Robert Schulze Kalthoff hat auf seinen Feldern einen Mix aus Zwischenfrüchten gesät, hauptsächlich Senf (gelb) und Ölrettich (weiß). © Jörg Heckenkamp
Landwirtschaft in Werne

Mit Video: Darum riecht es in Werne im Herbst seit drei Jahren nach Frühling

Wer in der freien Natur unterwegs ist, kommt sich in diesen Wochen wie im Frühling vor. Es sieht auf den Feldern so aus und es riecht auch so. Hat der Klimawandel nun voll zugeschlagen?

Nein, mit dem Klimawandel hat es nichts zu tun, dass es jetzt im Herbst auf vielen Feldern wie im Frühjahr aussieht. Ein gelber Blütenteppich erstreckt sich bei Temperaturen, die nachts an der Frostgrenze kratzen. Und es riecht auf wie im Frühling. Nämlich der intensive Duft von Raps steigt dem Naturfreund in die Nase. „Schuld“ daran trägt wer? „Die EU“, sagt Robert Schulze Kalthoff.

Der 48-Jährige erklärt: „Seit drei Jahren gibt es eine verpflichtende Verordnung der EU zum Anbau von sogenannten Zwischenfrüchten.“ Ziel sei, die natürliche Verbesserung des Bodens sowie die Förderung des Lebens oberhalb des Bodens. Eine dieser sogenannten Zwischenfrüchte ist ein Kraut, das auf den ersten Blick aussieht wie der im Frühjahr angebaute Raps und auch so riecht: Senf.

Die sogenannte Zwischenfrucht bildet eine dichte, nährstoffreiche Pflanzendecke, die der Bodenerosion vorbeugt.
Die sogenannte Zwischenfrucht bildet eine dichte, nährstoffreiche Pflanzendecke, die der Bodenerosion vorbeugt. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

„Es gibt etliche Arten von Zwischenfrüchten. Der gelbe Senf und der weiße Ölrettich sind wohl die gängigsten“, sagt Schulze Kalthoff, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Werne. Er selbst hat auf ungefähr der Hälfte seiner Felder eine bunte Mischung Zwischenfrüchte gesät, Schwerpunkt Senf und Ölrettich. „Auf der anderen Hälfte habe ich Mais angebaut. Den haben wir gerade geerntet. Hier wäre es jetzt zu spät für die Aussaat von Zwischenfrüchten.“

Die gelben Frühlings-Anklänge dürfen fröhlich vor sich hinwachsen und Nährstoffe, vor allem Stickstoff, in sich aufnehmen. Bis der erste stärkere Frost kommt, dann frieren sie ab. Daraufhin bilden sie über den Winter eine grüne, schützende Mulchschicht. „Im Frühjahr wird die Schicht dann in den Boden eingearbeitet, samt der Nährstoffe“, sagt Schulze Kalthoff.

Der 48-Jährige zeigt die gelbe Senfblüte, die im Aussehen und vom Geruch her an den Frühjahrs-Raps erinnert.
Der 48-Jährige zeigt die gelbe Senfblüte, die im Aussehen und vom Geruch her an den Frühjahrs-Raps erinnert. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Doch Zwischenfrüchte wirken nicht nur wie eine natürliche Düngung. Sie dienen auch anderen Zwecken. Etwa der Verhinderung von Bodenerosion. „Die dichte Pflanzendecke bzw. später die Mulchschicht verhindern, das Boden durch Wind oder Regen abgetragen wird“, sagt er. Die Wurzeln sorgen für Belebung im Boden, die Pflanze selbst komme zum Beispiel Insekten zugute. „Zudem finden Wildtiere wie Hasen Deckung“, so der Landwirt.

Ausgesät werden die Zwischenfrüchte in der Regel nach der Getreide-Ernte Ende August/Anfang September. „Manche auch noch etwas später, aber danach funktioniert eine Aussaat nicht mehr.“ Die EU-Verordnung zurre nur gesetzlich fest, was die Bauern in Werne und Umgebung schon immer gemacht hätten. „Wir sind ja vom Nutzen der Zwischenfrüchte überzeugt und haben sie schon immer eingesetzt“. Seit drei Jahren aber noch intensiver.

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Jörg Heckenkamp