Nagelstudio-Prozess: Ein Angeklagter aus der Bande wird aus Gefängnis entlassen

rnGerichtsprozess um Clanmitglieder

Menschenhandel, Steuerhinterziehung und Geldwäsche: Im Nagelstudio-Prozess, bei dem sich auch vieles in Werne abspielte, ist ein Angeklagter aus der Bande nun auf freien Fuß gekommen.

von Matthias Münch

Werne, Bergkamen

, 23.10.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da waren’s nur noch vier: Im Nagelstudio-Prozess am Landgericht Münster ist am Freitag der zweite von ursprünglich sechs Angeklagten auf freien Fuß gekommen. Gegen den jüngsten aus der vietnamesischen Bande, einen 29-jährigen Mann aus Bergkamen, trennte die 12. Große Strafkammer das Verfahren ab und verhandelte am Freitag (23. Oktober) nur gegen ihn. Am Ende des Tages wurde der Mann mit einer Geldauflage von 3500 Euro aus dem Gefängnis entlassen.

Bereits Anfang September hatte das Gericht das Verfahren gegen eine 33-jährige Frau aus Rottweil eingestellt. Sie kam ebenfalls mit einer Geldauflage davon, weil sie nach Auffassung der Kammer nur Beihilfe zu den millionenschweren Betrügereien geleistet hatte.

Vorwurf der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe

Damit konzentriert sich der Prozess nun auf den eigentlichen Kern des vietnamesischen Clans, der laut Anklage Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht dabei auch von Geldwäsche und Menschenhandel aus, um die Nagelstudios in ganz NRW profitabel, aber illegal betreiben zu können. Unter anderem auch in Werne.

Der Bergkamener gehörte nicht zum inneren Zirkel der Bande. Er stieß quasi als Seiteneinsteiger dazu und sollte zunächst genau wie seine vietnamesischen Landsleute in einem der Studios abhängig arbeiten. Weil er sich sowohl handwerklich als auch geschäftlich als sehr talentiert erwies, stieg er in der Hierarchie rasch auf, wurde erst Geschäftsführer, dann offizieller Inhaber eines Nagelstudios.

Angeklagter legte umfassendes Geständnis ab

Im Verfahren kam ihm nun zugute, dass er schon früh ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte. Der 29-Jährige reagierte am Freitag sichtlich erleichtert auf sein Prozessende. Er verzichtete auf Entschädigung für seine fast einjährige Untersuchungshaft und auch auf das Bargeld, dass die Polizei im Zuge der Razzien im November 2019 bei ihm gefunden hatte.

Der Prozess gegen die beiden Clanchefs, zwei Brüder im Alter von 48 und 55 Jahren, sowie deren 38-jährige Nichte und einen 41-jährigen Vietnamesen aus Paderborn, wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Sie sitzen alle noch in U-Haft.

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