Platzmangel: Blindenweg führt Sehbehinderte mitten durch die Außengastronomie

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Die Blindenleitspur am Moormannplatz soll Sehbehinderten den Weg durch die Fußgängerzone erleichtern. Stattdessen führt sie mitten durch die Außengastronomie. Hat jemand bei der Planung gepennt?

Werne

, 20.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So kann man auch gleich darauf verzichten - das dürften sich einige Sehbehinderte wohl denken, wenn sie an der Außengastronomie am Moormannplatz vorbeigehen. Die sogenannte „Blindenleitspur“ soll ihnen zwar den Weg durch die Fußgängerzone erleichtern - doch das geht natürlich nur, wenn sie auch frei ist. Und genau hier wird‘s eng auf dem ohnehin schon schmalen Pfad mit dem geriffelten Bodenbelag.

Denn insbesondere der Bereich vor dem Konrads und dem Eiscafé Venezia ist ziemlich gut bestuhlt. Teilweise stehen Tische und Stühle sowohl rechts als auch links vom Blindenweg. Und das mit so geringem Abstand, dass Kunden, die hier sitzen, den Weg oftmals blockieren - zumindest dann, wenn sie sich nicht direkt an die Tischkante quetschen.

Bautechnisch an Vorgaben gehalten

Hat hier etwa jemand bei der Planung gepennt? Tiefbauamtsleiter Adrian Kersting erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass sich die Stadt bautechnisch natürlich an die Vorgaben gehalten habe.

Es habe im Vorfeld der Umgestaltung des Moormannplatzes auch Gespräche mit Vertretern des Blinden- und Sehbehindertenvereins gegeben. Und da habe es geheißen, der Abstand zwischen Bestuhlung und Blindenweg sei ausreichend. Außerdem - so sei damals der Tenor gewesen - sei es auch nicht so dramatisch, wenn mal ein Tisch etwas näher am Weg stehe. Doch ganz optimal sei die Situation gerade offensichtlich nicht, wie Kersting erklärte.

Platzmangel: Blindenweg führt Sehbehinderte mitten durch die Außengastronomie

Die Stadt arbeitet an einem neuen Bestuhlungsplan für den Bereich am Moormannplatz. © Felix Püschner

Bürgerbeschwerden eingegangen

Das bestätigte Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens im Gespräch mit unserer Redaktion. Es habe bereits eine Bürgerbeschwerde gegeben. Und auch deswegen habe man das Thema gerade besonders auf dem Schirm. „Wir haben schon Gespräche mit den Gastronomen geführt“, so Mertens. Und die hätten sich einsichtig gezeigt.

Derzeit zeichne man beim Ordnungsamt Pläne, wie die zukünftige Bestuhlung aussehen könnte. Vor dem Umbau des Moormannplatzes habe es eine klare Regelung gegeben. Doch durch die Neugestaltung hätten sich die Gegebenheiten eben verändert. „Wir wollen mehr Platz auf der Spur schaffen. Das ist klar“, sagte Mertens.

Neuer Plan für Bestuhlung

Dass ein solcher Bestuhlungsplan noch nicht vor dem Umbau des Moormannplatzes aufgestellt wurde, hänge damit zusammen, dass man zunächst einmal ausprobieren wollte, wie es sich in der Realität verhält. Erfahrungswerte sammeln war angesagt.

„Und wenn die neue Gestaltungssatzung für die Innenstadt kommt, werden wir wahrscheinlich noch mal sprechen müssen“, so Mertens. Es könne sein, dass man dann erneut einiges verschieben beziehungsweise umstellen müsse. Der Gestaltungsleitfaden soll für eine attraktivere Innenstadt sorgen und unter anderem ausufernde Werbung in Form von Aufstellern verhindern.

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