Rauchen: Was die Werner von Schockbildern halten

Zigaretten- und Tabakpackungen

Ein Babysarg, Kehlkopfkrebs und todkranke Menschen - wegen einer neuen EU-Richtlinie sind nun Schockbilder auf Zigarettenschachteln und Tabakpackungen zu sehen. Wir haben uns auf den Straßen Wernes umgehört, was die Einwohner von den neuen Verpackungen halten. In unserer Abstimmung ist Ihre Meinung gefragt.

WERNE

, 25.07.2016, 16:17 Uhr / Lesedauer: 1 min

Teerschwarze Lungen, Raucherbeine, ein geschädigtes Baby – es ist harter Bilder-Stoff, der Raucher auf den Packungen ins Auge springt. Zwar gilt die Schockbild-Regelung schon seit dem 20. Mai. Doch die Firmen hatten die Produktion der alten, harmlosen Packungen hochgefahren.

Daher rücken erst in diesen Wochen die neuen Schachteln in die Regale vor. Und lösen Diskussionen unter den Rauchern aus.

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So reagieren Werner auf die neuen Tabak-Schockbilder

Teerschwarze Lungen, Raucherbeine, ein geschädigtes Baby – es ist harter Bilder-Stoff, der Raucher auf den Packungen ins Auge springt. Zwar gilt die Schockbild-Regelung schon seit Mitte Mai. Das halten die Menschen auf den Straßen Wernes davon.
25.07.2016
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"Wenn ich am Wochenende mit der Familie im Garten bin, verdecke ich die Packung. Die sieht ja nicht gerade sehr appetitlich aus."
Ahmet Gönayden (42)© Foto: Till Krause
"Ich als Vater finde die Schockbilder gut, wobei sie natürlich schon krass sind. Aber vielleicht hält es Jüngere vom Rauchen ab."
Stefan Klönne (43)© Foto: Till Krause
"Ich glaube, dass sich die Menschen von den Bilder nicht schrecken lasse. Ich komme aus den Niederlanden, wo es die Bilder schon seit zwei oder drei Jahren gibt. Aber auch bei uns sind sie zuletzt größer geworden."
Henk Keijman (58)© Foto: Till Krause
"Ich finde es gut, dass sowohl ein Bild als auch ein kleiner Text auf der Packung sind. Schließlich bleiben Bilder besser im Gedächtnis. Das schreckt bestimmt jüngere Kinder ab. Meiner Meinung nach sollte man aber auch die Werbung für Zigaretten generell verbieten."
Sarah Erdelkamp (10)© Foto: Till Krause
"Wer rauchen möchte, lässt sich von den Bilder nicht abschrecken. Auch die Jugendlichen nicht. Ich hatte kein Interesse am Rauchen. Aber für viele meiner Freunde war das cool."
Marc Weber (26)© Foto: Anna Mayr
"Ich habe früher mal ein bisschen geraucht. Mich hätte das damals wohl nicht abgeschreckt. Meine Kinder hingegen rauchen nicht. Die empfinden das Rauchen sogar eher als störend."© Foto: Anna Mayr
"Mich als Raucher stören die Bilder nicht. Ich rauche schon viele Jahre und weiß auch so, dass ich mir damit selber schade."
Evelyn Nitschke (62)© Foto: Anna Mayr
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Tatsächlich hat Stephanie Hölscher (29) in den vergangenen Tagen verstärkt Lederetuis verkauft. "Die Kunden wollen die Bilder nicht immer vor Augen haben, wenn sie sich eine Zigarette anzünden", sagt die Mitarbeiterin von Ela's Lotto und Tabakwaren am Markt. Wenn sie selbst Raucherin wäre, so Hölscher, würde sie die Warn-Schachteln auch verstecken.

Kollegin Maritta Dörr (63) sieht das ähnlich. Die Raucherin ("So 20 Stück am Tag.") möchte nicht auf die Fotos schauen. "Vor allem das mit dem Baby geht schon an die Nieren", sagt sie. Ihre Strategie: Umfüllen in alte Schachteln, so lange die halten.

Monteur Stefan Schmitz (37) aus Köln, gerade wieder mal beruflich in Werne unterwegs, kennt das Thema Schockbilder seit Anfang des Jahres. "Aber richtig gesehen habe ich das erst vor zwei Tagen, als ich selbst so eine Packung gekauft habe". Nein, schön sei das Bild wirklich nicht. Die nichtrauchenden Kollegen hätten sich das interessiert angeschaut und ihn ordentlich gehänselt.

Um- oder verstecken kommt für ihn nicht infrage. "Da gewöhnt man sich in ein paar Wochen dran, genauso wie an die dauernden Preiserhöhungen", meint Schmitz. Weniger rauchen will er übrigens nicht.

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Nicht nur Hüllen für Zigarettenpackungen haben derzeit Konjunktur. Auch Käufer von losem Tabak legen sich verstärkt Hüllen zu, "weil sie die Bilder nicht sehen wollen", sagt Karin Schönnagel (59) vom Lotto- und Tabak-Geschäft im Hornecenter. Als sie für ein Foto für diesen Artikel eine solche Hülle besorgen will, sucht sie vergeblich. "Keine mehr da." Ausverkauft. 

Neue Richtlinie der EU
Seit dem 20. Mai gilt in Deutschland die EU-Tabakrichtlinie, nach der auf Zigarettenpackungen abschreckende Fotos gezeigt werden müssen.
Die Bilder müssen zusammen mit Warnungen wie „Rauchen ist tödlich“ mindestens zwei Drittel der Vorder- und Rückseite der Packungen einnehmen.
Die Hinweise auf den Packungen waren bisher nicht so groß.

Mit Material von dpa

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