Mehr als nur Spaghetti: Die Gerichte in den Schulmensen sollen gesund und günstig sein. In Werne versorgen sich Schüler mit warmen Speisen, mit Muttis Brot oder mit einer bestellten Pizza.

Werne

, 30.11.2018 / Lesedauer: 7 min

Es soll gesund und günstig sein: Die Anforderungen, die Eltern an ein tägliches Schulessen haben, sind groß. Die Gerichte sollten immer Gemüse beinhalten, reichhaltig und sättigend sein. Ein vegetarisches Angebot sollte auch auf dem Speiseplan stehen. Und das hat seinen Preis. Mit 1,2 Milliarden Euro fördern Deutschlands Kommunen das Schulessen pro Jahr.

Damit ist das tägliche Essen zur Hälfte subventioniert. Die Eltern zahlen im Schnitt 3,50 Euro pro Mahlzeit aus der eigenen Tasche, wie eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nun ergeben hat. In Werne stehen Pizza, Pommes, aber auch Eintöpfe, Salat, Gemüse und Obst bei den Schülern hoch im Kurs. Vielen reicht aber auch ein Snack aus der Caféteria oder das Butterbrot von Mutti.

Mensa-Essen bietet mehr als nur Spaghetti - Beliebt sind aber auch Snacks und Muttis Brot

Ein Schokoriegel zwischendurch ist bei vielen Schülern beliebt. Aber auch Obst wird im Kiosk oder in der Caféteria gern gekauft. © Andrea Wellerdiek

Fast alle Schulen in Werne arbeiten dabei mit dem Catering-Service „Stattküche“ aus Münster zusammen. Dabei werden laut dem gemeinnützigen Unternehmen nur frische Produkte aus der Region und möglichst aus kontrolliertem, biologischem Anbau verwendet. Man setze wenig auf Convenience Food, sprich Frikadellen und Schnitzel etwa würden selbst gefertigt und nicht fertig eingekauft. Etwa 100 Einrichtungen, darunter auch Kitas, beliefert das Unternehmen laut eigenen Angaben mit 5000 bis 6000 Essen täglich.

Pasta-, Pizza- und Salatbar

Ein Essen kostet je nach Abnahme, Personaleinsatz und Serviceleistung zwischen 2,95 und 3,95 Euro für den Schüler. An einem Terminal oder im Internet können die Schüler an den weiterführenden Schulen selbst wählen, was sie essen möchten. Ein Werktag als Vorlaufszeit ist da nötig. Am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) gibt es ein Tagesmenü sowie eine Pasta-, Pizza-, Salat- und Dessertbar. Das warme Tagesgericht wird vom Caterer vorgekocht angeliefert und vom Mensa-Personal am AFG kurz vor dem Verzehr mit Dampfgarern erwärmt.

„Es wird kein Schweinefleisch angeboten. Vor allem auf Geflügelfleisch und vegetarische Speisen wird dabei gesetzt. Hamburger habe ich hier noch nie gesehen“, erklärt Schulleiter Marcel Damberg, der mit der Qualität der Speisen sehr zufrieden ist.

Wer das Menü nicht mag, kann sich an einer der Bars bedienen – so oft und so viel man mag. „Pasta geht immer. Viele Schüler essen auch Salat. Sie essen nicht nur Pizza“, sagt Damberg. Egal, was am Ende auf dem Teller landet – es kostet 3,50 Euro pro Tag. Die Schüler haben für die Bezahlung ihr Konto mit einer Chipkarte aufgeladen. Nur mit dieser Karte haben die Schüler in der Mittagspause von 13.15 Uhr bis 14 Uhr Zugang zu der Mensa, erzählt Damberg.

Schüler kontrollieren Eingang zur Mensa

Der Mensadienst, der im Wechsel wöchentlich von einer Klasse übernommen wird, kontrolliert das. Der Dienst sorgt auch dafür, dass die Tische nach dem Essen abgeräumt werden und dass das Geschirr in die Spülmaschinen kommt. So spart die Schule Personalkosten ein. Lediglich drei Frauen sind für die Essensausgabe eingestellt.

Von montags bis donnerstags, wenn auch Nachmittagsunterricht stattfindet, wird das Essen in der Mensa angeboten. Bis zu 200 Schüler nutzen das Angebot. Neben der Mensa beliefert der Caterer „Stattküche“ zusätzlich den Kiosk am AFG. Hier gibt es morgens belegte Brötchen, Obst, Salat, Rohkost, Süßigkeiten und Getränke.

Die Mensa und die Caféteria der Marga-Spiegel-Sekundarschule werden nach demselben Prinzip von dem Caterer „Stattküche“ beliefert. Auch dort gibt es einen wechselnden Mensadienst, der sich um den Zugang zur Mensa sowie das Geschirr kümmert. 3,40 Euro kostet das Essen hier, wenn man es zuvor bestellt hat. Wer sich kurzfristig entscheidet, bezahlt 3,90 Euro.

