Marga Spiegel an der Seite von Veronika Ferres in der damaligen ZDF-Sendung „Wetten, dass...?“ Versteckt bei Bauern im Werner Umland überlebte sie das NS-Regime. Ihr Leben in der damaligen Zeit wurde verfilmt. © picture-alliance/ dpa
Berühmte Werner

Schauspielerin Veronika Ferres spielte ein Kapitel von Marga Spiegels Leben

Marga Spiegel, geborene Rothschild. Namensgeberin der Werner Sekundarschule. Eine bei vielen Wernern beliebte und verehrte Dame. Dabei steht ihr Schicksal für ein dunkles Kapitel der Geschichte.

Als Marga Spiegel am 11. März 2014 starb, war die Betroffenheit groß, obwohl die kleine alte Dame im gesegneten Alter von 101 Jahren ihren letzten Atemzug tat. Doch Marga Spiegel war eine Persönlichkeit. Obwohl sie das Schlimmste mitgemacht und überlebt hatte, was Menschen einander überhaupt antun können, setzte sie sich immer für Versöhnung ein. Und sorgte gleichzeitig dafür, dass die Geschichte und der Grund ihres Handelns niemals vergessen werden.

Marga Spiegel entstammte einer jüdischen Familie aus Nordhessen. Ihr Physik- und Mathematikstudium an der Universität Marburg musste sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft früh abbrechen und war zunehmend antisemitischen Diskriminierungen ausgesetzt. Eines erfundenen Verbrechens beschuldigt, wurde sie sogar mehrere Tage inhaftiert.

Marga Spiegel, wie sie viele Menschen in Erinnerung behalten werden.
Marga Spiegel, wie sie viele Menschen in Erinnerung behalten werden. © Nitsche © Nitsche

Kurz darauf heiratete sie einen Pferdehändler aus Ahlen und folgte ihm als Marga Spiegel nach Westfalen. Auch hier nahmen Diskriminierung und Verfolgung zusehends zu. Familienmitglieder wurden deportiert und getötet, andere flohen in die USA. Marga Spiegel blieb jedoch mit Mann und Tochter Karin. Um Lebensmittel zu organisieren, fuhr Siegmund Spiegel die Bauernhöfe ab. Marga Spiegel überlebte letztlich nur, weil fünf Bauernfamilien rund um Werne die damals 30-jährige versteckten.

Eine Zeit, die mit Veronika Ferres in der Hauptrolle im Kinofilm „Unter Bauern“ verfilmt wurde. Denn über ihre Erinnerungen hatte Marga Spiegel ein Buch geschrieben. Zudem zog sie durch die Schulen, um als Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin über die Nazi-Zeit zu berichten.

Der Kontakt zur Jugend war Marga Spiegel zeitlebens wichtig. Sie ging gezielt in Schulen, um als Zeitzeugin und Holocaust-Überlebende von ihren Erlebnissen zu berichten. Bei der Einweihung der Marga-Spiegel-Schule (Bild) war sie natürlich Ehrengast.
Der Kontakt zur Jugend war Marga Spiegel zeitlebens wichtig. Sie ging gezielt in Schulen, um als Zeitzeugin und Holocaust-Überlebende von ihren Erlebnissen zu berichten. Bei der Einweihung der Marga-Spiegel-Schule (Bild) war sie natürlich Ehrengast. © Helga Felgenträger © Helga Felgenträger

Als Marga Spiegel starb, würdigte sie der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Münster, Sharon Fehr, mit den Worten: „Ihre Stimme gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenverachtung ist für immer verstummt. Die Brückenbauerin zur nichtjüdischen Mehrheit hat sich verabschiedet.“

Auch Armin Rohde (r.) wirkte an der Seite von Veronika Ferres im Film „Unter Bauern“ mit. Als in der Marga-Spiegel-Schule ein Portrait der Namensgeberin enthüllt werden sollte, spielte er auch dort eine entscheidende Rolle.
Auch Armin Rohde (r.) wirkte an der Seite von Veronika Ferres im Film „Unter Bauern“ mit. Als in der Marga-Spiegel-Schule ein Portrait der Namensgeberin enthüllt werden sollte, spielte er auch dort eine entscheidende Rolle. © Christin Mols © Christin Mols

Dass Marga Spiegel mit dem Bau der Sekundarschule in Werne, die nach ihr benannt werden sollte, auf diese Weise in den Mittelpunkt des Interesses rückte, sah die alte Dame mit gemischten Gefühlen. Denn eigentlich, so sagte sie damals, hätte die Schule die Namen derjenigen tragen müssen, die sie damals versteckten und ihr das Leben retteten. Zu denen pflegte sie übrigens Zeit ihres Lebens den Kontakt, war zu Geburtstagen gekommen und hatte sie selbst in Münster als Besucher empfangen.

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