Mehrgenerationenhaus am Becklohhof: Wo sind die jungen Leute?

rnHoher Altersschnitt

Der Altersschnitt für das Mehrgenerationen-Projekt am Becklohhof liegt zwischen 50 und 70 Jahren. In Dortmund hat man ähnliche Erfahrungen gemacht. Doch es gibt Hoffnung.

von Julian Reimann

Werne

, 28.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Mehrgenerationen-Wohnprojekt am Becklohhof, Ecke Tenhagenstraße, geht es weiter voran. Beim Vereins- und Baugruppentreffen am Montag (26. November) kamen alle Mitglieder der Baugruppe zusammen und beschlossen die Vergabe des Architektenauftrages an das Architekturbüro Thiel aus Münster, das bei den Planungen seit geraumer Zeit mit im Boot ist.

„Wir sind mit dem Ergebnis des Treffens sehr zufrieden“, berichtet Projektleiter Andreas Drohmann auf Anfrage der Redaktion. „Wir saßen lange zusammen und konnten uns am Ende auf die wichtigsten Punkte einigen.“ Als nächster Schritt sei nun ein erstes Architektentreffen in knapp zwei Wochen angedacht, damit die ersten Planungen für den Bau noch vor Weihnachten beginnen können.

Baubeginn noch nicht festgelegt

Bei der Frage nach dem offiziellen Baubeginn wagt Drohmann noch keine Prognose. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass der erste Spatenstich gegen Ende des nächsten Jahres durchgeführt werden könne. Allerdings wolle man sich lieber Zeit lassen, um das Projekt für alle Mitglieder der Baugruppe zufriedenstellend auf die Beine zu stellen. Niemand will hier überhastet handeln.

„So ein Projekt benansprucht sehr viel Zeit“, erklärt Drohmann. „Die Planung übernehmen wir gemeinsam in der Gruppe und jeder Wunsch soll angehört und besprochen werden.“ Es bedürfe lediglich kleiner „Motivationsschübe“.

Junge Familien fehlen (noch immer)

Auch wenn das Projekt mehr und mehr Gestalt annimmt, gibt es für die Projektgruppe noch einiges zu tun: Vermessung des Grundstücks, Treffen mit Fachingenieuren und das Ausarbeiten eines Bebauungsplans stehen noch auf der Agenda. Mehrere hunderttausend Euro wird die Planung noch kosten. Der Pachtvertrag sei hingegen fast vollständig ausgehandelt.

Ein Problem habe man hingegen noch nicht wirklich lösen können. Bisher liegt die Altersstruktur der Baugruppe zwischen 50 und 70 Jahren. Es fehlt noch an Familien, die unter diesem Schnitt liegen. „Wir würden uns wünschen, dass sich noch mehr junge Familien an dem Projekt beteiligen“, so Drohmann. „Bei der Vergabe der Wohnungen werden wir junge Interessenten im Moment bevorzugen.“ Schließlich zeichne sich ein Mehrgenerationenprojekt dadurch aus, dass nicht nur ein oder zwei Generationen zusammenkommen.

„Junge Leute werden im Moment bevorzugt.“
Andreas Drohmann, Projektleiter

Bei einer Veranstaltung am Nachmittag vor dem Vereins- und Baugruppentreffen sollten sich vor allem jüngere Familien zusammenfinden, um sich über das Projekt zu informieren. Sie sollten dann im besten Fall als Mitglieder gewonnen werden. „Die Resonanz hätte deutlich besser sein können“, konstatiert Drohmann. „Wir hatten mit mindestens zehn Interessenten gerechnet.“ Am Ende kamen aber nur zwei.

Ähnliches Problem auch bei anderen Mehrgenerationen-Projekten

Warum scheint es so schwierig zu sein, jüngere Leute für ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt zu gewinnen? Weitere Recherchen ergaben, dass das Mehrgenerationenprojekt W.I.R. aus Dortmund ein Drittel seiner Wohnungen an Menschen im Alter bis 40 Jahren vergeben konnte. Ein Geheimrezept für den Erfolg bei jüngeren Familien hat aber auch der Verein aus Dortmund nicht.

„Während unserer Planung hatten auch wir einen hohen Altersdurchschnitt“, berichtet Bernhard Schawe-Bergjohann, Vorsitzender des Vereins, auf Anfrage. „Die jüngeren Familien kamen erst hinzu, als das Projekt fast fertig und ein Ende absehbar war.“ Bis dahin habe man Wohnungen bewusst für junge Familien freigehalten, um eine gleichmäßige Drittelung der Altersspannen hinzubekommen.

Jetzt heißt es: abwarten

Als Grund sieht Schawe-Bergjohann kein Desinteresse bei jüngeren Leuten, sondern vielmehr Planungsschwierigkeiten. „So ein Projekt kann auch mal fünf Jahre dauern“, erklärt er im Gespräch mit der Redaktion. „Jüngere Familien schauen eher nach Gruppenprojekten, die schneller zu realisieren sind.“ Wenn die Wohnungen dann bezugsbereit sind, würden auch junge Familien einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt beitreten.

Auf diesen Ausgang hoffen auch Drohmann und seine Baugruppe. Ein paar Wohnungen seien schließlich noch nicht vergeben und für die Mietwohnungen ließe sich auch erst dann jemand finden, wenn das Projekt vor dem Abschluss steht.

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