Politiker streiten über Wohnraum-Preise in Werne

Diskussion im Planungsausschuss

Teurer Wohnungsbau: Bis zu 3000 Euro kostet der neu gebaute Quadratmeter derzeit in Werne. Zu teuer, findet die SPD. Sie hat deshalb die Verwaltung beauftragt, Möglichkeiten für die Schaffung von preiswertem Wohnraum zu prüfen. Damit war die CDU wiederum nicht einverstanden. Potenzielle Baugebiete für Eigenheime sehen Sie in unserer Fotostrecke.

WERNE

, 25.04.2015, 06:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Politiker streiten über Wohnraum-Preise in Werne

Dieses Projekt will Planungsdezernent Ralf Bülte vorrangig verfolgen. 22 Wohnhäuser könnten auf dem etwa einen Hektar großen Grundstück entstehen, auf dem sich heute noch die Barbaraschule befindet, die Förderschule der Stadt, die angesichts der fortschreitenden Inklusion auslaufen wird. Ein Abriss des Gebäudes ist im zweiten Halbjahr 2016 denkbar, eine Vermarktung und Erschließung der Fläche 2017. Die Häuslebauer könnten spätestens Anfang 2018 loslegen.

Im Planungsausschuss lieferten sich Christ- und Sozialdemokraten ein Verbalduell – im wahrsten Sinn des Wortes: Die SPD forderte preiswerten Wohnraum, die CDU wollte lieber von „bezahlbar“ sprechen. „Preiswert wird es auch, wenn ich zum Beispiel die Fliesen weglasse. Das kann sich dann trotzdem noch längst nicht jeder leisten“, so die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Holtrup. SPD-Fraktionschef Lars Hübchen kommentierte gegenüber unserer Zeitung verwundert: „Das ist Haarspalterei.“

CDU äußerte Kritik

Deutliche Kritik äußerte die CDU an der von der SPD geforderten Quote für öffentlich geförderten Wohnraum, wenn es zur Ausweisung neuer Bauflächen kommen sollte. „Mit einer solchen Quote vergraulen wir Investoren. Niemand lässt sich vorschreiben, was er mit seinem Geld zu tun hat“, so Holtrup. Lars Hübchen wies den Einwand zurück: „Es geht hier erstmal um einen Prüfauftrag, was überhaupt möglich ist. Über den konkreten Fall entscheidet am Ende ohnehin der Rat.“ Ulrich Höltmann, zweiter stellvertretender Bürgermeister aus den Reihen der SPD, ergänzte: „Sollte es nicht gelingen, Investoren für eine Quote zu begeistern, kann man dieser später immer noch einmal überdenken.“

FOTOSTRECKE
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Das sind Wernes potenzielle Wohnbauflächen

