Italien und Spanien gehen im Mediterráneo Hand in Hand. In vielerlei Hinsicht eine Atmosphäre wie im Strandurlaub – im positiven als auch negativen Sinne.

Werne

, 24.08.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im Mediterráneo kann man sowohl im Lokal als auch im Außenbereich direkt auf der Bonenstraße sitzen. Aufgrund eines Regenschauers am Mittag und eines angekündigten Sturms entschieden sich Kollege David Reininghaus und ich uns an diesem frühen Abend für den sicheren Platz im Inneren. Dort hatten wir bei unserem Besuch freie Platzwahl.

Betreiber Salvatore Pisanelli stammt aus Kalabrien (Italien). „Tapas-Bar und mediterranes Restaurant“ steht außen am Mediterráneo. Das Restaurant ist weder rein italienisch noch eine reine Tapas-Bar, die ihren Ursprung in Spanien haben – es ist einfach mediterran.

Das Essen im Mediterráneo:

Wir hatten die Wahl: Nehmen wir große Tellergerichte oder verschiedenen Tapas? Tapas sind kleinere Häppchen, deren Ursprungsgedanke der ist, den Appetit anzuregen. In unserem Fall hofften wir auf wild durcheinandergemischte Sättigung. Die Entscheidung fiel also auf die Tapas.

Es machte Spaß, die verschiedensten Gerichte auszutesten. Und was noch wichtiger für unseren Check war: So ließ sich die Küche auf Herz und Nieren prüfen. Besonders wenn man entsprechend großen Hunger mitbringt. Eins vorweg: Die Küche punktete auf ganzer Linie.

Vorab gab es vom Haus warmes Baguettebrot, dazu leckeren und deftigen Aufstrich. Dieser Appetitanreger – vor den Appetitanregern, die uns später sättigen sollten – ließ schon erahnen, was da geschmacklich auf uns zukommen sollte.

Mediterráneo: Urlaub für den Gaumen zu deftigen Preisen

Das Entrecôte mit Rucola und Parmesan brachte prompt ein Urlaubsgefühl an den Gaumen. © Wilco Ruhland

Die eigentliche kulinarische Reise begann dann mit Stracciata di Manzo. Eine Empfehlung von Wirt Salvatore und das laut seiner Aussage meistverkaufte Gericht im Mediterráneo. Dahinter verbarg sich geschnittenes Entrecôte mit Rucola und Parmesan. Stolze 9,90 Euro kostete der kleine Teller.

Beim ersten Bissen fühlte ich mich unweigerlich an einen Urlaub in mediterranen Gefilden erinnert. Eine Sekunde lange fand ich mich in dem schicken Restaurant am Strand wieder. Das Fleisch war gut gebraten, die weiteren Zutaten machten das Gericht zu einer runden Sache.

Mediterráneo: Urlaub für den Gaumen zu deftigen Preisen

Der Lachs auf Spinat war so, wie Lachs sein sollte. © David Reininghaus

Dazu bestellten wir den Lachs auf Spinat, der wie die Entrecôte-Streifen auf der Spezialkarte zu finden ist. Für 8,90 Euro bekamen wir zwei Stücke Fisch, hübsch auf einem Bett aus Spinat angerichtet.

Lachs ist ein heikles Thema in der Gastronomie. Gerne wird er trocken serviert. Hier aber bekamen wir glasigen und saftigen Lachs. So soll es sein.

Mediterráneo: Urlaub für den Gaumen zu deftigen Preisen

Die Paella mit Scampis ergänzte sich wunderbar mit der deftigen Paprikawurst. © David Reininghaus

Weiter machten wir in der zweiten von drei Runden mit einer Paella, dem spanischen Klassiker. Für je 14,40 Euro kann man wählen zwischen der Variante mit Scampis und Safran oder mit Fleisch. Wir nahmen die mit Scampis. Acht davon fanden wir in der Paella mit Reis, Erbsen und Paprika.

Dazu bestellten wir uns die Chorizo a la Plancha (Paprikawurst) für 6,50 Euro. Ganz schön viel für die kleine Schale.

