1968. Mit zuerst neun und dann zehn Jahrgängen. Sie ging aus der sogenannten Oberstufe der Volksschule hervor und wurde zur allgemeinbildenden weiterführenden Schule. Fünf katholische Volksschulen (Marienschule, Steintorschule, Wienbredeschule, Wiehagenschule und Barbaraschule) und zwei evangelische (Paul-Gerhardt- und Weihbachschule) gab es bis 1968.

Nach der Neustrukturierung des Schulwesens wurden die Grundschulen mit vier Jahrgängen eingerichtet. Einige Volksschulen wurden daraufhin Grundschule. Der Jahrgang 1974/75 der Barba-raschule wechselte in die Fürstenhofschule (Bahnhofstraße), das ehemalige Mädchengymnasium (Anne-Frank-Gymnasium). Die Anne-Frank-Schüler waren in den Neubau im Lindert gezogen.

In die freigewordene Barbaraschule zogen die Schüler der „Vinzenzschule, Sonderschule für Lernbehinderte“, von der Wienbrede zum heutigen Beckingsbusch 11. Mit der Schließung der Barbaraschule angesichts der Inklusion wird am 8. Juli nach der Weihbachschule eine weitere Schule im Evenkamp geschlossen. 

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Erinnerungen gesucht

Es gibt kaum einen Stadtteil in Werne, in dem die Menschen mit so viel Herzblut über alte Zeiten sprechen. Die Bewohner des Evenkamps waren stolz auf ihren Bezirk, der etwas Verruchtes hatte, wie es im Werner Volksmund immer wieder heißt. Die „Städter“ wollten mit der Kolonie nichts zu tun haben. Aber inzwischen ist es längst Geschichte und in die alten Zechenhäuser sind „Auswärtige“ gezogen. Wir möchten die alten Zeiten wieder aufleben lassen und freuen uns, wenn Sie uns Ihre Geschichte erzählen und uns alte Fotos zur Verfügung stellen: Wer erinnert sich beispielsweise noch an „Tante Erna“, die legendäre Eisdiele neben der Barbaraschule? 

Schreiben Sie eine E-Mail an Helga.Felgentraeger@mdhl.de oder rufen Sie uns an unter Telefon (02389) 982910.

Die Evenkamp-Serie
Die Kolonie im Evenkamp: Als der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (Osnabrück) 1911 die Zechensiedlung baute, nahm die Bevölkerung in der alten Bauerschaft explosionsartig zu. Aufgrund der Einwanderungswelle der Bergarbeiter entwickelte sich eine Infrastruktur – um die die jetzigen Evenkämper die früheren Bewohner heute noch beneiden.

Mit dem jüngsten Abriss der 100 Jahre alten Weihbachschule an der Stockumer Straße ist wieder ein Stück Evenkamp verloren gegangen. Aus diesem Anlass blicken wir auf die Geschichte des heutigen südlichen Stadtteils von Werne zurück und stellen in loser Reihenfolge Zeitzeugen der Bergarbeitersiedlung vor. 

 

 

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