„Vier Engel für Werne“ retten Musikabend – Saxofon-Quartett aus Dortmund springt ein

Altes Rathaus

Das „Lilith-Saxofonquartett“ springt kurzfristig für das von Krankheit gebeutelte Ventus-Quintett ein – und macht seine Sache hervorragend.

Werne

, 22.03.2019 / Lesedauer: 3 min
„Vier Engel für Werne“ retten Musikabend – Saxofon-Quartett aus Dortmund springt ein

Das Lilith-Saxofonquartett war alles andere als zweite Wahl beim Konzert am Donnerstag, 21. März, im Alten Rathaus. © Elvira Meisel-Kemper

Retter in der Not war das Lilith-Saxofonquartett aus Dortmund, denn kurzfristig war für das Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde Werne im Bürgersaal des Alten Rathauses in Werne das angekündigte Ventus Quintett aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen.

Hubertus Steiner, künstlerischer Direktor des Vereins, fand in den vier virtuos musizierenden Damen einen adäquaten Ersatz, weshalb er nicht umsonst das Quartett als „Vier Engel für Werne“ ankündigte. Sie hatten zwar keine Flügel, aber sie beflügelten die Fantasie der rund 80 Zuhörer mit der Interpretation ihrer Stücke aus der klassischen Musikliteratur .

„Vier Engel für Werne“ retten Musikabend – Saxofon-Quartett aus Dortmund springt ein

Hubertus Steiner (li), künstlerischer Direktor der Gesellschaft der Musikfreunde e.V. Werne, bedankt sich beim Quartett. © Elvira Meisel-Kemper

Erst 1840 erfand der Belgier Adolphe Sax das Saxofon. Händel komponierte sein Werk „Acis and Galatea“ 1718, also weit vor der Erfindung dieses Blasinstruments, als gesungenes Oratorium . In einem speziellen Arrangement für vier verschiedene Tonlagen machte das Quartett dem Ruf seiner Instrumente, ein sehr guter Ersatz für gesungene Arien zu sein, alle Ehre.

Ilona Haberkamp (Tenorsaxofon) moderierte nicht nur das Konzert, sondern übernahm in diesem Werk die Leitstimme. Karin Hatzel (Altsaxofon), Nikola Seegers (Tenorsaxofon) und Catrin Groth (Baritonsaxofon) behaupteten sich als ebenso versierte, gleichberechtigte Stimmen.

Speziell für Saxofon-Quartette komponiert

Speziell für ein Saxofon-Quartett komponierte 1936 Gabriel Pierné seine Introduction et variations sur une ronde populaire. „Es ist eines der schönsten Saxofon-Quartette“, schwärmte Haberkamp in ihrer Ankündigung.

Am Anfang stand ein eher behäbiger Auftakt. Als sich alle vier Stimmen gefunden hatten, mischten sie sich zu einem berührend lebendigen Zusammenklang, in dem ein Hauptmotiv immer wieder auftauchte und variiert wurde.

Weltreise durch die Musik der vergangenen 400 Jahre

Doch die Weltreise durch die Musik der letzten 400 Jahre war damit noch nicht beendet. Der spanische Komponist Isaac Albéniz schrieb kurz vor 1900 drei Stücke für Klavier. „Das ließ sich auch wunderbar für vier Saxofone umschreiben“, schickte Haberkamp voraus.

Leonard Bernstein komponierte 1956 in New York das Musical „Candide“ nach dem Buch von Voltaire. Beschwingt und engagiert stiegen die vier Blasinstrumente in dieses beliebte Werk ein, würzten es mit ihren ganz eigenen virtuosen Prägungen und betonten damit die Existenzberechtigung dieser wunderschönen lebendigen Musik.

Quartett gräbt unbekanntes Werk aus

Mit dem ersten Quartett für Saxofone von Jean Baptiste Singelee, dem Freund von Sax, aus dem Jahr 1857 gruben die vier Musikerinnen ein eher unbekanntes Werk aus. Leichte Tangoelemente mischten sich in den zweiten Satz, die die Wiederentdeckung dieser Musik besonders würzten. Mit großer Empathie und Spielfreude hat das Lilith-Saxofonquartett auch diese anspruchsvolle Musik interpretiert.

Als Zugabe nach dem begeisterten Applaus setzten die vier Damen noch eins drauf mit einem Stück aus der „West Side Story“.

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