Weit und breit ist am Marktplatz in Werne kein Mensch zu sehen. Seit 21 Uhr gilt die Ausgangssperre.. © Carina Strauss
Ausgangssperre in Werne

Mit Video: Ausgangssperre ab 21 Uhr – Ordnungsamt trifft nur 2 Personen

Seit Montag gilt in Werne die Ausgangssperre ab 21 Uhr. Was denken die Menschen in Werne darüber? Wir haben sie gefragt. Und was tut sich am Montagabend in der Stadt?

Das Ordnungsamt der Stadt Werne bestätigt den Eindruck unserer Reporterin vom gestrigen Abend. Als „absolut ruhig“ bezeichnet Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens die Lage. Im Zusammenhang mit der Ausgangssperre seien lediglich 2 Personen angesprochen worden, „die sich dann umgehend auf den Heimweg begeben haben.“

Update Dienstag (20. April 2021):

Es habe allerdings Irritationen rund um die neuen Regelungen im geplanten Infektionsschutzgesetz gegeben. Gestern (19.4.) wurde bekannt, dass bei einer hohen Inzidenz Ausgangsbeschränkungen ab 22 Uhr geplant sind und es Ausnahmen zum Joggen oder für Spaziergänge bis 0 Uhr geben soll. Diesen Regelungen müssen aber zunächst noch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Bis die neuen Regeln rechtskräftig werden, gilt im Kreis Unna zunächst die Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr.

Ab Montag (19. April 2021) gilt im Kreis Unna und damit auch in Werne eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr. Unsere Reporterin hat tagsüber die Menschen zur nächtlichen Beschränkung gefragt und abends um 21 Uhr sich in der Stadt umgeschaut. Hier ihr Bericht:

Die Berichterstattung von Montag (19.4.):

Kurz nach 21 Uhr herrscht gähnende Leere auf den Gehwegen und Straßen. Selbst auf der sonst viel befahrenen Münsterstraße ist zeitweise kein Auto in Sicht. Auf dem Weg in die Innenstadt trifft man noch einen Hundehalter – das war’s.

In der Stadt wird noch ein letzter Werbeaufsteller für die Nacht gesichert. Ob das in dieser Nacht wirklich nötig ist? Auf dem weiteren Rundgang durch die Nacht ist die einzige Unterhaltung für die Ohren das Gezwitscher der Vögel.

Ansonsten ist Werne fast eine Geisterstadt. Die Menschen, die man trifft, kann man an einer Hand abzählen und jeder scheint schnell seines Weges zu gehen, um möglichst bald ans Ziel zu kommen.

Stille in der Ausgangssperre

Auch am Skaterpark an der Münsterstraße ist niemand mehr, am Busbahnhof warten keine Fahrgäste, die Geschäfte haben längst geschlossen. Das Einzige, was unermüdlich weiter sprudelt, ist das Wasserspiel auf dem Marktplatz. Zuschauen tut dort allerdings niemand mehr – außer vielleicht Anwohner aus ihren Fenstern.

Alles ist dunkel in der Werner Innenstadt. Kaum jemand ist unterwegs.
Alles ist dunkel in der Werner Innenstadt. Kaum jemand ist unterwegs. © Carina Strauss © Carina Strauss

Das Ordnungsamt haben wir auf unserem Weg durch die Stadt nicht angetroffen. Kontrollen sind aber angekündigt. Wer ohne triftigen Grund vor die Tür geht, für den kann es teuer werden. 250 Euro werden fällig. Kein Wunder also, dass diejenigen, die noch unterwegs sind, sehr schnell ihres Weges gehen.

Umfrage am Montagmittag in Werne

Und was sagen die Menschen in Werne dazu? Wir haben uns am Montagmittag einmal in der Stadt umgehört. Renate Günther (70) zum Beispiel hat eine klare Meinung zur Ausgangssperre: „Das hätte es schon viel eher geben müssen. Dann wären wir vielleicht auch viel eher damit durch.“ Sie hat allerdings Befürchtungen, dass das Ganze nach hinten los ist. „Was ist, wenn sich die Leute vor neun Uhr treffen und dann um fünf Uhr gegebenenfalls noch angeheitert wieder nach Hause gehen? Man kann ja auch nirgends mehr hin.“

Renate Günter findet die Ausgangssperre richtig. Sie hätte sich solche Maßnahmen früher gewünscht.
Renate Günter findet die Ausgangssperre richtig. Sie hätte sich solche Maßnahmen früher gewünscht. © Carina Strauss © Carina Strauss

Für sie selbst hat die Ausgangssperre kaum Auswirkungen. „Ich gehe eigentlich um 20 Uhr das letzte Mal mit dem Hund und dann erst morgens wieder. Es sei denn, er muss zwischendurch doch nochmal nach draußen.“

