Planspiel: Flüchtlingsdebatte im Klassenzimmer

Anne-Frank-Gymnasium

In den Klassenräumen der Oberstufe des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) in Werne spielen sich ungewöhnliche Szenen ab. Die Schüler debattieren – nicht wie sonst im Unterricht, sondern auf einer ganz anderen Ebene. Die Flüchtlingspolitik steht beim Planspiel mit Mitarbeitern des Civic-Instituts im Fokus.

WERNE

, 24.05.2016, 05:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

Jan (17) hat heute keine leichte Aufgabe. Er muss pendeln – zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat der Europäischen Union. Die räumliche Distanz zwischen den Institutionen ist gering: drei Schritte den Flur entlang. Die Meinungen zur Flüchtlingspolitik liegen bei den Abgeordneten allerdings teilweise deutlich auseinander. 

Johanna (16) vertritt Polen. Und das zeigt nicht nur die Flagge vor ihrem Platz, sondern auch der Inhalt ihrer Äußerungen: Möglichst wenige Flüchtlinge sollen es sein. Die Lage im Land ist schließlich schon angespannt genug und führte bereits zu gewaltsamen Protesten.

Deutschland runzelt die Stirn und Spanien schaut skeptisch, während die 16-Jährige in der Rolle des Vertreters eines der EU-Mitgliedsstaaten ihre Argumente vorträgt.

Heikle Diskussionen

Heikle Diskussionen, deren Ergebnisse Jan in seiner Funktion als Ratspräsident anschließend im Europäischen Parlament vortragen muss. Artikel 2 der Verordnung über die Einführung und Umsetzung eines gemeinsamen europäischen Asyl- und Flüchtlingssystems wird erweitert. Inhalt: die Einrichtung einer Datenbank mit Fingerabdrücken von Einreisenden aus Nicht-EU-Staaten.

„Das gelingt in dieser Form nur, indem wir das Dublin-Abkommen abschaffen. Ich denke, da sind wir uns einig“, sagt Jan. Die Parlamentsmitglieder nicken.

Beeindruckend gespielt

Die Schüler haben sichtlich Spaß am Rollenspiel. „Mir gefällt es, in die Rolle der Politiker zu schlüpfen. Das ist mal etwas anderes“, sagt der 17-jährige Ratspräsident. Genau das ist auch das Ziel des Rollenspiels, wie Georg Schwedt vom Civic-Institut für internationale Bildung erklärt: „Die Schüler können auf diese Weise politische Prozesse hautnah erfahren. Sie sind mittendrin.“

Und ihre Rollen spielen die 20 Schüler aus der elften Klasse durchaus beeindruckend, wie Anna-Lena Bettgenhäuser zufrieden feststellt: „Dabei stand die EU noch gar nicht so ausführlich auf dem Lehrplan“, so die Sozialwissenschaftslehrerin.

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