„Bergeweise Anrufe“: Ordnungsamt Werne erklärt, was jetzt in Sachen Corona gilt

rnCoronavirus in Werne

Die Allgemeinverfügung des Kreises, die Corona-Schutzverordnung des Landes, das Bund-Länder-Treffen: Viel Material für viel Verwirrung um die Frage, was eigentlich noch erlaubt ist in Werne. Wir klären auf.

Werne

, 15.10.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erst am Mittwoch (14. Oktober) hatte der Kreis Unna die dritte Allgemeinverfügung innerhalb von einer Woche veröffentlicht, bevor sich am Abend Bund und Länder in Berlin trafen, um neue, flächendeckende Coronaschutz-Regeln zu bestimmen. Die Verwirrung, die sich daraus in der Bevölkerung ergibt, bekommt auch das Ordnungsamt Werne zu spüren: „Unsere Auslastung liegt bei 100 Prozent, eher 110“, sagt Werner Kneip vom Werner Ordnungsamt am Donnerstag auf Nachfrage.

Zwei Kollegen seien durchgängig mit der formalen Quarantäneanordnung beschäftigt. Denn wenn es derzeit nur wenige Fälle in Werne gebe, gibt es aktuell 64 Personen, die als Kontaktpersonen anderer Infizierter in Quarantäne geschickt wurden.

„Und dann gibt es bergeweise Anrufe, in denen es um Feiern im privaten Raum geht, geplante Geburtstage und Hochzeiten, Gaststätten fragen nach Sperrzeiten, Vereine fragen, ob ihre Mitgliederversammlungen noch stattfinden können“, sagt Kneip. Denn in der Allgemeinverfügung vom 14. Oktober heißt es, dass sich nur noch 5 Personen je Gruppe im öffentlichen Raum treffen dürfen. Dementsprechend dürfen auch nur noch Gruppen von maximal 5 Personen in der Kneipe sitzen. Das alles neben der eigentlichen Arbeit des Ordnungsamtes.

Ordnungsamt: „Es wird teilweise schon undurchsichtig“

Mit Blick auf das Bund-Länder-Treffen am Mittwochabend, bei dem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten sich auf weitreichende Regelungen geeinigt hatten, erklärt Kneip, dass das Land NRW nun zunächst einmal eine neue Corona-Schutzverordnung ausarbeiten müsse. Bis dahin gelten die aktuelle Corona-Schutzverordnung des Landes NRW und die Allgemeinverfügung des Kreises Unna vom 14. Oktober parallel. „Es wird auch für uns nicht einfacher, wenn wir beides immer nebeneinander legen müssen“, sagt Kneip. „Es wird teilweise schon undurchsichtig, da bitten wir um Verständnis, denn jeder Einzelfall kann nicht immer eindeutig beantwortet werden und muss dann nochmal besprochen werden.“

Aktuell gilt in Werne und im Kreis:

  • Treffen im öffentlichen Raum mit maximal 5 Personen
  • Feste im öffentlichen Raum mit max. 25 Personen, bei herausragendem Anlass und mit durch die Ordnungsbehörde abgesegnetem, besonderem Hygienekonzept mit max. 50 Personen
  • Im privaten Raum empfiehlt der Kreis Unna dringend, nicht mehr als 25 Personen einzuladen. „Es ist ein dringender Appell an die Einsichtsfähigkeit der Menschen, sich daran zu halten“, sagt Kneip. Denn nur weil etwas nicht verboten sei, sei es nicht auch immer klug. Am Mittwochabend hatten Rheinland-Pfalz, NRW und Hessen als einzige Bundesländer erklärt, dass die Unverletzlichkeit des Wohnraums schwerer wiege als das Recht des Eingriffs der öffentlichen Hand in den Privatbereich. Deshalb erwartet die Stadt Werne hier künftig keine andere Regelung.
  • In Gastronomien gibt es Sperrstunden zwischen 1 und 6 Uhr
  • Bei Veranstaltungen (Konzerte, Aufführungen in geschlossenen Räumen und Sportveranstaltungen) müssen Besucher vom Betreten der Veranstaltungsfläche bis Verlassen durchgehend eine Maske tragen, auch auf den Sitz- und Stehplätzen. Versammlungen mit mehr als 500 Personen im Außenbereich und 250 Personen in geschlossenen Räumen sind generell verboten.
  • Mund-Nasen-Schutz in Schulen wird dringend empfohlen, externe schulische Veranstaltungen mit gemischten Gruppen sind untersagt. Dies gilt auch in den Ferien.
  • In Kitas gelten feste Bezugsgruppen
  • Im Fußball ist der komplette Spiel- und Wettbewerbsbetrieb untersagt. Training ist nur kontaktlos gestattet. An Spiele außerhalb des Kreises soll nach Empfehlung nicht teilgenommen werden

Kneip weist außerdem darauf hin, dass mit dem privaten Raum nur die eigene Wohnstätte gemeint ist. Wenn eine Person eine Feier in den Räumen eines Freundes veranstaltet, gilt dies als öffentlicher Raum und kann entsprechend vom Ordnungsamt kontrolliert werden.

Ordnungsamt will stärkere Präsenz in der Innenstadt zeigen

Zeitgleich stellt sich der Kreis Unna auf vermehrte Kontrollen in Werne ein. „Da sind wir im Gespräch mit der Polizei und verstärken die Kontrollen bei Bedarf mit einem Sicherheitsdienst“, so Kneip. Im Zweifelsfall werde man noch mehr Personen aus dem Haus für Kontrollen zusammenziehen. „Dann müssen andere Sachen liegen bleiben“, so Kneip.

Derzeit werde vor allem das kontrolliert, was das Ordnungsamt mitbekomme oder ihm gemeldet werde. „Da würden wir uns dann blicken lassen oder wenn wir im Vorfeld meinen, dass was kritisch wird, würden wir da auch hinfahren.“ Im Bereich Sport und Kultur stehe das Dezernat aber in gutem Kontakt zu den Vereinen. Darüber hinaus will das Ordnungsamt in der nächsten Zeit vermehrt patrouillieren und auch Gaststätten auf die Maskenpflicht hin kontrollieren. Auch auf den Derby-Samstag (24. Oktober) und den eigentlichen Sim-Jü-Montag und -Dienstag legt das Ordnungsamt einen besonderes Augenmerk.

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