Mühsam geht's flussaufwärts

Leben mit der Lippe

Lustig ist sie nicht, die Schifffahrt auf der Lippe. Zumindest nicht vor 2000 Jahren, als der Fluss noch Lupia heißt. Ob wendige Patrouillenboote oder schwere Lastkähne: Alles, was flussaufwärts unterwegs ist, müssen die alten Römer während ihres Germanien-Feldzuges ziehen - auch durch Werne hindurch.

WERNE

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 06.09.2013, 17:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wenige Kilometer vor Werne, in Beckinghausen, haben sich die Legionäre ein Militärlager gebaut. Wenige Kilometer dahinter, in Oberaden, ebenfalls. Und dazwischen? Vermutlich "krauses, sumpfiges und waldiges Land", das der antike Geschichtsschreiber Strabon als typisch für die Region nennt. "Wir haben keinen Hinweis darauf, dass es zu dieser Zeit schon eine Ansiedlung auf dem heutigen Stadtgebiet gegeben hat", sagt Wernes Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller.

"Werina" an der Lupia taucht erst über 800 Jahre später auf der Bildfläche der überlieferten Geschichte auf: ein großer Hof mit einer hölzernen Kapelle, den Karl der Große dem bischöflichen Stift Münster schenkt. Die Militärlager vor und hinter dem Flecken Land, der sich zur Stadt mausern sollte, waren zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden. Das römische Weltreich war nur noch eine blasse Erinnerung.Manchmal aber auch eine silbern blitzende. Fertig-Möller deutet auf eine Sammlung von Münzen im Erdgeschoss des Museums: antike Zahlungsmittel, die alle aus Werne stammen. Auf einer lächelt der gelockte Mark Aurel (121-180), auf einer andere blickt streng Konstantin der Große (275-337). Kaum noch zu erkennen sind dagegen die Züge ihres Vorgängers Antonius Pius (86-161). So abgegriffen ist das damals überall zwischen Rom und Werne gültige Geldstück schon.Handel in Werne

"Die Münzen stammen aus einer Zeit weit nach der Varusschlacht", sagt Heidelore Fertig-Möller: dem Schlachtengetümmel im Jahr 9 im Teutoburger Wald, das den Feldzug der Römer beendete. Und damit auch ihr reges, wenn auch mühsames Hin und Her auf der Lupia. "Die Legionäre verschwanden, die Handelsbeziehungen blieben," meint Fertig-Möller. Für sie steht fest, dass die Münzen niemandem zufällig in Werne aus der Tasche gefallen seien. "Hier wurden Waren verkauft."

Nur einmal noch lebt die römische Lippe-Schifffahrt auf. Um 70 nach Christus sind es stolze Germanen, die auf den alten Treidelpfaden das Flaggschiff der römischen Rhein-Flotte flussaufwärts ziehen. Zuvor hatten sie es bei Xanten erbeutet: ein Geschenk für ihre Priesterin Veleda.

 

 

 

 

 

 

 

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