Eine Mutter erhebt neue, schwere Vorwürfe gegen die suspendierte Erzieherin der Kita Jona. Die Polizei ermittelt nun auch wegen Körperverletzung. © Andrea Wellerdiek
Kita Jona in Werne

Mutter erhebt schwere Vorwürfe gegen Erzieherin: „Mein Sohn wurde abgeklatscht“

Neue, schwere Vorwürfe gegen die suspendierte Erzieherin in der Kita Jona in Werne: Sie habe ihren Sohn nicht nur mit Geistergeschichten verängstigt, sondern ihn auch geschlagen, berichtet eine Mutter.

Lange haben die Kinder nichts gesagt. Sie waren wohl zu verängstigt nach den Geistergeschichten, die sie offenbar von der Erzieherin erzählt bekommen haben. Irgendwann aber brach ein Junge sein Schweigen und berichtete seiner Mutter von den Erlebnissen in der Kita Jona in Werne. Neben der psychischen Misshandlung steht somit ein neuer, schwerer Vorwurf im Raum.

Sohn verhält sich plötzlich auffällig

„Es geht auch um körperliche Gewalt. Mein Sohn wurde gehauen, er wurde abgeklatscht von der Erzieherin“, erzählt eine Mutter, die anonym bleiben möchte. Sie habe Tage zuvor gemerkt, dass sich ihr Sohn anders verhält. „Er hatte plötzlich panische Angst im Dunkeln und beim Einschlafen. Er hat von Vampiren erzählt, die ihm Blut aussaugen“, beschreibt sie.

Beim Spielen nahm er dann irgendwann seinen Mut zusammen und erzählte seiner Mutter von seinen Ängsten. „In der Kita laufen Geister durch die Wände“, habe er gesagt, berichtet die Mutter. Vier weitere Kinder hatten sich unabhängig voneinander ähnlich geäußert. Demnach hat die Erzieherin immer dieselben fünf Kinder in einen abgedunkelten Nebenraum der Kita geführt und dort Geistergeschichten erzählt.

Die Kinder hätten daraufhin Angst bekommen. Doch die Erzieherin ließ sie offenbar nicht aus dem Raum. So hatten es mehrere Eltern von betroffenen Kindern gegenüber dieser Redaktion berichtet. Diese Vorwürfe hätten sich nicht erhärtet, erklärte Jutta Heinert, Geschäftsleiterin des Evangelischen Kirchenkreises Hamm, der Träger der Kita Jona ist. „Wir haben keine Hinweise zu diesen Aussagen gefunden“, so Heinert. Auch die Erzieherin weist die Vorwürfe von sich.

Erzieherin der Kita Jona suspendiert

Sie wurde suspendiert. Drei Strafanzeigen sind mittlerweile bei der Polizei Unna eingegangen. Eine nun auch wegen eines Körperverletzungsdeliktes, wie Pressesprecher Bernd Pentrop bestätigt. „Mein Sohn hat es mir vorgemacht, was die Erzieherin getan hat. Er hat sich mit der Faust auf den Kopf gehauen. Er hat auch erzählt, dass er einmal hingefallen sei“, berichtet die Mutter, die Strafanzeige erstattet hat. Von Jugendamt und Kita-Träger fühlt sie sich nicht Ernst genommen. „Es hieß es steht Aussage gegen Aussage. Die Erzieherin ist jetzt suspendiert. Aber wir wollen auch wissen, was mit ihr jetzt passiert“, sagt die Mutter und weiter: „Wir haben zu der Leitung gesagt: Wenn sie wiederkommt, dann kommen unsere Kinder nicht mehr.“ Sie moniert zudem, dass die Erzieherin ausschließlich von Verantwortlichen des Kita-Trägers befragt worden sei und nicht auch von Mitarbeitern des Jugendamtes.

„Wir haben keine Personalverantwortung in diesem Fall. Und wir sind nicht die Staatsanwaltschaft. Das ist nicht unsere Rolle. Wir haben nicht die Aufgabe der Ermittlungsbehörde“, erklärt Dirk Mahltig, Jugenddezernent der Stadt Werne. Vom Träger sei das Jugendamt Werne und das Landesjugendamt direkt nach den Vorwürfen informiert worden. Bei einer einberufenen Elternversammlung seien er und eine weitere Mitarbeiterin des Jugendamtes vor Ort gewesen. „Man hat uns mit eingebunden und wir haben das Ganze begleitet. Der Träger hat gute Maßnahmen getroffen“, so Mahltig weiter.

Die Atmosphäre in der Kita Jona in Werne hat sich deutlich verbessert, seit es personelle Konsequenzen gab, berichtet eine Mutter, die im Elternrat der Kita ist. Nachdem Vorwürfe der Misshandlung bekannt geworden sind, wurde eine Erzieherin suspendiert.
Die Atmosphäre in der Kita Jona in Werne hat sich deutlich verbessert, seit es personelle Konsequenzen gab, berichtet eine Mutter, die im Elternrat der Kita ist. Nachdem Vorwürfe der Misshandlung bekannt geworden sind, wurde eine Erzieherin suspendiert. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Zu den Vorwürfen, die laut Jutta Heinert vom Träger Kirchenkreis Hamm nicht erhärtet werden konnten, sagt der Jugenddezernent: „Es gab keine akute Gefährdung.“ Man werde in Zukunft aber weiter ansprechbar sein und mit dem Elternrat und dem Träger der Kita im Austausch bleiben. Auf die Frage, wieso das Jugendamt sich nicht auf die Meldung einer Mutter über die körperliche Gewalt gegenüber ihrem Sohn zurückgemeldet habe, sagte Mahltig: „Diese Meldung ist mir nicht bekannt.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek