Rad-Initiative wünscht sich Änderungen am Kreisverkehr an B 54 in Werne

rnRadverkehr in Werne

Der Kreisverkehr an der B 54 in Werne ist zur Hälfte fertig. Der Initiative Radverkehr in Werne sieht allerdings einige Nachteile für Radfahrer. Und wendet sich mit Nachbesserungen an die Stadt.

Werne

, 27.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der B 54 nimmt der Kreisverkehr langsam Gestalt an. Die erste Hälfte ist bereits gebaut. Anlass für die im vergangenen Winter gegründete Initiative Radverkehr, die ersten Bauausführungen unter die Lupe zu nehmen. Ihr Anliegen: den Radverkehr in Werne zu fördern und die Infrastruktur dafür auszubauen. „Die Politik hat die Autofahrer zu sehr im Blick. Die Werner sind daran gewöhnt, kurze Wege mit dem Auto zurückzulegen“, so Holger Bergemann, Sprecher der Initiative.

Konkret hat die Initiative Radverkehr im Umfeld des neuen Kreisverkehres an der B 54 drei Anliegen: zum einen möchte sie, dass der Radweg entlang der Straße Vorrang vor dem Autoverkehr hat, zum anderen, dass der Autoverkehr von der Selmer Straße über den südlichen Becklohhof in Richtung Innenstadt abgeschnitten wird. Außerdem sollen der nördliche und südliche Teil des Becklohhofes eine Fahrradstraße werden.

Mit der aktuellen Ausführung des Radweges ist die Initiative noch nicht zufrieden. Zu hoch sei der Höhenunterschied zwischen Radinsel und Asphalt. Das störe beim zügigen Drüberfahren.

Mit der aktuellen Ausführung des Radweges ist die Initiative noch nicht zufrieden. Zu hoch sei der Höhenunterschied zwischen Radinsel und Asphalt. Das störe beim zügigen Drüberfahren. © Eva-Maria Spiller

Entlang der B54 führen nun jeweils voneinander getrennte Rad- und Fußwege. Die Initiative möchte, dass der Radweg durchgängig über den Asphalt rot markiert wird und somit Vorrang vor dem Autoverkehr hat. Würde der Bereich analog zum danebenliegenden Fußgängerüberweg schraffiert, müssten Radfahrer am Kreisverkehr absteigen. Das möchte die Initiative nicht.

„Die Radfahrer bekommen entlang der B 54 auf jeden Fall Vorrang“, sagt Adrian Kersting, Leiter des Straßen- und Verkehrsamtes der Stadt Werne. Dementsprechend müsse kein Radfahrer entlang der B 54 absteigen. Dies sei aber auch schon so kommuniziert worden.

Die Mittelinsel sei vorsorglich installiert worden, um den Übergang vom Becklohhof zur Burgstraße künftig mit allen offenen Optionen anpassen zu können. Weil die noch bestehende Brücke einen Ausbau zu Fuß- und Radweg verhindere, würden über die Münsterstraße vorerst keine Markierungen angebracht.

Ein weiterer Kritikpunkt der Initiative: die Übergänge zwischen Radweg und Asphalt entlang der B 54 seien zu hoch und für den Radverkehr hinderlich. Kersting: „Zwei Zentimeter sind definitiv kein Baumangel. Das Pflaster senkt sich automatisch über die nächsten Monate ab.“ Außerdem sei es für sehbehinderte Personen wichtig, mit Gehhilfen entsprechende Kanten auf den Straßen zu ertasten. Gleichzeitig versprach Kersting, sich die entsprechende Stelle noch einmal anzuschauen.

Südlicher Becklohhof als Direktverbindung in die Stadt

An der Selmer Straße, noch vor der Kreuzung mit der Jüngst- und Tenhagenstraße, möchte die Initiative Radverkehr, dass die Stadt einen sogenannten modalen Filter - dies können Poller sein - installiert, durch die der Autoverkehr Richtung Innenstadt verhindert wird. Die Begründung: Weil die Selmer Straße künftig direkt auf die B 54 führt, könnte der Autoverkehr an dem südlichen Becklohof stärker werden. Die Initiative befürchtet eine neue Hauptverbindung zur Innenstadt für Autofahrer. Deshalb ist es der Wunsch der Radinitiative, Poller zu setzen, sodass der Autoverkehr über Penningrode und Bahnhofstraße umgeleitet würde. Auch der südliche Teil des Becklohhofes soll eine Fahrradstraße werden, sodass die Berufsschüler als „Anlieger“ den Parkplatz der Schule erreichen, ebenso wie die Eltern, die ihre Kinder zur Kita bringen.

Die Stadt hingegen möchte die Selmer Straße nach Fertigstellung des Kreisverkehres erst einmal für alle öffnen, um keine Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Außerdem werde durch die Öffnung des Becklohhofes zum Kreisverkehr die trennende Wirkung der B 54 zu den umliegenden Stadtstraßen heruntergesetzt. Ein Verkehrsgutachten aus dem Jahr 2016 habe nachgewiesen, „dass der Verkehr durch die Öffnung des Becklohhofes in Bezug auf die Andienung des Kindergartens, der Berufsschule, des Seniorenheims und der Turnhalle in allen Nebenstraßen drastisch sinken wird“, schreibt Bürgermeister Lothar Christ am 17. Juni an die Initiative. Aber: „Sollte sich Ihre Befürchtung bestätigen, werden wir umgehend handeln, wobei jedoch auch die Belange aller Beteiligten berücksichtigen werden müssen.“

„Sensible“ Einrichtungen am Becklohhof in Werne

Den Durchgangsverkehr aus dem südlichen Becklohhof zu halten, sei der Radinitiative zufolge auch wichtig, weil es in dem Wohngebiet gleich mehrere sensible Einrichtungen gebe: das Altenheim, die St.-Christophorus-Kita, das Berufskolleg und die Uhland-Schule. Ein Kompromiss, den die Initiative sieht: sogenannte Berliner Kissen, Aufpolsterungen ähnlich eines Huckels, der die Autofahrer zumindest ausbremst.

Jetzt lesen

Dass der nördliche Teil des Becklohhofs nun eine wie von der Stadt geplante Fahrradstraße mit Einbahnstraßenregelung vom Kreisverkehr aus für den motorisierten Verkehr wird, dem könne die Initiative auf den zweiten Blick nun etwas abgewinnen, heißt es in einer Pressemitteilung. Hinter der dortigen Sporthalle sollen nach aktuellem Stand Parkplätze entstehen, die den wegfallenden Parkraum entlang der B 54 durch den Kreisverkehr auffangen sollen. Aber die Initiative befürchtet hier ein erhöhtes Unfallrisiko zwischen Fahrradfahrern und motorisiertem Verkehr.

In jedem Fall wird der nördliche Becklohhof zur verlängerten Fahrradstraße zur Burgstraße auf der anderen Seite des Kreisverkehres. Durch die neue Fahrradstraße wird außerdem eine direkte Verbindung zwischen dem Bahnhof Werne und dem Radschnellweg 1 in Rünthe geschaffen. Für alle Anliegen hofft die Initiative nun, dass die geäußerten Anregungen noch in die weiteren Planungen des Kreisverkehres mit einfließen, so Bergemann.

Lesen Sie jetzt

Einkaufen, Familienausflug, Hochzeitskutsche - „Ulf“ soll sich für all diese Dinge eignen. Das neue Lastenrad können Werner Bürger jetzt kostenlos an der Radstation am Bahnhof ausleihen. Von Felix Püschner

Lesen Sie jetzt