Postkarten vom Bergbau zeigen Zechen-Panoramen, Bergmänner und Kneipen

rnAbschied vom Bergbau

Schachtanlage, Ziegelei oder Fördertürme – vor allem Panoramaansichten der Zeche Werne sind auf den Postkarten von Peter Voß zu sehen. Der Werner sammelt Erinnerungsstücke an den Bergbau.

Werne

, 20.11.2018, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Peter Voß ist ein leidenschaftlicher Sammler und einstiger Maschinensteiger und Betriebsorganisator im Bergwerk-Ost in Hamm. Sein Herz schlägt für Werne, die Region und vor allem für den Bergbau. Deshalb sammelt er alles rund um Zechen, Bergleute und das, was eben dazu gehört – etwa Gaststätten. Neben Bildern und Erinnerungsstücken an den Bergbau finden sich in seinem riesigen Archiv, das er Stück für Stück aufgebaut hat, auch unzählige Postkarten.

Etwa 1000 Exemplare hat der 58-jährige Rentner in seinen Ordnern, die sein ganzes Büro schmücken, sortiert. Es ist eine beeindruckende Sammlung, die Peter Voß quasi schon sein ganzes Leben lang begleitet. Alles fing an, als er gerade 20 Jahre alt ist. „Da habe ich auf einem Flohmarkt in Hamm eine Karte von einem Männer-Gesangsverein von 1920 gefunden. Das war dann der Startschuss. Danach wuchs die Sammlung immer schneller an“, erzählt Peter Voß.

Postkarten vom Bergbau zeigen Zechen-Panoramen, Bergmänner und Kneipen

Peter Voß hat etwa 1000 Postkarten in seinen Ordnern - darunter auch einige aus Bergbauzeiten. © Andrea Wellerdiek

Auf der Suche nach weiteren historischen Postkarten wird er auf anderen Flohmärkten in ganz Deutschland fündig. Eine Ansichtskarte aus Werne kauft Voß auf einem Markt in Süddeutschland. Dort war er im Urlaub, hatte auf dem Markt gestöbert und den überraschenden Fund gemacht. Peter Voß hat sich mit der Zeit ein Netzwerk mit anderen Sammlern aufgebaut, die untereinander die historischen Stücke tauschen.

„Heimat hört nicht an der Stadtgrenze auf“

Peter Voß zieht einen Ordner aus dem Regal. Knapp 40 Postkarten hat er auch zum Bergbau in Werne in seinem Repertoire. Einige stammen vom Gersteinwerk in Stockum oder von Schacht III in Rünthe. „Rünthe gehört für mich dazu. Für mich hört Heimat auch generell nicht an der Stadtgrenze auf“, sagt Voß. Auf den meisten Karten sind aber die Panoramen der Zeche Werne zu sehen. Er blättert weiter.

Ein Luftbild mit Blick auf die Schachtanlage ziert eine Postkarte aus den 1920er-Jahren, auf einer anderen ist das Kasino, also der Speisesaal der Zeche, zu sehen. Peter Voß dreht einige Ansichtskarten der Zeche um. Längst sind nicht alle beschrieben. Das macht eine Datierung schwer, erklärt Voß. „Manche Karten, die 1920 gedruckt wurden, wurden vielleicht erst 1940 verschickt.“ Und die Karten, die beschrieben wurden, gingen zum Beispiel nach Italien. „Die Fremdarbeiter haben einen Gruß nach Hause geschickt. Die Postkarte war ja das günstigste Kommunikationsmittel in dieser Zeit. Sie schrieben dann zum Beispiel, wo sie gewohnt haben“, erzählt Voß.

Wenig Platz für Text

Um 1900 wurden deutschlandweit etwa eine Milliarde Postkarten verschickt. Viel geschrieben wurde seinerzeit allerdings nicht. Denn es gab nicht viel Platz für lange Erzählungen. Bis 1905 wurde nur die Adresse des Empfängers auf die Rückseite der Karte geschrieben. Mitteilungen mussten mit auf die Vorderseite, neben oder rund um die Abbildungen. Entsprechend kurz fielen die Grüße seinerzeit aus: „In Erinnerung an die Zeit in Werne an der Lippe“ steht auf einer Ansichtskarte, die Peter Voß in den Händen hält.

Er kann die altdeutsche Schrift gut lesen – fast immer. „Auch früher hatten manche eine Sauklaue“, sagt er und schmunzelt. Und sie hatten ein Faible für die Technik und die Industrie. Typische Ansichten sind die Schachtanlagen oder die alte Ziegelei der Zeche Werne. „Man war stolz auf die Industrie“, sagt Voß, als er auf die Karten in seinem Ordner schaut. Neben den Panoramen sind auch die Bergleute in voller Montur zu sehen.

Postkarten vom Bergbau zeigen Zechen-Panoramen, Bergmänner und Kneipen

Eine Postkarte mit der Mannschaft von Schacht III aus Bergkamen-Rünthe © Andrea Wellerdiek

Die Mannschaft von Schacht III aus Rünthe stellte sich 1915 für ein Foto auf. Der Blick auf die Rückseite zeigt, dass die Karte nie verschickt wurde. In der Sammlung von Peter Voß, der auch schon dreistellige Beträge für besonders alte Karten ausgegeben hat, ist dieses Exemplar trotzdem gelandet. Es ist nur zu erahnen, welche harte Arbeit, aber auch besondere Gemeinschaft diese Bergleute seinerzeit ausgezeichnet haben. So sind auch die Ansichtskarten, die neben der Zeche auch die nächst gelegene Kneipe zeigen, wohl zu erklären.

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