Markus Niebuhr (33) aus Werne will (fast) seinen ganzen Körper tätowieren lassen

rnTattoos

Markus Niebuhr will ein Stück seiner Haut für eine Tätowierung zur Verfügung stellen. Weil er von einem Kinder-Projekt am Stadtmuseum angetan ist. Aber vor allem ist er von Tattoos angetan.

Werne

, 07.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Markus Niebuhr (33) zum ersten Mal sieht, blickt ihm automatisch auf den Hals und auf die Handrücken. Denn die sind mit farbigen Tätowierungen... ja, was soll man sagen? Mancher würde sagen: verunstaltet. Markus Niebuhr würde sagen: verziert. Er ist großer Fan dieses für die menschliche Ewigkeit ausgelegten Körperschmucks.

Im Sommer und bei entsprechender luftiger Kleidung fallen dem Gegenüber von Niebuhr noch mehr Tätowierungen ins Gesicht. An den beiden Armen etwa. Gut zu erkennen ist auf dem rechten Arm ein großer Wassermann. „Mein Sternzeichen“, sagt Niebuhr. Überhaupt hätten die einzelnen Bilder und Motive für ihn „immer eine persönliche Bedeutung“. Also nicht nur reine Verzierung, sondern persönliche Aussage.

„Der Gorilla symbolisiert für mich Veganismus.“
Markus Niebuhr (33), Tattoo-Fan

Wie der mächtige, furchteinflößende Gorilla vor Urwaldkulisse, der sich um seinen Hals spannt. Vor der Antwort nach der Bedeutung steht die Frage nach den Schmerzen dieses Nadelbildes: „Tut das am Kehlkopf nicht besonders weh?“ Niebuhr verneint. Der Schmerz habe sich aber zu den Halsseiten hin verstärkt: „Ui, da tat es schon ganz schön weh, da verlaufen viele Nerven“, sagt der bei der Stadt Werne beschäftigte Beamte.

Wie kommt man auf die Idee, seinen Körper als Leinwand für Ewigkeits-Bilder zu nehmen? Genau weiß er es auch nicht mehr. Vielleicht liegt es in seiner Familie begründet: „Mutter, Bruder und Schwester sind tätowiert.“ Bei ihm fing es „mit 19, 20 Jahren“ an, als er sich das erste Mal Farbe unter die Haut stechen ließ. Von Anfang an war ihm klar, dass der monochrome Stil nichts für ihn war. Er wollte Farbe bekennen.

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Markus Niebuhr und seine Tattoos

Der 33-jährige Markus Niebuhr, beschäftigt bei der Stadt Werne, steht auf Tattoos. Je mehr, desto besser.
06.03.2020
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Die eine Linie ist noch nicht perfekt, Füllfarbe fehlt noch an einigen Stellen.© Jörg Heckenkamp
Kleine Sünde einer Party: Der Vogel entstand nach einer Feier mitten in der Nacht. Niebuhr will ihn beizeiten übermalen lassen.© Jörg Heckenkamp
Eines der Kinder-Kunstwerke, die der Nachwuchs für den neuen Museumsführer erstellt, soll auf Niebuhrs Haut landen.© Jörg Heckenkamp
Hier ist noch Platz. Markus Niebuhr kann sich weitere Tattoos an Hals und Kopf vorstellen: "Nur das Gesichtsfeld bleibt frei."© Jörg Heckenkamp
Aua! Auch hinter der Unterlippe hat der Beamte ein Tattoo.© Jörg Heckenkamp
Eines der Kinder-Kunstwerke, die der Nachwuchs für den neuen Museumsführer erstellt, soll auf Niebuhrs Haut landen.© Jörg Heckenkamp
Rechts eine Straußwachtel, links ein Pottwal. Jedes Tattoo hat für Markus Niebuhr eine besondere Bedeutung.© Jörg Heckenkamp
Markus Niebuhr ist von Fuß bis Hals tätowiert. Ein Gorilla vor Dschungelkulisse ziert seinen Hals.© Jörg Heckenkamp
Sein ersten Tattoo ließ sich der 33-Jährige mit 19 oder 20 stechen. Mittlerweile ist er an vielen Körperstellen ziemlich bunt.© Jörg Heckenkamp

Aus den vielen Strömungen, die es für derartigen Hautschmuck gibt, wählte er den Stil „Neo-Traditionell“. „Das ist im Grunde Oldschool, modern interpretiert.“ Der Gorilla sei so ein Beispiel dafür. Ach ja, es stand ja noch die Frage nach der Gorilla-Aussage im Raum: „Er steht für Veganismus“, sagt Niebuhr. Als er die zweifelnde Miene des Reporters sieht, sagt er mit einem Schmunzeln: „Jedenfalls für mich.“

Seine Erklärung: Der Gorilla sei ein mächtiges, starkes Tier, das aber ausschließlich von pflanzlicher Nahrung lebe. Ein etwas verklausuliertes Statement für Niebuhrs Ernährungsweise. Das unverklausulierte Statement hat er sich hinten auf die Unterlippe tätowieren lassen. Dort steht tatsächlich: vegan. Eintätowiert!

Aua! Auch hinter der Unterlippe hat der Beamte ein Tattoo.

Aua! Auch hinter der Unterlippe hat der Beamte ein Tattoo. © Jörg Heckenkamp

Nun will der Reporter noch seine Fachfragen loswerden:

  • Wie werden die großen Farbflächen gestochen? Mit einer ganzen Batterie von zusammengebundenen Nadeln.
  • Wo lässt er sich tätowieren? Zumeist in einem „sehr familiär geführten Studio“ in Bochum?
  • Was kostet ein Tattoo? Das berechne sich nach Sitzungen? Eine Sitzung von 4 bis 5 Stunden kostet 400 bis 500 Euro.
  • Nimmt er dabei irgendwelche Betäubungs- oder Beruhigungsmittel? Nein.
  • Will er seinen Körper noch weiter verun.../verzieren? Auf jeden Fall, nur das Gesicht soll frei bleiben.

Auf die Frage, ob das im Alter nicht unschön oder zumindest unpassend wirken könnte, am ganzen Körper tätowiert zu sein, verweist er aufs Nachbarland. Er habe in Holland studiert. Die dortige, entspannte Lebenseinstellung habe ihn geprägt: „Die Holländer sagen: Einfach machen. Uns so sehe ich das auch.“ An mögliche verschrumpelte Wassermänner oder Gorillas im Rentenalter verschwende er daher keinen Gedanken.

Und so entstammt dieser holländischen Sicht der Dinge auch sein Angebot, sich ein Kunstwerk von Kindern stechen zu lassen. Wiehagenschüler erstellen in einem Kunstprojekt Werke für den neuen Museumsführer. Eines soll demnächst Niebuhrs Haut zieren.

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