„Quälendes Warten auf versalzenes Wasser“: Ein ironischer Blick auf das Werner Jahr 2019

rnBlick in die Glaskugel

Dreht sich das Stadtgeschehen in Werne 2019 ausschließlich um das neue Solebad? Oder gibt es auch andere berichtenswerte Themen? Wir wagen eine Prognose. Vorsicht: nicht ganz ernst gemeint.

Werne

, 31.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Solebad:

Bis Ende März 2019 verkündet Badleiter Jürgen Thöne insgesamt 63 Mal, das neue Solebad werde vor den Osterferien eröffnen. Zwei Wochen vor der Eröffnung starten die Ruhr Nachrichten einen Countdown. Er läuft bis Tag minus 18, weil die CDU kurzfristig beantragt, die grüne Rutsche für eine Kampagne vor der Europawahl im Mai schwarz anstreichen zu wollen.

In einer außerordentlichen Sitzung im Bürgersaal des Alten Rathauses stimmen die Fraktionen mehrheitlich dagegen. Weil die CDU daraufhin ankündigt, sich an den drohenden Tarifstreiks am Tag der Eröffnung beteiligen zu wollen, will Bürgermeister Lothar Christ nach ein paar versöhnlichen Worten im Stilvoll im Rathaus eine Runde ausgeben – es kommt zu zeitlichen Verzögerungen. Das Solebad eröffnet nach den Ferien, nachdem die Ruhr Nachrichten mehrmals titelten: „Quälendes Warten auf versalzenes Wasser.“

Fußgängerbrücke:

Die Christdemokraten legen die bereits gekauften Warnwesten am Tag der Bad-Eröffnung beiseite, erscheinen stattdessen gemeinschaftlich in einem weißen T-Shirt mit schwarzem Aufdruck: „In einem Rutsch ins Europaparlament.“ Man ist zufrieden mit dem Statement – auch, weil man wider Erwarten nicht im Getümmel gelber Westen untergeht.

„Quälendes Warten auf versalzenes Wasser“: Ein ironischer Blick auf das Werner Jahr 2019

© Helga Felgenträger (Archiv)

In weiser Voraussicht hat die Stadt das Gelände rund um das Solebad weiträumig sperren lassen und auf eine Umleitung verwiesen. Als Hunderte Streikende auf ihrem Weg zum Solebad über die Fußgängerbrücke am Becklohhof laufen, stürzt sie krachend ein. Niemand wird verletzt, weil der Asphalt der B54 bei 42 Grad Anfang Mai nachgibt wie ein Trampolinkissen. Das Wasser in den Außenbecken des Solebades erhitzt sich auf 55 Grad – schwimmen kann an diesem Tag niemand.

Festival und Finanzen:

Weil die Abrisskosten für die Fußgängerbrücke nun wegfallen, kann Lothar Christ ein Jahr früher als geplant einen ausgeglichenen Haushalt verkünden. Per Ratsentscheid soll das überschüssige Geld in die Planungen für das Straßenfestival 2019 fließen. 42 hochkarätige Acts aus 71 Ländern – und David Hasselhoff – sollen vier Tage lang die Werner Innenstadt bespielen.

Anfang September kommen alle Künstler in ihrem Nachtlager – der ehemaligen Hauptstelle der Sparkasse am Markt – zusammen, nachdem Sparkassen-Chef Thomas Lohmann nach den Umbauarbeiten bereits Anfang des Jahres überraschend verkündet hatte: „Wir schließen die Geschäftsstelle in Werne nicht, wir legen sie lediglich mit der in Lünen zusammen.“ Es kommt zu Protesten auf dem Marktplatz, David Hasselhoff singt: „I’ve been looking for financial freedom!“

Stockumer Straße:

Währenddessen schreiten weiter östlich die Arbeiten für die geplante Zentralrendantur an der Stockumer Straße voran. Pfarrdechant Jürgen Schäfer sagte bereits während eines Pressetermins kurz nach dem Sparkassen-Aus in Werne: „Wir können halt mit Geld!“ Allerdings, so Schäfer, wolle man den Architekten der Sakristei St. Christophorus mit den Planungen für den Neubau beauftragen. Die Kirchengemeinde hofft, auf diesem Wege ein zukünftiges Denkmal auf dem Berg zu errichten, auf dem bis Ende 2018 noch das Kirchenschiff von St. Konrad stand.

„Quälendes Warten auf versalzenes Wasser“: Ein ironischer Blick auf das Werner Jahr 2019

© Jörg Heckenkamp (Archiv)

Die Sakristei wird vom Kirchplatz entfernt und als „Denkmal im Denkmal“ in die Rendantur integriert. Der sogenannte „Babuschka-Glaube“ wird zum neuen Leitmotiv der Werner Kirchengemeinde. In großen Lettern prangt auf einem Schild an der Stockumer Straße: „Glaube – da ist so viel mehr drin.“ Später stellt sich heraus, dass der als Fälscher enttarnte „Spiegel“-Reporter Claas Relotius dieses Schild nur erfunden hat.

Steinhauscenter:

Kik, Mieter des leer stehenden Ladenlokals im Souterrain des Steinhaus-Centers, eröffnet in den Räumen übergangsweise einen Kiosk, in dem es abgelaufene Süßwaren aller deutschen Kik-Filialen verkauft. Man reiht sich in die Werner Tradition ein und setzt einen unnötigen Apostroph in den Namen: „Kik’s Keller-Kiosk“.

Die Ruhr Nachrichten rufen eine neue Rubrik ins Leben: den Kiosk- und Tabakwaren-Check. Nach zwei Serienteilen ist Schluss, weil die Redakteure sich beim Testen von Weingummi den Magen verkleben.

Drummel:

Zum Brexit kommt es 2019 nicht, weil die Christophorus-Schüler auf ihrer Klassenfahrt nach London „Drummel on Tour“ in der U-Bahn verteilen. Theresa May trägt in Anlehnung an Drummel fortan nur noch blauen Lidschatten und betont, eine Wiederholung des Brexit-Referendums niemals abgelehnt zu haben.

Weil der Glockenturm von Big Ben in London zu diesem Zeitpunkt immer noch renoviert wird, ertönt an der Themse übergangsweise die Pausenglocke des Christophorus-Gymnasiums.

„Quälendes Warten auf versalzenes Wasser“: Ein ironischer Blick auf das Werner Jahr 2019

© Vanessa Trinkwald (Archiv)

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