"Werne braucht neuen Wohnraum." Das steht für Baudezernent Ralf Bülte fest. Bis Mitte des Jahres soll die Entscheidung fallen, wo die Stadt ein großes Wohngebiet entwickeln wird. Drei große Fläche stehen zur Auswahl. Welche das sind und wo in Zukunft noch gebaut werden könnte - klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke.
27.02.2015
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Im Norden der Stadt, im Quadrat zwischen B54 und Fürstenhof, Acker- und Lohstraße, könnte ein großes Wohnquartier entstehen. Die Fläche misst 5,8 Hektar. Auch in diesem Fall ist sie im Besitz eines privaten Eigentümers.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Ackerstraße" von oben.© Grafik: Stadt Werne
Am Ostring/Breielstraße könnte ein großes Wohnquartier entstehen. Die 5,8 Hektar große Fläche befindet sich in privatem Eigentum. Verglichen mit den beiden anderen möglichen großen Wohnquartieren sieht Ralf Bülte bei dieser Fläche "leichte Vorteile". Aber das werde die Verwaltung noch genau prüfen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Ostring/Breielstraße" von oben.© Grafik: Stadt Werne
In dem Dreieck Bellingheide/Landwehrstraße/Bahnlinie könnte das dritte größere Baugebiet entstehen. Die Fläche im Westen der Stadt ist etwa sieben Hektar groß. Er könne sich dort gut Wohnbebauung vorstellen, so Bülte. Im Gegensatz zu den beiden anderen Optionsflächen für ein größeres Wohngebiet gäbe es aber einen Nachteil: "Wir haben es nicht mit einem, sondern mit sechs Eigentümern zu tun, darunter eine Erbengemeinschaft." Zwar seien alle an einer Bebauung interessiert, "die muss man aber erst einmal unter einen Hut bringen".© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Bellingheide" von oben.© Grafik: Stadt Werne
Dieses Projekt will Planungsdezernent Ralf Bülte vorrangig verfolgen. 22 Wohnhäuser könnten auf dem etwa einen Hektar großen Grundstück entstehen, auf dem sich heute noch die Barbaraschule befindet, die Förderschule der Stadt, die angesichts der fortschreitenden Inklusion auslaufen wird. Ein Abriss des Gebäudes ist im zweiten Halbjahr 2016 denkbar, eine Vermarktung und Erschließung der Fläche 2017. Die Häuslebauer könnten spätestens Anfang 2018 loslegen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Barbaraschule" von oben.© Grafik: Stadt Werne
Eigentlich war die Fläche zwischen den Straßen An den 12 Bäumen und Südring ursprünglich eine Erweiterungsfläche für den Friedhof am Südring. "Die brauchen wir aber nicht mehr", stellte Ralf Bülte fest. Das Grundstück östlich des Penny-Marktes eigne sich vielmehr für eine lebendige Nutzung als neues Bauland. Vielleicht ließe sich langsam einsteigen - mit einer oder zwei Baureihen, die von der Straße 12 Bäume aus erschlossen würden.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "An den 12 Bäumen" von oben.© Grafik: Stadt Werne
Das ehemalige Jugendzentrum Rapunzel, ursprünglich die Steintorschule auf der Kreuzung Lünener Straße (B54)/Cappenberger Straße, ist nach Angaben von Ralf Bülte eine "ganz besondere Fläche" im Eingangsbereich zur Innenstadt. Bülte empfiehlt, einen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen mit drei oder vier Planungsbüros.30 bis 40 Wohneinheiten seien auf der Fläche - inklusive der Wiese im Kirchenbesuch - denkbar. Gerade an dieser Stelle wünscht sich Bülte bezahlbaren Wohnraum für Familien und damit auch geförderten Wohnungsbau - allerdings nur zum Teil.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Rapunzel" von oben.© Grafik: Stadt Werne
Auf dieser 0,9 Hektar Weide an der Selmer Landstraße/Landwehrstraße könnte "eigentlich sofort gebaut werden", wie Planungsdezernent Ralf Bülte sagt. Eine Flächennutzungsplanänderung sei nicht nötig, wohl nicht einmal die Aufstellung eines Bebauungsplans. Der Eigentümer habe bislang aber kein Interesse, sein Grundstück bebauen zu lassen. "Ich habe ihm gesagt, dass er uns jeder Zeit anrufen kann, wenn er seine Meinung ändert", so Bülte.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Selmer Landstraße" von oben.© Grafik: Stadt Werne
An der Brevingstraße/Wiebecke hatte die Stadt Werne schon einmal versucht, ein Wohngebiet zu realisieren - und war gescheitert. Die Firma Uniferm benötigt wegen ihrer Emissionen einen entsprechenden Abstand: ein Problem, mit dem die Stadt bei dem aktuellen Vorhaben nicht konfrontiert wäre, so Ralf Bülte. "Da sind wir weit genug entfernt." Denn das jetzt geplante Wohngebiet auf einer Fläche von 1,14 Hektar sei viel kleiner als das damals geplante. "Ich könnte mir sehr gut zwei reihen mit Wohnhöfen vorstellen."© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Wiebecke" von oben.© Grafik: Stadt Werne
Wo heute noch Kinder zur Schule gehen, könnten bald Familien wohnen: Auf dem 0,7 Hektar großen Grundstück der Grundschule an der Schulstraße in der Stadtmitte könnte ab 31. Juli 2018 gebaut werden - nachdem das alte Schulgebäude abgerissen ist. Baudezernent Ralf Bülte kann sich auf dieser Fläche "sehr gut Mehrgenerationen-Wohnen" vorstellen: 30 bis 40 Wohneinheiten inklusive Tiefgarage. "Einfamilienhäuser sind dort nicht vorstellbar", sagte er. Dort müsse etwas "Dichtes, Kompaktes" hin.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die potenzielle Wohnbaufläche "Wienbredeschule" von oben.© Grafik: Stadt Werne
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Einig waren sich alle: Ohne Vorgaben wird kein renditeorientierter Investor in der aktuellen Situation günstigen Wohnraum anbieten. Während SPD, Grüne, UWW und FDP jedoch an die Chance glauben, trotz solcher Vorgaben Projektpartner zu finden, sieht die CDU dazu schlichtweg keine Möglichkeit: „Man kann da nichts tun, solange jeder auf Gewinnmaximierung aus ist.“ Gegen die Mehrheit der anderen Fraktionen kamen die Christdemokraten im Ausschuss jedoch nicht an, der Antrag der SPD kam durch.

Aufgabe der Verwaltung

Entsprechend wird sich die Verwaltung um Stadtplaner Ralf Bülte nun damit befassen müssen, wie sie auf den städtischen Flächen auch tatsächlich günstige Wohnungen schaffen kann. Ob sie dazu den Bauverein Werne ins Boot holt, oder es doch über Quoten versucht, ist offen. Im Ausschuss legten sich die Politiker allerdings fest, welche Potenzialflächen bei der weiteren Planung  Priorität genießen: Zum einen das ehemalige Rapunzel am der Lünener Straße, zum anderen die Barbaraschule im Werner Osten, Beim Rapunzel favorisierten die Fraktionen den Vorschlag von Gudrun Holtrup, die Fläche für einen städtebaulichen Wettbewerb auszuschreiben – auch um zu verhindern, dass dort ein weiteres Pflege- oder Seniorenheim entsteht. Dritte bevorzugte Potenzialfläche ist das Gebiet nördlich der Brevingstraße.

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