Präzise Aufzeichnungen: Darum war ein Auto mit Kamera von TomTom in Werne unterwegs

rnStraßen-Aufzeichnung

Autos mit Kameras waren vor Jahren oft zu sehen. Bilder - auch von Privathäusern - wurden für Google Street View gemacht. Nun fuhr ein Fahrzeug von TomTom durch Werne. Was steckt dahinter?

Werne

, 01.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sorgte für Gesprächsstoff um die Privatsphäre und den Datenschutz: Autos mit Kameras auf dem Dach fuhren vor Jahren durch die deutschen Städte, um Bilder aufzunehmen.

Für die 360-Grad-Ansichten von Google Maps Street View zeichneten die Kameras alles auf - auch die Häuser von Privatpersonen, geparkte Pkw, Radfahrer und Fußgänger. Wer sein Haus nicht öffentlich im Internet zeigen wollte, musste Einspruch beim Internet-Riesen Google einreichen. Dann wurde das Privathaus verpixelt.

Daten werden aktualisiert

Nun wurde ein solches Fahrzeug mit einer Kamera ausgestattet wieder in Werne gesehen - und zwar am Sonntag, 28. Juli, an der Kamener Straße. Doch was steckt hinter diesen Aufnahmen?

Dieses Mal zeichnete ein Fahrzeug im Auftrag von Navigationshersteller TomTom die Straßenzüge auf. Dabei ging es vor allem darum, den Datenbestand zu prüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren.

Bilder werden nicht veröffentlicht

Im Gegensatz zu Google (mit dem Dienst Maps Street View) oder auch Apple (mit dem Dienst „Look Around“) veröffentlicht der Anbieter TomTom die aufgenommenen Bilder nicht, erklärt Sarah Schweiger, PR-Managerin von TomTom Deutschland. Sie würden ausschließlich für interne Zwecke abgespeichert.

Dabei geht es vor allem darum, die Straßen und Beschilderungen möglichst genau und aktuell zu erfassen. TomTom hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 67 Millionen Straßenkilometer erfasst und für die Navigation in weltweit 163 Ländern nutzbar gemacht.

Präzise Aufzeichnungen: Darum war ein Auto mit Kamera von TomTom in Werne unterwegs

TomTom least für die Aufzeichnungen spezielle Fahrzeuge, die sie dann mit dem eigenen Schriftzug temporär versehen. Dabei arbeitet das Unternehmen mit einer polnischen Firma zusammen. Deshalb tragen die Fahrzeuge auch ein polnisches Kennzeichen. © TomTom

Daten für autonomes Fahren

Darüber hinaus liefert der Spezialist für Navigationsgeräte und Geodaten für mehr als vier Millionen Straßenkilometer Informationen, die für Fahrassistenzsysteme benötigt werden: zum Beispiel Kurvenradien, Steigungen und Gefälle.

Vor dem Hintergrund des autonomen Fahrens möchte TomTom die Daten für Karten in HD-Qualität (also in High Definition - hohe Qualität) liefern. „Dabei geht es um eine ganz andere Skalierung, die im Zentimeter-Bereich liegt“, erklärt Sarah Schweiger. Dabei könne es etwa um den Abstand zum Fahrbahnrand gehen. Auch gewisse Änderungen im Straßennetz sollen aufgezeichnet werden.

700.000 Datenpunkte pro Sekunde

Für die Aktualisierung der Daten setzt das Unternehmen TomTom immer mal wieder Autos mit Kameras, also Kartierungsfahrzeuge, ein. Die sogenannten Mobile Mapping (MOMA) Vans, die wie in Werne weltweit durch die Straßen fahren, sind mit moderner Technik ausgestattet.

Laut Angaben von TomTom können mit einem Velodyne-Radar 700.000 Datenpunkte pro Sekunde erfasst werden - mit einer Genauigkeit von zwei Zentimetern und höher. Die internen Prozessoren der Fahrzeuge verarbeiten pro Tag bis zu ein Terabyte an Daten. Das sind also 1024 Gigabyte oder mehr als eine Million Megabyte (MB) und damit in etwa so viel wie eine Computer-Festplatte speichern kann.

Autos der Bürger liefern selbst Daten

Heute sind die MOMA-Vans seltener auf den Straßen unterwegs. Etwa eine mittlere zweistellige Anzahl an Fahrzeugen werde in Europa noch eingesetzt, schätzt Schweiger.

Denn immer mehr Autos der Bürger, die vernetzt sind und mit GPS ausgestattet sind, liefern selbst viele Basisdaten für TomTom und andere Anbieter von Navigationstechnologien. Dennoch fahren die Fahrzeuge jährlich bis zu drei Millionen Kilometer und sammeln dabei 3,8 Milliarden Pixel pro Kilometer ein.

Seltener Anblick

Am Anfang der Straßenaufzeichnungen habe TomTom mit deutlich mehr Fahrzeugen Daten erfasst, so die Expertin weiter. Ein TomTom-Fahrzeug mit Kamera in Werne ist heute also ein seltener Anblick. Derweil hat der Konkurrent Apple in dieser Woche mit der Aufzeichnung der Straßen für den Navigationsdienst „Karten“ und „Look Around“ begonnen. Auch hierfür werden wieder 3D-Aufnahmen gefilmt.

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