Russische Studentin erstellt deutsch-russisches Lexikon für Jugendliche

Diplomarbeit

WERNE Der deutschen Jugendsprache und dem "Slang" auf der Spur ist die junge russische Studentin Arina Dobryakova von der Universität Velikij Novgorod. Arinas Ziel ist es, ein Lexikon zu erstellen, in dem der russischen Jugendsprache die äquivalenten Wörter auf Deutsch zugesellt werden.

von Von Wolfgang Gumprich

, 29.05.2009, 06:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sprachen, insbesonders in ihrer gesprochenen Form, fließen nicht wie ein ruhiger Fluss träge dahin, sie ändern sich ständig, und werden beeinflusst durch Zuströme aus fremden Ländern, Kulturen, Trends und Zeitgeist, vermischen und erweitern sich in ihrem Wortschatz.

Wörter schwer zu übersetzen

Für ihre Abschlussarbeit als Diplom-Übersetzerin verteilte sie an Werner Schulen in unterschiedlichen Altersstufen Fragebögen, in denen die Jugendlichen "ihre" Wörter für Bezeichnungen zu verschiedenen Themen- und Wortfeldern wie Elternhaus, Schule, Freundschaft/Liebe, Computer, Sport, Musik, Party eintragen sollten.  "Viele russisch-deutsche Lexika führen nicht die modernen Wörter auf, sie sind unbekannt und damit schwer oder gar nicht treffend zu übersetzen", erklärt die 22-Jährige den wissenschaftlichen Ansatz ihrer Diplomarbeit.

Ganz besonders bedankt sie sich bei der Werner Familie Renate und Claus Jürdens, die sie aufgenommen und die sehr unterstützt habe. Claus Jürdens fand es sehr erstaunlich, wie hilfsbereit die Schulleiter des Anne-Frank- und des Christophorus-Gymnasiums, der Realschule und der Hauptschule zugesagt hätten, damit Arina ihre Fragebögen verteilen konnte. Ihre Mutter ist Deutschlehrerin, "es ist also eine Familiensache", lacht sie.

100 Fragebögen wurden ausgefüllt

Claus Jürdens hat viel in Russland gearbeitet, seine Kinder waren häufig in den USA. So wollte er russischen Jugendlichen einen Besuch in Deutschland ermöglichen. Er fragte die ihm zugeteilte Dolmetscherin und die vermittelte den Kontakt zu Arina. Nach ihrer Prüfung, in der sie ihre Arbeit vor Hochschullehrern verteidigen muss, begleitet sie bis Oktober Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff zwischen St. Petersburg und Moskau. Fast 100 Fragebögen hat sie mittlerweile verteilt und ausgefüllt eingesammelt. Bei einem ersten Blick hat sich die Jugendsprache gar nicht so weit von der "Altensprache" entfernt: Zigaretten heißen immer noch "Kippen" oder "Fluppen", natürlich "chillt" (ausruhen) oder "zockt" (spielen) man, Freunde heißen "Kollegen" man unterhält sich nicht, man labert. Wenn die Jugendlichen mit Mamo und Papuch (ihren Eltern) Streit haben, dann heißt es streng "Nervt nicht". Dagegen verlieben sie sich zärtlich und "die Herzen zerschmelzen".

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