„Der Döner-Tag war natürlich der Renner.“
Hubertus Steiner, schulleiter an der marga-spiegel-schule

„Es ist ein gesundes und abwechslungsreiches Essen. Die Schüler greifen oft zu Salat, aber auch Eintöpfe oder Pfannkuchen werden gern gegessen“, erzählt Schulleiter Hubertus Steiner. Es gibt aber auch besondere Aktionen. „Der Döner-Tag war natürlich der Renner“, sagt Steiner.

Seine Beobachtung ist, dass sich die Schüler überwiegend gesund ernähren. An jedem Tag wird hier Obst, Gemüse und Salat angeboten. „Man kann die Kinder aber nicht dazu zwingen. Erst hatten wir Bedenken, dass es jeden Tag Pizza gibt. Aber das ist nicht der Fall. Irgendwann reicht den Schülern die Pizza Margherita auch“, sagt Steiner.

An den drei Tagen mit Nachmittagsunterricht, Montag, Mittwoch und Donnerstag, ist die Mensa geöffnet. In der Regel essen hier laut Steiner 250 Schüler eine (warme) Mahlzeit. An den anderen Tagen und in den Morgenstunden ist darüber hinaus die Caféteria geöffnet. Hier gibt es vom Caterer Backwaren, Joghurt und Salate. Ein Angebot, das laut Steiner gut angenommen wird. Aber auch das klassische Pausenbrot bringen viele Schüler noch von zu Hause mit.

Joghurts sind besonders beliebt

Belegte Brötchen, süße Teilchen, Obst oder Snacks sind am St.-Christophorus-Gymnasium der Renner. Die Caféteria, die von der Konditorei Telgmann beliefert wird, ist in den Pausen sehr gut besucht, wie Schulleiter Thorsten Schröer erzählt. Ein Besuch in der großen Pause um 12.30 Uhr zeigt das. Von den 40 Laugenstangen und den 60 belegten Brötchen liegen nur noch wenige in der Verkaufsvitrine. Bis 14 Uhr hat die Caféteria noch geöffnet. Dann sind fast alle Artikel verkauft. Besonders die Joghurts gehen immer sehr schnell weg, wie Barbara Kämper erzählt.

Mensa-Essen bietet mehr als nur Spaghetti - Beliebt sind aber auch Snacks und Muttis Brot

In der Caféteria ist zum Mittag viel los. Um 12.30 Uhr sind schon fast alle belegten Brötchen und Laugenstangen vergriffen. © Andrea Wellerdiek

Die 55-Jährige kümmert sich seit Anfang an um die Einkäufe für die Caféteria. Ihre Kinder sind selbst gar nicht mehr auf der Schule. „In der neunten Klasse war es für die Kinder vielleicht mal peinlich, wenn die eigene Mutter hier verkauft“, sagt sie und schmunzelt. Insgesamt mehr als 60 Mütter und ein Vater helfen hier seit elf Jahren ehrenamtlich mit.

Smoothies und Wassermelonen

Die Gewinne fließen in den Förderverein der Schule. Neben den Artikeln von Telgmann gibt es von den Müttern Smoothies oder im Sommer Wassermelonen. Beliebt seien Süßigkeiten und Obst. 50 Äpfel und 3 bis 4 Kilogramm Bananen gehen wöchentlich über die Ladentheke, erzählt Barbara Kämper. Mehr brauchen die Schüler offenbar nicht. Denn weil es keinen klassischen Nachmittagsunterricht am St. Christophorus gibt, werden in der Mensa nur vereinzelt Gerichte vorbestellt. Wiederum ist der Caterer „Stattküche“ aus Münster zuständig. „Es ist wichtig, dass wir so ein Angebot haben. Eine warme Mahlzeit ist den Eltern wichtig“, sagt Schröer. Dass die Nachfrage überschaubar ist, zeige aber, „dass jemand Zuhause ist, wenn die Schüler nach Schulschluss um 14 Uhr nach Hause kommen“, so der Schulleiter weiter.

Mensa-Essen bietet mehr als nur Spaghetti - Beliebt sind aber auch Snacks und Muttis Brot

In der Caféteria am St.-Christophorus-Gymnasium kümmern sich Mütter wie (v.l.) Juliane Rötte, Barbara Kämper und Karin Kehrenberg um den Verkauf. © Andrea Wellerdiek

Am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg versorgen sich die Schüler ausschließlich in der Caféteria, einen Mensabetrieb gibt es nicht. Das Hausmeister-Ehepaar bietet vor allem belegte Brötchen und Snacks wie Pizzateile an. Auch frisches Obst und Salat gab es laut Schulleiter Helmut Gravert früher im Foodkiosk. Doch die Nachfrage war überschaubar.