Die Scampis in der Paella schmeckten zwar gut und der Reis war auch nicht matschig, aber wenn wir nicht die gegrillte Paprikawurst bekommen hätten, wäre es für uns etwas viel Reis ohne „Zugabe“ gewesen. Mit den Scampis waren wir schnell fertig.

Mediterráneo: Urlaub für den Gaumen zu deftigen Preisen

Die gegrillte Paprikawurst ist etwas für Freunde des besonders deftigen Geschmacks. Die kleine Schale kostete stolze 6,50 Euro. © David Reininghaus

Die gegrillte Paprikawurst (klein geschnitten in einer Schale) ergänzte sich überhaupt gut mit der Paella. Die Wurst schmeckte in etwa so, als wäre das Wort „deftig“ allein für sie geschaffen.

Doch war sie, wenn es denn den Geschmack trifft (in meinem Fall hat sie das), sehr gut. Der Reis war dabei genau richtig zur Neutralisierung der Wurst. Wenn auch nicht so angedacht, passten die beiden Gerichte zusammen.

Mediterráneo: Urlaub für den Gaumen zu deftigen Preisen

Besonders schön angerichtet: Das Lammkarree in Rotweinsoße lieferte ein fulminantes Finale. © David Reininghaus

Mit dem Carré de Cordero (Lammkarree in Rotweinsoße) starteten wir unser Finale, das sich auch eines Finales würdig erwies. Wir bekamen einen optisch ansprechenden Teller mit vier gestapelten kleinen Koteletts. Normalerweise gibt es drei für 11,50 Euro. Wirt Salvatore, der bemerkte, dass wir uns alles teilten, bot an, ein Viertes zusätzlich zu servieren.

Dafür zahlten wir einen Aufschlag von 3 Euro, auf den wir leider nicht hingewiesen wurden. Geschmacklich kam das Gericht super bei uns an, die Rotweinsoße war kräftig und passte wunderbar zum Fleisch. Der Preis ist aber schon gehobene Kategorie.

Mediterráneo: Urlaub für den Gaumen zu deftigen Preisen

Nachtisch der anderen Art: Die Platte mit Käse-, Schinken- und Wurst-Variantionen aus der Feinkostabteilung. © David Reininghaus

Der „Nachtisch“ fiel dann auch deftig aus: wir ließen uns mit einer Platte mit italienischen und spanischen Käse-, Wurst- und Schinken-Variationen von der Feinkostabteilung überzeugen – das Ganze kostete uns wiederum 9,80 Euro.

Die Getränke:

Auf der umfangreichen Getränkekarte im Mediterráneo sollte für jeden was zu finden sein. Auch Weinliebhaber kommen auf ihre Kosten. Viele italienische und einige spanische Weine, meist im Bereich um die 5 Euro. Ein Glas Cola (0,2 Liter) kostet 2,10 Euro. Das Pils (0,3 Liter) liegt bei 2,50 Euro. Das ist meiner Meinung nach noch ok.

Die Preise:

Trotzdem sind die Preise das große Manko im Mediterráneo. Für die Tapas, die als Solisten kaum sättigen, zahlt man teilweise schon beinahe so viel, wie andernorts für ein großes Gericht. Selbst für die gehobene Küche und auch die schöne Aufbereitung der Gerichte, ist mir das Preissegment ein Regalfach zu weit oben. Auch hier fühlte ich mich wieder an das schicke Strandrestaurant aus dem Urlaub erinnert – diesmal im negativen Sinne.

Die Atmosphäre:

Gedämmtes Licht, dezente Dekoration und eine gute Wahl der Inneneinrichtung (dunkel und elegant); dazu mediterrane Musik im Hintergrund. Das gemütliche Ambiente ließ uns an diesem Abend beinahe in eine andere Welt abtauchen. Auch die Hochglanzrohre unter der Decke stören das Bild nicht – im Gegenteil.

Der Service:

Beim Betreten des Lokals wurden wir auf charmante Weise direkt an der Tür von einer Kellnerin empfangen. Sie war auf Zack und nahm beim Hereinkommen unverzüglich unsere erste Getränkerunde auf.

