Massensterben der Metzgereien - Wie sich die Fleischerei Thiemann aus Werne dagegen wappnet

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Früher gab‘s in Werne an jeder Ecke eine Fleischerei. Heute existieren davon noch drei. Wie hat es zum Beispiel die kleine Fleischerei Thiemann geschafft, zu überleben? Sieben Gründe.

Werne

, 09.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fleischereien gab es früher in Werne ähnlich häufig wie heute noch Bäckereien. Fast jede Siedlung hat einen eigenen Metzger. Und heute? Existieren noch drei: ein Filialbetrieb einer Hammer Metzgerei in Stockum, Mecke an der Lippestraße mit der Spezial-Ausrichtung Pferdefleisch und die traditionelle Fleischerei Thiemann an der Selmer Straße.

Fleischerei Thiemann existiert mehr als 150 Jahre

„Unseren Betrieb gibt es schon seit mehr als 150 Jahren“, sagt Michael Thiemann. Der 49-jährige Fleischermeister ist sich sicher, dass noch einige Jahre hinzukommen. Viele Jahrzehnte im Fachwerkhaus an der Burgstraße/Ecke Steinstraße beheimatet (heute Thai-Massage), zog der Betrieb in den 60er-Jahren zum heutigen Standort an der Selmer Straße 34 um.

Seitdem haben die Frischfleischtheken in den Supermärkten und das ausgedehnte Fleisch- und Wurst-Angebot bei den Discountern für ein regelrechtes Massensterben der Metzgereien gesorgt. Was ist das Erfolgsrezept der kleinen Fleischerei Thiemann, die sich gegen den Trend behauptet? Michael Thiemann zählt folgende Gründe auf:

  • 1. Eigentum. Die Immobilie an der Selmer Straße gehört der Familie.
  • 2. „Ich habe Spaß an meinem Beruf“, sagt er. Reich werde man nicht, aber er habe ein ordentliches Auskommen für seine Familie.
  • 3. Das Allerwichtigste für den 49-Jährigen: „Meine Familie wohnt hier und ich bin in engem Kontakt mit meiner Frau und meinen beiden Kindern“. Das sei mit Geld nicht zu bezahlen.
  • 4. Über die Jahrzehnte hat sich eine feste Stammkundschaft gebildet.
  • 5. Neben den klassischen Fleisch- und Wurstprodukten bietet sein Betrieb Zusatzangebote wie Mittagstisch oder einen Party-Service. Nachteil: Dafür muss er auch am Wochenende bisweilen arbeiten.
  • 6. Flexibilität. „Wir können auf Kundenwünsche eingehen.“ Als er jüngst über die Mittagstisch-Karte der kommenden Wochen nachgedacht habe, fragte eine Kundin, ob er nicht mal wieder die Reitersuppe anbieten könne. Eigentlich wollte er eine Käsesuppe ins Wochenprogramm nehmen, „aber dann habe ich den Wunsch der Kundin berücksichtigt“.
  • 7. Geringer Personalstamm. In der Zubereitung ist Thiemann alleine, vorne im Verkauf sind zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt. „Und meine Frau Simone (44) hilft natürlich auch mit.“

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Selbstverständlich könne er mit der Riesen-Auswahl von Wurst- und Fleischtheken in Supermärkten nicht mithalten. Vor allem nicht, wenn es gegen Feierabend oder hin zum Wochenende geht. „Dann sind manche Produkte bei uns eben ausverkauft.“ Aus Gesprächen mit angestellten Metzgern aus Supermärkten weiß er, wie diese Vielfalt erkauft wird: „Sie glauben ja nicht, was die alles wegschmeißen müssen.“

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