Sakristei-Architekt: „Man will seit Langem den Abriss“

rnSakristei St. Christophorus

Die Debatte um die Zukunft der Christophorus-Sakristei ist voll entbrannt. Gegner und Befürworter melden sich. Wir haben mit demjenigen gesprochen, der das Objekt vor 30 Jahren entworfen hat.

Werne

, 19.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Debatte um einen möglichen Abriss der 30 Jahre alten und sanierungsbedürftigen Sakristei St. Christophorus ist voll entbrannt. Befürworter wie Gegner melden sich, etwa per Leserbrief oder Internet-Kommentar. Das Thema ist emotional besetzt: Ein Kommentator rät dem Autor dieses Artikels, das er sich das Ding in den eigenen Garten stellen möge.

Sachlicher sind dagegen die Aussagen von Prof. Stephan Böhm. Der 70-Jährige stammt aus einer anerkannten Kölner Architekten-Familie und hat die Werner Sakristei vor 30 Jahren entworfen. „Man will in der Gemeinde den Abriss. Das ist schon seit Langem klar“, sagt er auf Anfrage der Redaktion.

Schreiben des Bistums bestätigt Abriss-Vorhaben

Woher er denn die Information habe, dass der Abriss beschlossene Sache sei? Daraufhin zitiert Böhm aus einem Schreiben der Bauabteilung des Bistums, das ihn am 12. Juni 2020 erreicht habe. Darin hieße es unter anderem: „Deshalb hat die Kirchengemeinde St. Christophorus Werne den Beschluss zum Abriss und Neubau der Sakristei gefasst. Die Kirchengemeinde und Bistum Münster stufen das Bauwerk als bautechnisch und funktional abgängig ein.“

Weiter: „Hierbei beziehen wir uns auf die oberirdischen Teile des Gebäudes. Der Keller soll voraussichtlich erhalten bleiben. Sowohl die Stadt als auch der LWL (Frau Dr. Heine-Hippler) sehen hier keinen Denkmalwert. Der Abbruchantrag wird gerade vorbereitet.“ Besonders der Passus mit dem fehlenden Denkmalwert erzürnt den Kölner Architekten. „Die Denkmalwürdigkeit ist nur deshalb nicht gegeben, weil die Sakristei zu jung ist. Wäre sie vor 35 oder 40 Jahren entstanden, sähe die Sache ganz anders aus.“

Alt und neu - viele Werner meinen, die moderne Sakristei passe nicht zur alten Kirche. Andere sehen das anders.

Alt und neu - viele Werner meinen, die moderne Sakristei passe nicht zur alten Kirche. Andere sehen das anders. © Helga Felgenträger (A)

Das belege ein aktuelles Gutachten, als es um die Denkmalwürdigkeit der Sakristei ging. Darin heißt es unter anderem: „Es handelt sich zweifellos um ein interessantes zeitgenössisches Bauwerk mit hohem künstlerischen Anspruch. Richtig ist ferner, dass die Sakristei augenblicklich nicht Teil des in die städtische Denkmalliste eingetragenen Denkmals St. Christophorus ist.“

Böhm: „Sakristei hat hohen künstlerischen Anspruch“

„Damit unterliegt das bemerkenswerte Bauwerk aktuell nicht dem Schutz des Denkmalrechts. Das heißt aber nicht, dass die Sakristei - jenseits des Denkmalrechts - nicht als schützenswertes Gebäude angesehen werden kann.“ „Das bedeutet für mich“, sagt Böhm, „dass die Sakristei einen hohen künstlerischen Anspruch besitzt.“

Zum Sanierungsaufwand sagt Böhm: „Dummerweise haben wir damals Acrylglas genommen. Das wird mit der Zeit spröde.“ „Drei oder vier Scheiben“ seien gerissen. Er habe gehört, dass ein Angebot über rund 61.000 Euro zur Beseitigung dieses Schadens vorliege.

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