Reinigungsfrau in Werne bedrängt: Urteil trifft psychisch kranken Lüner (23) hart

rnLandgericht Dormund

Im Januar 2018 bedrängte und belästigte ein psychisch kranker Lüner (23) in Werne eine Reinigungskraft. Am Mittwoch fiel ein einschneidendes Urteil - der Angeklagte nahm es wortlos entgegen.

Lünen, Werne

, 06.11.2019, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Serie von verstörenden Übergriffen und unheimlichen Droh-Auftritten in Werne und Lünen ist ein psychisch kranker Mann (23) am Mittwoch am Dortmunder Landgericht auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Die Richter der 32. Strafkammer stuften den wegen einer schizophrenen Psychose als schuldunfähig geltenden Lüner unbehandelt als ernste Gefahr für die Allgemeinheit ein.

Im Mittelpunkt des Prozesses standen in erster Linie zwei Vorfälle. Am 22. Januar 2018 war der Lüner laut Urteil „mit starrem Blick“ beim Ambulanten Dienst in Werne aufgetaucht und hatte auf der Damentoilette eine Reinigungskraft sexuell belästigt.

Im April 2018 hatte der 23-Jährige auf der Steinstraße in Lünen für „eine sehr skurrile Situation gesorgt, die einen öffentlichen Auflauf verursachte“, sagte Richter Dirk Kienitz in der Urteilsbegründung.

„Wenn Du aussteigst, dann köpfe ich Dich.“

Der 23-Jährige soll unter anderem eine 74-jährige Frau sexuell bedrängt haben, „wie von Sinnen“ auf die Straße gelaufen und nacheinander auf die Motorhauben mehrerer Autos gesprungen sein, gegen die Fenster geschlagen und unter anderem gebrüllt haben: „Ich kriege euch alle.“ Mehrere Zeugen gerieten durch diesen unheimlichen Wahnauftritt in Panik und Angst. Einem Jungen soll der 23-Jährige laut Urteil darüber hinaus mit „irren Blick“ zugerufen haben: „Wenn Du aussteigst, dann köpfe ich Dich.“

Der Angeklagte hatte die beiden Ausraster im Prozess, der kürzlich nach zuvor monatelanger Verhandlung wegen organisatorischer Probleme aufseiten der Justiz noch einmal von vorne beginnen musste, sofort zugegeben. „Ich kann mich zwar an nichts mehr erinnern. Ich schäme mich aber zutiefst und hoffe, dass mir alle Betroffenen meine Taten verzeihen“, hatte Verteidiger Guido Grolle im Namen des Angeklagten erklärt.

Schmierereien und Sachbeschädigungen in der Zelle

Richter Dirk Kienitz hob in der Urteilsbegründung hervor, dass es aus Sicht der Kammer - insbesondere wegen der aktuell fehlenden Krankheitseinsicht – gar keine andere Möglichkeit gab, als die einschneidende Psychiatrie-Maßregel anzuordnen. Die Verhängung einer klassische Strafe war wegen der von einem Gutachter attestierten Schuldunfähigkeit ausgeschieden.

Zwar lägen die zwei Vorfälle bereits einige Zeit zurück, hieß es. Dennoch habe sich der 23-Jährige auch während der Haftzeit beziehungsweise dem Aufenthalt in der LWL-Klinik in Eickelborn keinesfalls unauffällig verhalten. Es sei zu Schmierereien und Sachbeschädigungen in der Zelle sowie zu weiteren skurrilen Wahn-Auftritten gekommen.

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