Nicole Micke ist Maklerin in Werne. Statt mit dem Auto fährt sie mit dem Fahrrad zu den Terminen. © Carina Strauss
Radfahrer in Werne

Mit Video: Die radelnde Maklerin: „Man kommt einfach schneller ans Ziel“

Dass man mit dem Fahrrad manchmal schneller ans Ziel kommt, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Dass das aber eine Maklerin so für sich nutzt, schon eher. Wir haben Nicole Micke aus Werne auf einer Tour begleitet.

Wir haben uns nicht gerade das beste Wetter für unsere gemeinsame Tour durch Werne ausgesucht. Als Nicole Micke (50), Maklerin bei Josef Holtrup Immobilien, auf ihr Fahrrad steigt, regnet es schon leicht. Für sie ist das aber kein Grund, auf das Auto umzusteigen. „Es muss schon richtig schütten und ich schon mehrmals nass geworden sein, bevor ich auf das Auto umsteige“, erzählt sie wenig später, als wir uns auf den Weg durch die Stadt machen.

Doch für sie hat das Fahrrad einen großen Vorteil: „Man kommt einfach schneller ans Ziel. Und bevor ich in der Innenstadt einen Parkplatz suchen muss, fahre ich eben mit dem Rad.“ Normalerweise fährt sie mit Elektroantrieb, den hat sie aber am Mittwoch (29. September) aus Rücksicht auf die Reporterin abgeschaltet. Trotzdem ist sie noch schneller, „das ist das Training“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Maklerin fährt mit dem Fahrrad zu ihren Terminen in Werne

Schon kurz nachdem wir gestartet sind, kommen wir zu der ersten Hürde für Radfahrer. Eine Hürde ist sie nicht wirklich, aber sie kostet Zeit: die Fußgängerampel am Hansaring in Werne. „Ich ärgere mich da immer wieder drüber“, so Micke. Als wir ankommen, ist es gerade grün und wir können rüberschieben. Wie lange es dauern kann, bis die Fußgänger hier grün bekommen, sollen wir später noch erleben.

An diesem Tag geht es einmal quer durch die Stadt. Zunächst in die Innenstadt zu einem Objekt, dass das Maklerbüro gerade vermietet hat. „Wir müssen unsere Plakate noch abnehmen und einsammeln“, so Micke. Um zu dem Objekt in der Innenstadt zu kommen, müssen wir aber tatsächlich absteigen. „Lieferverkehr bis 11 Uhr frei, Fahrradfahrer müssen vorher schon absteigen“, erklärt die Maklerin. An dem Ladenlokal holt sie ihren Schlüssel hervor. Also eigentlich ihr ganzes Schlüsselsammelsorium, wie es sich für eine Maklerin eben gehört. „Ich bin tatsächlich schon oft darauf angesprochen worden“, so Micke. Doch wenn sie ihre Tour durch Werne und Umgebung macht und zu mehreren Objekten fährt, braucht sie natürlich auch viele Schlüssel.

Ohne Kofferraum, aber dafür schnell durch die Stadt

Die zumindest kann sie in ihrer Handtasche verstauen. Mit den Plakaten geht das nicht. „Ich habe natürlich keinen Kofferraum“, vielleicht einer der wenigen Nachteile, wenn man nicht mit dem Auto unterwegs ist. Doch auch mit dem Fahrrad bekommt sie die Plakate noch gut transportiert. Auf dem Weg durch die Stadt holen wir gleich noch einen weiteren Schlüssel ab, der noch beim Elektriker war. Das Stop and Go und das Fahren über die kleinen Wege – mit dem Auto nicht zu machen. Zumindest so schnell hätten wir die kleinen Zwischenstopps wohl mit dem Auto nicht erledigt bekommen.

In dem Schlüsselwust den Überblick behalten? Für Nicole Micke ist das kein Problem.
In dem Schlüsselwust den Überblick behalten? Für Nicole Micke ist das kein Problem. © Carina Strauss © Carina Strauss

Weiter geht es, kurz nochmal am Büro angehalten, die Plakate abgestellt und entlang der Stockumer Straße weiter zum nächsten Objekt. Dabei müssen wir an den geparkten Autos vorbei, links überholen uns währenddessen in knappem Abstand die Fahrzeuge. „Mir ist es auch schon oft passiert, dass von den geparkten Autos auch einfach die Türen aufgerissen werden“, berichtet Micke. Zum Glück sei bis auf ein Mal alles gut gegangen. Aber auch bei dem einen Mal sind alle Beteiligten mit dem Schrecken davongekommen. Am nächsten Objekt muss sie noch Fotos für die Bank machen. „Die Banken wollen natürlich wissen, wie viel die Käufer hier ungefähr noch investieren müssen“, erklärt die Maklerin.

Vorbei an parkenden Autos an der Stockumer Straße - immer mit der Gefahr, das plötzlich eine Tür aufgerissen wird.
Vorbei an parkenden Autos an der Stockumer Straße – immer mit der Gefahr, das plötzlich eine Tür aufgerissen wird. © Carina Strauss © Carina Strauss

Zur nächsten Station geht es natürlich auch wieder mit dem Rad. Wieder fahren wir an der Fußgängerampel am Hansaring vorbei, diesmal allerdings entlang der Straße. Als wir von der Stockumer Straße aus links abbiegen auf den Hansaring und die Ampel in Sicht kommt, steht dort schon jemand, der für Grün gedrückt hat. Wir fahren daran vorbei. Die Radfahrerin, die ihr Fahrrad rüberschieben möchte, hat immer noch rot. Und das sei vermutlich auch noch eine Weile so geblieben, meint Micke, die sich schon lange über diese Ampel ärgert.

Aber auch als Radfahrer, der am Hansaring entlangfährt, hat man nicht immer viel Platz. „Wenn die Lkw an einem vorbeifahren, ist das schon unangenehm. Jetzt ist das Grün am Rand aber gut geschnitten.“ So haben wir genug Platz, auch wenn die Lkw an uns vorbeifahren.

Regenponcho? „Am Ende weiß ich – es hätte sich gelohnt“

Derweil wird der Regen wieder stärker. Doch für Nicole Micke macht das nichts, Kapuze über den Kopf und weiter geht es. „Ich denke immer, für den Regenponcho lohnt es sich noch nicht. Am Ende weiß ich – es hätte sich gelohnt“, sagt sie und lacht. Die 50-Jährige kennt die Wege in Werne wie wohl nicht viele andere. Schließlich ist sie hier aufgewachsen und sucht sich jeden Tag den schnellsten Weg zu ihren Objekten. Auch zu denen, die bereits verkauft sind.

Aber wie reagieren eigentlich die Käufer und Verkäufer, wenn die Maklerin mit dem Rad und nicht mit der dicken Limousine vorgefahren kommt? „Für mich ist das gar nicht so ungewöhnlich, weil ich schon immer viel Fahrrad gefahren bin. Und dann bin ich zu den Besichtigungen gefahren, fahre da vor und dann kommt ‚Wie? Eine Immobilienmaklerin auf dem Fahrrad? Das ist aber ungewöhnlich.'“ Aber immer mit positiven Reaktionen verbunden, so Micke. Und schon geht es weiter. Mit Rücksicht auf die Reporterin und das Wetter verzichtet sie heute auf die Fahrt nach Stockum. Aber auch dieser Weg ist ihr eigentlich nicht zu weit, egal wie das Wetter ist.

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