Partei: „Niemand hat die Absicht, eine Erdölraffinerie nach Werne zu holen“

Nordlippestraße

Die Pläne für ein Industrie- und Gewerbegebiet an der Nordlippestraße in Werne sorgen nach wie vor für erhitzte Gemüter. Nun spricht sich eine weitere Partei für den Standort aus.

Werne

, 15.05.2021, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laut Polizeiangaben nahmen rund 500 Leute an einer der Protest-Aktionen gegen das geplante Industriegebiet teil. Die Politik hatte sich größtenteils für das Projekt ausgesprochen.

Laut Polizeiangaben nahmen rund 500 Leute an einer der Protest-Aktionen gegen das geplante Industriegebiet teil. Die Politik hatte sich größtenteils für das Projekt ausgesprochen. © Jörg Heckenkamp

Die Werner Politik hat sich bekanntlich mehrheitlich für den „regionalen Kooperationsstandort Nordlippestraße Nord“ ausgesprochen - und damit grundsätzlich ihre Zustimmung dafür gegeben, nördlich der Nordlippestraße Platz für ein Industrie- und Gewerbegebiet zu schaffen. Das sorgte für viel Gegenwind, der sich in Form mehrerer Bürger-Demonstrationen äußerte. Ein Bürgerbegehren wird angestrebt, zudem gründete sich eine Bürgerinitiative. Die Grünen sicherten dieser Initiative ihre Unterstützung zu, die SPD sprach sich hingegen für den Kooperationsstandort aus - vor allem mit Verweis auf die neu entstehenden Arbeitsplätze.

Auch die FDP spricht sich nun deutlich für das Industrie- und Gewerbegebiet aus. Denn: Die Zeiten, in denen man der Industrie freie Hand gelassen habe und diese sich um die Umwelt keine Gedanken habe machen müssen, seien längst vorbei, heißt es in einer Pressemitteilung der Liberalen. Die Auflagen für Industrie und Gewerbe hinsichtlich Klima- und Umweltschutz seien in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen Land. Auch könne man durch eine umweltbewusste Planung des Gebiets die negativen Auswirkungen auf die Umwelt minimieren.

Bedarf an Gewerbeflächen ist groß - genauso wie der Nutzen für Werne

„Man kann nicht pauschal sagen: Industrie ist schlecht für die Umwelt! Vielmehr muss man zwischen Industrie und Industrie unterscheiden. Niemand hat die Absicht, eine Aluminiumhütte oder eine Erdölraffinerie nach Werne zu holen - aber ein weniger emittierender Lebensmittelproduzent oder ein High-Tech Unternehmen? Bitte gern!“, wird Fraktionsvorsitzende Claudia Lange in der Mitteilung zitiert.

Darüber hinaus sei der „Bedarf an Gewerbeflächen in der Stadt ungebrochen hoch und der Nutzen für die Stadt und die Werner Bevölkerung enorm“. Die Stadt benötige die Steuereinnahmen, um den Lebensstandard halten und ausbauen zu können. Dies beziehe sich auf die Innenstadtgestaltung, die Schullandschaft und nicht zuletzt die Freizeitinfrastruktur.

Man dürfe solche Projekte daher nicht nur schwarz oder weiß sehen, meint die FDP. „Gewerbegebiete sind keine Kunstwerke, sie sind aber auch ein Grundpfeiler des Wohlstandes der Bürger!“, so Claudia Lange. Artur Reichert fordert „Naturschutz mit Augenmaß“. Man wolle selbstverständlich den Kindern eine Zukunft bieten - aber nicht nur in Form eines gesunden Ökosystems, sondern auch in Form einer Stadt, die Ausbildungschancen und Arbeitsplätze bietet.

In diesem Zusammenhang verweist die FDP auf die Zahl junger Arbeitsloser im Kreis Unna, die im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen sei. „In einer Zeit, in der man deutschlandweit 240.000 jungen Erwachsenen keinen Job oder einen Ausbildungsplatz bieten kann, ist es dekadent zu behaupten, wir bräuchten die Industrie nicht“, so Benedikt Lange.

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