Mit Ente in die Ehe: Werner sind große Entenfans

Zur RN-Enten-Aktion

Die Verwandten wollten einen Mercedes mieten. Das kam aber für Heidelore Fertig-Möller und Karl-Heinz Möller aus Werne nicht in Frage. Als Hochzeitsauto wollten sie 1979 lieber ein kleines, hellblaues Gefährt mit schielenden Augen. Anlässlich der RN-Enten-Aktion blicken sie zurück auf ihren Traum auf vier Rädern: die Ente.

WERNE

, 02.08.2016 / Lesedauer: 3 min
Mit Ente in die Ehe: Werner sind große Entenfans

Das Hochzeitsauto von Heidelore Fertig-Möller und ihrem Mann Karl-Heinz Möller war 1979 natürlich eine Ente.

Die Liebesgeschichte der ehemaligen Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller mit dem 2CV, wie das Kultauto des französischen Autobauers Citroën offiziell heißt, ist älter als die mit ihrem frisch Angetrauten.

Es war Liebe auf den ersten Blick: „1966 hat mein Bruder sich eine Ente gekauft“, erzählt sie. Er nahm seine kleine Schwester, die damals gerade 15 Jahre alt war, mit zur Spritztour entlang am Rhein. „Das war einfach wunderbar“, schwärmt sie noch heute: die weiche Federung, die jedes Wackeln ausglich, hatte es ihr angetan. Und dann noch dieses Rolldach, das die Ente im Handumdrehen in ein flottes Cabrio verwandelt. Dass das Auto nur 12,5 PS hatte, war dem Mädchen egal. „Für mich stand augenblicklich fest, dass ich später auch eine Ente haben wollte, sobald ich fahren kann“, erinnert sie sich.

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Bei den Werner Enten-Fans Zuhause

Die Werner Heidelore Fertig-Möller und Karl-Heinz Möller sind große Fans der Ente - so groß, dass sie 1979 sogar ihre Hochzeitsreise mit ihrer blauen Ente unternommen haben. Anlässlich der RN-Enten-Aktion blicken die zwei zurück auf ihren Traum auf vier Rädern.
02.08.2016
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Dass sie die Hochzeitsreise mit der Ente angetreten haben, versteht sich.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Hochzeitsauto von Heidelore Fertig-Möller und ihrem Mann Karl-Heinz Möller war 1979 natürlich eine Ente.
Die Zeitungsente der RN hat es sich zwischen den anderen Sammlerstücken gemütlich gemacht.© Foto: Sylvia vom Hofe
Im Familienalbum von HHeidelore Fertig-Möller und Karl-Heinz Möller befinden sich auch zahlreiche Fotos von ihren Enten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Für Heidelore Fertig-Möller kam nie eine andere Ente in Frage.© Foto: Sylvia vom Hofe
Durch ganz Europa ist das Ehepaar mit seinen Enten gereist.© Foto: Sylvia vom Hofe
In den 1970er-Jahren etwas ganz Besonderes: die Rundreise durch Ungarn - mit Ente.© Foto: Sylvia vom Hofe
Prompt musste die Ente in Ungarn in die Werkstatt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Mitarbeiter der Werkstatt hatten sich darum gerissen, die exotische Ente aus Deutschland zu reparieren, wie sich das Ehepaar erinnert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Enten stapeln sich nicht nur im Fotoalbum, sondern auch in der Vitrine.© Foto: Sylvia vom Hofe
Enten sind ein Blickfang - nicht nur auf der Straße, sondern auch kin der Vitrine.© Foto: Sylvia vom Hofe
Aus reinem Silber: ein besonders wertvolles Stück der Sammlng.© Foto: Sylvia vom Hofe
So winzig sind die kleinsten Enten der Sammlung.© Foto: Sylvia vom Hofe
Heidelore Fertig-Möller zeigt die größte Modellente ihrer Sammlung und die kleinste.© Foto: Sylvia vom Hofe
Mit einer Ente in den Urlaub wird die RN-Ente nicht fahren. Seit 2001 haben die Möllers keine Ente mehr in der garage - nur noch in der Vitrine.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die ursprünglich hellblaue Ente hat sich nach und nach in eine bunte Ente verwandelt. Das Ehepaar hat selbst den Pinsel angesetzt. Egal, welche Farbe: Darunter ist immer Korrosionsschutz - der aber nicht all zu viel zu helfen vermochte.© Foto: Sylvia vom Hofe
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Karl-Heinz Möller war auch schnell Feuer und Flamme – zunächst wohl nur für die junge Geschichtsstudentin, dann aber auch für ihr Auto. Sicher, schnelle Autos hätten dem Lehramtsstudenten noch mehr zugesagt, „aber in den 1970er-Jahren konnten wir uns nur eine Ente leisten“, sagt er. Zwischen 800 und 900 Mark habe sie damals gebraucht gekostet. Als Neuwagen 4200 Mark.

Das war für das Studentenpärchen gerade so machbar. Zumal die Ente auch günstig im Verbrauch war. „Höchstens 6,5 Liter hat sie auf 100 Kilometern verbraucht“, sagt Heidelore Fertig-Möller. Und KFZ-Steuern seien auch kaum angefallen. Schließlich war damals allein die Größe des Hubraums Bemessungsgrundlage – und noch nicht der CO2-Ausstoß.

Mit der Ente in die Flitterwochen

Die blaue Ente – nicht ganz so strahlend blau wie die RN-Zeitungsente, sondern heller und unter dem Lack schnell rostrot – hat Heidelore Fertig-Möller und Karl-Heinz Möller nicht nur zu Standesamt und Kirche gebracht, sondern auch in die Flitterwochen: nach Kroatien. Ob das Autochen, das damals mit viel Wind 110 Sachen fuhr, diese weite Fahrt gemeistert hat? Beide lachen. Und sie greift zum Fotoalbum: Österreich, Norwegen, Frankreich, Ungarn. „Eigentlich haben wir ganz Europa bereist“ – per Ente.

Im Alltag war der Wagen weniger zuverlässig als in den Ferien. „Wenn es feucht und nebelig war, ging oft gar nichts“, sagt Karl-Heinz Möller. Und das, obwohl er die Enten selbst reparieren konnte. Wenn die beiden Studenten wichtige Prüfungen an der Uni hatten, beteten sie – nicht dafür, dass sie durchkamen, sondern dafür, dass der Wagen ansprang und sie pünktlich von Seppenrade nach Münster brachte. Offenbar wurden sie erhört.

Entenmodelle zum Trost

Auch als Heidelore Fertig-Möller schon Museumsleiterin und Mutter war, blieb sie der Ente treu. „Meine Tochter liebte es, wenn ich sie von der Kita abholte und über die Bodenwellen fuhr“ – weil die Karosserie so schön schaukelte. Dass seit 2001 keine Ente mehr in der Garage steht, hat mit derselben Tochter zu tun. Sie hatte nun den Führerschein, kam aber nicht mit der Krückstockschaltung mit vier Gängen klar.

„Ich habe die Trennung immer bedauert“, sagt Fertig-Möller. Zum Trost begannen sie und ihr Mann, Enten-Modelle zu sammeln. Und vor wenigen Wochen gab es ein Wiedersehen mit einem Modell eins zu eins. „Mein Mann hat mir eine Fahrt in einer Miet-Ente geschenkt.“ Eine wunderbare Idee, hatte sie gedacht – bis sie wieder hinterm Steuer saß: „Ich hatte vergessen, wie viel Kraft man aufbringen musste, um die Bremse zu treten und wie groß das Lenkrad war.“ Bequem ist anders – aber nicht Ente. 

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