Alexandra Krawiec (47) ist selbstständig tätig als Beraterin für Vorwerk. „Wir arbeiten den ganzen Tag. Viele unserer Kunden haben nur abends nach der Arbeit Zeit. Das heißt, wir sind dann eventuell noch beruflich unterwegs.“

Alexandra Krawiec fragt:
Alexandra Krawiec fragt: „Sollen sich die Leute nur noch zu Hause einschließen?“ © Carina Strauss © Carina Strauss

Sie sieht auch besonders Probleme für junge Leute. „Sollen sich die Leute nur noch zu Hause einschließen und kein Leben mehr haben?“ Sie verweist zudem besonders auf die Lage der Berufstätigen. „Ich habe eine 80-jährige Nachbarin. Sie hat drei Kinder. Die haben auch größtenteils nur abends Zeit. Was ist da mit Besuchen?“ Krawiec fragt sich: „Wie geht das weiter? Es wird alles immer komplizierter.“

Melanie Miosga (30) ist um 21 Uhr ohnehin mit ihrer Tochter (2) zu Hause. „Das ist so die Zeit, wo man zu Hause gemütlich auf der Couch sitzt. Man kann ja eh nichts anderes mehr machen.“ Am Sinn der Ausgangssperre hat sie allerdings ihre Zweifel. „In größeren Städten, wo viele Menschen leben, sich viele Jugendliche treffen, macht das vielleicht Sinn. Aber in einer kleinen Stadt wie Werne?“

Melanie Miosga ist um 21 Uhr ohnehin zu Hause mit ihrer Tochter.
Melanie Miosga ist um 21 Uhr ohnehin zu Hause mit ihrer Tochter. © Carina Strauss © Carina Strauss

Lara Heitjohann (19) wohnt in einer eigenen Wohnung. Für sie fällt mit der Ausgangssperre der Besuch bei der Familie weg – oder wird zumindest verkürzt. Man müsse ja auch noch wieder nach Hause kommen. „Ich glaube schon, dass das besonders Berufstätige einschränkt, die nur nach der Arbeit die Möglichkeit haben, zum Beispiel die Familie zu besuchen“, sagt sie.

Lara Heitjohann sieht in der Ausgangssperre besonders Probleme für Berufstätige.
Lara Heitjohann sieht in der Ausgangssperre besonders Probleme für Berufstätige. © Carina Strauss © Carina Strauss

Auch falle für einige dann vielleicht der abendliche Spaziergang weg, um nochmal rauszukommen. „Dennoch finde ich es gar nicht schlecht, dass mal etwas getan wird.“

Für Dagmar Bleckmann (63) gibt es ein grundsätzliches Problem: „Ich glaube, das wird alles sehr hoch aufgehangen.“ Man sollte schon Respekt vor dem Virus haben und sich schützen. Dennoch hat sie zur Ausgangssperre eine klare Meinung: „Die Ausgangssperre ist ein Wahnsinn. Vor allem, wo doch jetzt schon die Aerosolforscher sagen, draußen kann man sich am wenigsten anstecken. Ich sehe da keinen Sinn drin.“

Penny muss Öffnungszeiten kürzen

Der Penny-Markt An den 12 Bäumen in Werne musste aufgrund der Ausgangssperre seine Öffnungszeiten anpassen. Eigentlich hat man hier von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Aushänge am Markt weisen die Besucher darauf hin, dass man ab sofort nur noch bis 21 Uhr geöffnet hat. „Das behalten wir so lange bei, bis wir vom Kreis das Go bekommen, wieder bis 22 Uhr zu öffnen“, so Marktleiter Marc Hüttermann.

Der Penny-Markt An den 12 Bäumen musste seine Öffnungszeiten anpassen.
Der Penny-Markt An den 12 Bäumen musste seine Öffnungszeiten anpassen. © Carina Strauss © Carina Strauss

Die ebenfalls im Markt befindliche Bäckerei Kanne muss die Öffnungszeiten nicht kürzen, denn die Bäckerei schließt im Gegensatz zum Markt in der Woche schon um 19 Uhr, hat dafür aber auch sonntags geöffnet.

21 Uhr in Werne

Kurz vor der Ausgangssperre gehen die letzten Nachzügler noch im Penny einkaufen. Viel Zeit haben sie nicht. Pünktlich um 21 Uhr wird der Laden geschlossen.

„Wir müssen reden“: Live-Talk zur nächtlichen Ausgangssperre im Kreis Unna am Dienstag, 20. April, ab 19 Uhr unter www.rn.de/wirmuessenreden

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