Notinsel-Aktion vor dem Aus: Werner Buchhändler will auf jeden Fall weitermachen

Hilfe für Kinder

Das Notinsel-Symbol besagt: Hier finden Kinder in Notsituationen einen Anlaufpunkt und Hilfe. Doch nun will der Kreis Unna, der das Projekt 2006 ins Leben gerufen hat, die Notinseln abschaffen.

Werne

, 13.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Notinsel-Aktion vor dem Aus: Werner Buchhändler will auf jeden Fall weitermachen

Laut Kreis Unna hat das Notinsel-Projekt, das zum Beispiel Kindern in Geschäften eine Anlaufstelle bieten soll, ausgedient. © picture-alliance / dpa/ dpaweb

Warum will der Kreis Unna das Projekt abschaffen? Liegt es an den Kosten? Kreissprecherin Constanze Rauert sagt, dass nur am Anfang 1000 Euro angefallen seien, um das Projekt zu starten. Das sind die Gesamtkosten für alle Städte im Kreis. Folgekosten gab es keine.

Dennoch: Man habe festgestellt, dass das Projekt aus der Zeit gefallen sei. „Es war eine gut gemeinte Idee, vielleicht auch gut zu der Zeit“, sagt Rauert. Allerdings setze man heute eher auf andere Möglichkeiten, auf präventive. Rauert spricht von einem „sauberen Schlussstrich“, den man ziehen wolle.

Stadt Werne will auf Infos vom Kreis Unna warten

Während sich die Stadt Selm bereits in einer politischen Sitzung mit den Rückzugsplänen befasst hat, steht das Thema in Werne noch nicht auf der politischen Agenda. „Wir sind in Beratungen und warten ab, was genau vom Kreis Unna kommt und werden uns dann mit dem Thema befassen“, sagt Dagmar Reuter vom Jugendamt der Stadt Werne.

Die Frage ist etwa, ob es nach einem Auslaufen vorgeschrieben ist, die Notinsel-Siegel zu entfernen. Eine weitere Frage wäre, ob die Stadt Werne nach einer Kündigung durch den Kreis Unna auf eigene Faust einen Vertrag mit der Stiftung Hänsel und Gretel aus Karlsruhe abschließe, die das Notinsel-Projekt ins Leben gerufen hat.

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Als das Projekt im Jahre 2006 durch den Kreis Unna ins Rollen kam, war die Resonanz in Werne riesig. Mehr als 100 Geschäfte, Einrichtungen, etc. hatten nach wenigen Monaten sich dafür entschieden, das blau-weiße Notinsel-Symbol an Türen oder Schaufenster anzubringen und somit zu signalisieren: Hier ist eine Anlaufstelle für Kinder in Notsituationen.

Einer der ersten, der damals eingestiegen ist, ist der Werner Buchhändler Hubertus Waterhues von Bücher Beckmann. Abbringen lassen möchte er sich davon auch jetzt noch nicht. „Bei mir bleibt der Aufkleber trotzdem dran“, sagt Waterhues.

Bücher Beckmann will die Notinsel-Aktion weiterführen

„Die Notinsel-Aufkleber haben Symbolwirkung und sind beruhigend“, sagt Waterhues. Doch es bleibt nicht bei der Symbolik. Schon mehrfach haben Werner das Angebot wahrgenommen. „Ein Kind hat mal seine Mutter verloren. Hier hat es sie angerufen und wir haben das Kind bespaßt“, erinnert sich Waterhues.

Doch auch Senioren konnte Waterhues bereits helfen, die gesundheitliche Probleme hatten. In seiner Bücherei kümmerte man sich um sie, bis der Rettungswagen kam. „Der Aufkleber ist also nicht wie ein Veranstaltungsplakat, das jemand vergessen hat, abzunehmen.“

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In Selm hieß es während der politischen Debatte, dass der Notinsel-Gedanke etwas aus der Zeit gefallen sei. Stadtsprecher Malte Woesmann erklärte: „Was den Aspekt der Alternativen angeht, so gibt es heute vielfältigere und breitere Angebote in Sachen Kinder- und Jugendschutz als vor 15 Jahren.“

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