„In den kurzen Pausen reicht den meisten ein belegtes Brötchen“, sagt der Schulleiter. In den drei 15-minütigen Pausen und vor dem Unterricht ist der Kiosk geöffnet. Wer eine Freistunde hat, muss sich mit dem eigenen Pausenbrot, das viele Schüler laut Gravert auch weiter mitbringen, versorgen. Oder er bestellt beim Hausmeister mit einer Whatsapp-Nachricht auf dem Smartphone vor. Für 13 Uhr werden dann gern die Pizzateile reserviert, die auf Vorrat eingekauft werden.

„Der Koch nimmt wahr, was die Kinder essen.“
Eleonore neumann, schulleiterin der uhlandschule

Obligatorisch ist das Mittagessen für die Uhlandschüler, die im Offenen Ganztag betreut werden. Hier gibt es ein täglich wechselndes Gericht und ein Rohkost- und Obstangebot sowie einen Nachtisch. Die Speisen bereitet ein Koch mit zwei Mitarbeiterinnen direkt in der Schulküche vor. „Alles wird frisch zubereitet. Es ist immer alles heiß und das Gemüse ist knackig, weil es gerade erst gedünstet wurde. Man schmeckt diese Frische“, sagt Schulleiterin Eleonore Neumann. Die Zusammenarbeit mit einem Catering-Service stand deshalb nie zur Diskussion.

Die Nähe zu den Kunden, nämlich den Kindern, sei entscheidend. „Der Koch nimmt wahr, was die Kinder essen. Sie können Wünsche äußern“, sagt Neumann. Die Zutaten für das Essen liefert ein Lebensmittelhändler aus Werne täglich an, der laut der Schulleiterin Wert auf Bio-Produkte und Fleisch aus kontrolliertem Anbau setzt.

Mensa-Essen bietet mehr als nur Spaghetti - Beliebt sind aber auch Snacks und Muttis Brot

In der Uhlandschule wird in der eigenen Küche selbst gekocht. „So kann man am besten auf die Wünsche der Kinder eingehen“, sagt Schulleiterin Eleonore Neumann. Hier gibt es regelmäßig Obst und Gemüse. © Natasa Balas (A)

Seit es den Offenen Ganztag seit 2006 gibt, essen die Kinder auch an fünf Tagen die Woche dort ihr Mittagessen. 200 Kinder und damit mehr als die Hälfte aller Schüler versorgen sich von 12 bis 14 Uhr. Spaghetti Bolognese, Pommes aber auch Eintöpfe sind bei den Kindern der Renner. „Die Kinder essen eigentlich immer etwas. Wenn sie das Tagesgericht nicht mögen, greifen sie mehr bei Obst und Rohkost zu“, erzählt Neumann.

Der Koch bietet das Tagesgericht stets in verschiedenen Varianten an: vegetarisch, ohne Schweinefleisch oder ohne bestimmte Zutaten für Allergiker. Das Essen kostet pro Tag 2,90 Euro. Die Eltern buchen es gleich bei der Anmeldung zur OGS-Teilnahme ihrer Kinder mit.

Die Wiehagenschule arbeitet bislang mit dem Caterer „Stattküche“ zusammen. Im Neubau wird es aber eine Küche geben, in der die Speisen selbst zubereitet werden. „So können wir auf die Wünsche noch besser eingehen“, sagt Schulleiterin Klaudia Funk-Bögershausen. Künftig möchten die Verantwortlichen weiter eine große Bandbreite an Speisen anbieten - glutenfrei, allergikerfreundlich und laktosefrei. Die Lebensmittel sollen von Anbietern aus der Nähe kommen und in Bio-Qualität. Der aktuelle Kostenbeitrag von 60 Euro für zehn Monate soll bleiben, so Funk-Bögershausen. Obst gibt es weiter aus dem Schulobst-Programm des Landes täglich für die Kinder - als Fingerfood, das in den Klassenräumen gegessen wird.

Essen zu unterschiedlichen Zeiten

An der Kardinal-von-Galen-Schulen in Stockum bekommen die Kinder, die in den Offenen Ganztag gehen, obligatorisch ein warmes Mittagessen. Der Träger des Offenen Ganztags, der Kreissportbund Unna, arbeitet dabei mit dem Catering-Service Apetito aus Rheine zusammen. Zurzeit wählen 69 Schüler aus einem Angebot ihre Speisen aus. Diese werden dann vorgegart, tiefgefroren angeliefert und in der Schule vorgekocht.

„Wir haben uns für diesen Caterer entschieden, weil wir dadurch gewährleisten können, dass alle Kinder ein warmes Essen bekommen.

Die Kinder essen zu unterschiedlichen Zeiten, sodass das Essen nicht lange warm gehalten werden muss“, erklärt der zuständige Mitarbeiter Martin Kusber. Ein Essen kostet 3 Euro. Zudem gibt es täglich frisches Gemüse und Obst, das die Mitarbeiterinnen im Offenen Ganztag in Supermärkten in Werne kaufen. Kusber: „Das ist uns sehr wichtig. Vor allem geht es auch darum, dass die Kinder zumindest mal probieren. Und zu 99 Prozent klappt das auch.“

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