Betreiber Salvatore Pisanelli hat den Laden scheinbar gut im Griff. Auch als sich die Plätze im Außenbereich füllten, kam er kaum ins Schwitzen – obwohl der Weg von der Küche und Bar nach draußen recht weit ist. Zudem nahm er sich Zeit, Empfehlungen auszusprechen. Auch bot er uns an, auf Wunsch die großen Nudel-Gerichte, als Tapas-Variante zuzubereiten. Bei der Paella ging das leider nicht.

Kinderfreundlichkeit:

Extra ausgewiesene Gerichte für Kinder gibt es nicht. Doch die Tapas sollten für Kinder genau die richtige Größe darstellen.

Barrierefreiheit:

Der Weg von der Bonenstraße ins Lokal hat keine Stufen und auch der Gastraum ist ebenerdig. Die Toiletten befinden sich allerdings im Keller und sind nur über eine Treppe zu erreichen. Dort mit einem Rollstuhl hinzukommen, ist quasi unmöglich.

Mein Fazit:

Eine wirklich schöne Atmosphäre, guter und freundlicher Service und leckeres Essen: Der Abend im Mediterráneo war eigentlich durchweg gelungen – zumindest bis die Rechnung kam. Schade, da die wirklich gute Tapas-Küche gerade dazu einlädt, viel zu probieren und mit wilden Mischungen satt zu werden. Gerade für Freunde des deftigen Geschmacks zu empfehlen.

Anfahrt/Parken:

Durch die Innenstadtlage ist das Mediterráneo am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Wer nah parken will, muss in die Tiefgarage unter dem Moormannplatz.

Was sagt das Netz?

29 Google-Bewertungen ergeben 3,9 von möglichen 5 Sternen.Viele Rezensionen gehen in die ähnliche Richtung: gutes Essen, guter Service aber zu hohe Preise.

Restaurant-Infos

Mediterráneo Tapas Bar und mediterranes Restaurant, Bonenstraße 31, 59368 Werne, Tel. (02389) 9 03 74 30, Öffnungszeiten: montags ist Ruhetag, sonst immer von 17 bis 0 Uhr (sonntags nur bis 23 Uhr), Mittagstisch: 11.30 bis 14.30 Uhr.

Hier geht’s zur Homepage (Weiterleitung zur Facebookseite).

Hier geht es zu den bisherigen Restaurant-Checks.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check: Das Mediterráneo

23.08.2018
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Im Außenbereich des Restaurants sitzt man direkt auf der Bonenstraße. Die Sitzgelegenheiten wirken keinesfalls billig, eher einladend.© Wilco Ruhland
Die Dekoration im Mediterraneo ist dezent und geschmackvoll geraten.© Wilco Ruhland
Wirt Salvatore Pisanelli ist Italiener. Seine drei Mitarbeiterinnen, unter anderem seine Freundin Daniela Lupo (r.), und er bieten eine gemischte mediterrane Küche an - Italienisch und Spanisch.© Wilco Ruhland
Auf dem Weg hinaus, kann man im Mediterraneo auch gleich Feinkost für zuhause erwerben.© Wilco Ruhland
Auf dem Weg hinaus, kann man im Mediterraneo auch gleich Feinkost für zuhause erwerben.
Ein dezenter roter Teppich heißt den Gast willkommen.© Wilco Ruhland
Das Tor zur Außenwelt. Im Mediterraneo taucht man an hellen Sommertagen in eine eigene kleine Welt ab.© Wilco Ruhland
Die Dekoration im Mediterraneo ist dezent und geschmackvoll geraten.© Wilco Ruhland
Die Dekoration im Mediterraneo ist dezent und geschmackvoll geraten.© Wilco Ruhland
Die Dunklen Tischen tragen zur gemütlichen Atmosphäre bei.© Wilco Ruhland
Der Zugang zur Küche.Auch wenn die Gäste draußen und somit relativ weit entfernt sind, behält Wirt Salvatore den Überblick.© Wilco Ruhland
Beim Hereinkommen taucht man ab in die mediterrane Atmosphäre des Restaurants.© Wilco Ruhland
Im Außenbereich des Restaurants sitzt man direkt auf der Bonenstraße. Die Sitzgelegenheiten wirken keinesfalls billig, eher einladend.© Wilco Ruhland

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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