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Nitratbelastung: So sauber ist das Wasser in Werne

Umweltbundesamt warnt

Wo Trinkwasser stark mit Nitrat verschmutzt ist, wird‘s teuer. Laut Umweltbundesamt überschreitet das Wasser in vielen Teilen Deutschlands die vorgeschriebenen Höchstwerte. Ändert sich da nichts, kann die aufwendigere Wasseraufbereitung die Preise für Trinkwasser hoch treiben. Hier sehen Sie, wie es in Werne aussieht.

WERNE

, 20.06.2017 / Lesedauer: 3 min
Nitratbelastung: So sauber ist das Wasser in Werne

ARCHIV - Gülle als organisches Düngemittel wird am 30.03.2017 auf einem Feld bei Salzgitter (Niedersachsen) von einem Traktor mit angehängtem Schwanenhalsfass und Schleppschlauchverteiler ausgebracht. In der neuen Düngeverordnung ist der Katalog der Ordnungswidrigkeiten deutlich angewachsen. Das Land rechnet mnit einer steigenden Zahl von Ordnungswidrigkeitsverfahren. (zu dpa "Neue Düngeverordnung bringt für Landwirte erhebliche Veränderungen" vom 01.05.2017) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

„Das Werner Trinkwasser ist im Jahresmittelwert mit rund 10 Milligramm pro Liter belastet“, sagt Heidrun Becker vom örtlichen Lieferanten Gelsenwasser. Und damit deutlich unter der vorgeschriebenen Grenze von 50 mg/l.

Nun sagt ein Mittelwert noch nichts über mögliche Spitzenbelastungen aus. Doch auch da kann Becker Entwarnung geben: „Ausschläge nach oben und unten sind nur moderat.“ So lag die niedrigste Nitrat-Belastung in Werne bei allen Messungen in 2016 bei 7,4 mg/l, die höchste bei 16,2.

Intensive Landwirtschaft sorgt für hohe Nitratbelastung

Im Verlauf der vergangenen Jahre sei kein größerer Anstieg zu verzeichnen. Das liege unter anderem daran, dass das Werner Nass aus zwei Wasserwerken an der Ruhr stammt (Echthausen und Halingen), die einen Mix aus (gefiltertem) Oberflächen- und Grundwasser an die Verbraucher liefern.

Das ist Nitrat
Pflanzen verwenden Nitrate, das sind Salze der Salpetersäure, als Nährstoffe. Daher verwenden Landwirte nitrathaltige Stoffe wie Gülle als Düngemittel. An sich ist Nitrat auch in größeren Dosen völlig ungefährlich. Gesundheitliche Risiken liegen in der Umwandlung des Nitrats zu Nitrit sowie in der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen. Daher gibt es in der Trinkwasserverordnung den Grenzwert von 50 mg/l (Milligramm pro Liter) für Trinkwasser.

Problematisch sei eine reine Grundwasser-Versorgung in den Gebieten, wo es seit Jahrzehnten intensive Landwirtschaft gibt. „Dort“, sagt die Gelsenwasser-Sprecherin, „kann sich über die Jahre und Jahrzehnte Nitrat angereichert haben und die Grenzwerte überschreiten.“

Hält die hohe Belastung an, könnte es teuer werden

Und genau in solchen Regionen ist die Lage kritisch, bemängelt das Umweltbundesamt. Gut 27 Prozent der sogenannten Grundwasserkörper in Deutschland überschritten derzeit den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat, sagt die Behörde.

Sollte die Belastung nicht sinken, müssten die Wasserversorger teurere Aufbereitungstechnik einsetzen. Das könnte letztlich zu einer Erhöhung des Wasserpreises um rund 30 bis 45 Prozent führen. Eine vierköpfige Durchschnittsfamilie müsste dann bis zu 134 Euro mehr pro Jahr bezahlen.

In Werne werden trotzdem Gegenmaßnahmen ergriffen

Werne ist davon (noch) nicht betroffen. Der örtliche Versorger will unter anderem durch Aufklärung dafür sorgen, dass das auf Dauer so bleibt. Heidrun Becker: „Wir stehen etwa rund ums Wasserwerk am Halterner Stausee im Kontakt mit den Landwirten, um auf die Gefahren durch Nitrat aufmerksam zu machen.“

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Bei den örtlichen Landwirten stehe das Thema (Über-) Düngung ständig im Fokus. Robert Schulze Kalthoff, Sprecher des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, sagt auf Anfrage: „Insgesamt sind wir gut aufgestellt, weil wir viel Fläche haben, auf die wir Gülle ausbringen können.“ Die stammt aus der Hühner-, Rinder- und Schweine-Haltung. Überschüssige Gülle aus Werne fände Abnehmer im Bereich Soest-Hellweg.

Neue Methoden wie bodennahes Aufbringen mit Schläuchen oder die Boden-Injizierung sorgten für punktgenaue Düngung. Die Landwirte würden schon aus eigenem Interesse sorgfältig mit Gülle und Co. verfahren. Schulze Kalthoff: „Das erspart uns den Zukauf von anderem Dünger.“

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