Das Derby zwischen Dortmund und Schalke elektrisiert das Revier. Auch an vielen Arbeitsplätzen knistert es. So wie bei Alina Mertens (BVB) und Jürgen Menke (S04) aus dem Werner Ordnungsamt.

Werne

, 26.10.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr, live auf Sky) kann Familien, Ehepaare und beste Freunde für 90 Minuten trennen. Der erste Arbeitstag nach dem Derby geht unter verfeindeten Fans und Kollegen nicht ohne Frotzeleien vonstatten.

Das ist im Ordnungsamt der Stadt Werne nicht anders. Jürgen Menke (63) ist Schalke-Fan, Kollegin Alina Mertens (28) BVB-Fan. Und beide sind auch in diesem Jahr gemeinsam Marktleiter von Simjü. Ausgerechnet am Kirmes-Wochenende steigt auch das Derby.

Simjü-Eröffnung versus Derby-Anpfiff

Können die beiden das Prestigeduell überhaupt verfolgen? „Die Simjü-Eröffnung ist ja um 14 Uhr. Da wird es knapp bis zum Anstoß. Aber vielleicht können wir ja die zweite Halbzeit gucken. Das müssen wir dann spontan entscheiden - je nachdem, wie viel los ist“, sagt Alina Mertens. Ob die beiden dann doch einmal gemeinsam das Derby sehen wird, ist also auch noch ungewiss.

Vor dem letzten Revierderby - mit natürlich anderen Ausgangspositionen für die beiden Klubs - haben wir mit den beiden an ihrem Arbeitsplatz gesprochen. Hier lesen Sie die komplette Geschichte.

Jürgen Menke aus dem Ordnungsamt der Stadt Werne hat es in diesen Tagen auch nicht leicht. Er ist in seinem Büro Einzelkämpfer als Schalke-Fan. „Ich bin umzingelt“, sagt der 63-Jährige. Hinter ihm ein BVB-Fan, schräg gegenüber auch eine „Zecke“, wie er sagt und zeigt auf den Schreibtisch, auf dem ein schwarzgelber Schal liegt.

Mertens (BVB) gegen Menke (S04): Hitziges Duell auf dem Rasen und im Werner Ordnungsamt

Jürgen Menke ist unübersehbar ein glühender Schalke-Fan. Seine Liebe zum Verein zeigt er auch gern auf der Arbeit. © Mario Bartlewski

Es ist der Arbeitsplatz von Alina Mertens. Sie ist die Nachfolgerin von Jürgen Menke als Marktleiterin von Simjü. Sie hält es eher dezenter. Bei Menke, der jahrelang eine Dauerkarte fürs Stadion hatte, hängen königsblaue Schals, Shirts zum „4:4-Derbysieg“, S04-Aufkleber und - wer hätte das gedacht - eine Meisterschale aus Pappe. Alina Mertens schüttelt nur den Kopf. Die Schalker beweisen echt guten Humor, denkt sie sich wohl.

Sieben Thesen zum Derby - Sieben Antworten mit Sticheleien

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Vorfreude auf das Revierderby im Werner Ordnungsamt

BVB-Fan tippt auf hohen Derbysieg

Während die Knappen im Abstiegskampf stecken, ist der BVB noch im Rennen um den Meistertitel. Drei Punkte im Derby hat Alina Mertens da sicher mit eingeplant. „Das wird am Samstag eine klare Sache. Wir gewinnen 4:0“, tippt sie. „Ich glaube auch, dass es eine klare Sache wird. Wir holen ganz sicher mindestens einen Punkt“, erwidert Jürgen Menke.

„Ihr macht vielleicht ein Trauertörchen“, heißt es von der Gegenseite. „Nee, nee. Ihr macht vielleicht ein Trauertörchen im eigenen Stadion“, kommt der Schalker Konter. Dann korrigiert Menke nochmal: 2:0 für Schalke. Diese Rivalität, sie gehört einfach dazu, wenn sich die beiden Revierklubs gegenüber stehen.

Mertens (BVB) gegen Menke (S04): Hitziges Duell auf dem Rasen und im Werner Ordnungsamt

Seinen Arbeitsplatz hat Jürgen Menke markiert. „Dekoration muss sein“, sagt er. Er ist als Blau-Weißer Alleinkämpfer im Büro des Ordnungsamtes. © Mario Bartlewski

Ohne Sticheleien geht es irgendwie nicht, wenn Jürgen Menke und Alina Mertens über den Fußball diskutieren. „Im Dienst drosselt man seine Emotionen“, sagt Jürgen Menke mit einem Schmunzeln. „Wir haben uns trotzdem lieb“, sagt Alina Mertens und weiter: „In Sachen Simjü kann ich von ihm lernen. Und in Sachen Fußball kann er von mir lernen.“

Schalker übergibt Federführung an den BVB-Fan

Im vergangenen Jahr hat Jürgen Menke als Marktleiter der Kirmes noch die Fäden geführt. In diesem Jahr übernimmt seine Nachfolgerin Alina Mertens den Posten. So gern sich die beiden aufgrund ihrer Fanfeindschaft auch necken - die Zusammenarbeit passt. Austeilen können beide ganz gut, Einstecken auch.

Diese Saison musste vor allem der Schalker Nerven bewahren und viele Sprüche von der Konkurrenz schlucken. „Sie hat immer schön weiter in die gleiche Kerbe geschlagen“, erzählt Jürgen Menke. „Ich habe kein Mitleid. Wer so spielt, der verdient auch kein Mitleid“, sagt Alina Mertens, die „aus Protest“ nicht wie ihr Vater Schalke-Fan, sondern stattdessen BVB-Fan geworden ist.

Mertens (BVB) gegen Menke (S04): Hitziges Duell auf dem Rasen und im Werner Ordnungsamt

Hier regiert der... S04 und der BVB. Jürgen Menke und Alina Mertens arbeiten gern zusammen. Sie sind unter anderem zuständig für Sim-Jü. Wenn es um Fußball geht, sind sie nur bei der Frage um die Meisterschaft einer Meinung. Beide gönnen es dem BVB, nicht den Bayern. © Mario Bartlewski

Jürgen Menke wurde das Königsblaue quasi in die Wiege gelebt. In der ganzen Familie gäbe es ausschließlich Schalker, erzählt er. Mit ihnen guckt der 63-Jährige in der Regel die Derbys. Auch Alina Mertens schaut von der Coach aus - mit einem alkoholfreien Getränk, denn sie hat am Wochenende Bereitschaftsdienst.

„Vielleicht rufe ich dich dann ja an“, sagt Jürgen Menke und denkt wohl wieder an die nächste Stichelei. Bei einem Fußball-Thema sind sich dann doch beide einig: die Meisterschaft. „Ich gönne es eher einem Verein aus dem Revier, als einem aus dem Süden“, sagt Jürgen Menke. Der Schalker gönnt es den Borussen?

Da ist nicht nur BVB-Fan und Kollegin Alina Mertens sprachlos.

Mertens (BVB) gegen Menke (S04): Hitziges Duell auf dem Rasen und im Werner Ordnungsamt

Alina Mertens wurde „aus Protest“ zu ihrem Vater, der Schalke-Fan ist, Sympathisantin von Borussia Dortmund. © Mario Bartlewski

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