Schienenersatzverkehr der Eurobahn wird knapp verpasst: Pendler (17) ärgert sich über Bus-Taktung

rnÄrger im Nahverkehr

Der Schulweg von Joshua Tolksdorf (17) von Stockum nach Dortmund wird sich bald stark verlängern. Der Bus aus Stockum ist so getaktet, dass er den Schienenersatzverkehr der Eurobahn knapp verpasst.

Werne, Stockum

, 03.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Joshua Tolksdorf (17) aus Stockum pendelt jeden Tag zur Schule nach Dortmund. Wenn die Schule nach den Ferien wieder beginnt, starten auch die umfangreichen Baumaßnahmen auf der RB-Linie 50 zwischen Münster und Dortmund.

Dann sind Tolksdorf und viele weitere Pendler acht Monate lang auf den Schienenersatzverkehr zwischen Davensberg und Lünen angewiesen. Dass er von Bahn auf Bus umsteigen muss, damit hat sich Joshua Tolksdorf längst abgefunden. Doch nun beschäftigt ihn ein ganz anderes Problem: der Öffentliche Nahverkehr in Werne.

Bus kommt nur wenige Minuten zu früh am Stadthaus an

Denn der Bus, der Tolksdorf und viele Pendler von Stockum zum Werner Bahnhof oder Busbahnhof bringt, fährt so ab, dass der Schienersatzverkehr knapp verpasst wird. Es geht konkret um die Linie R14 der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna, die zwischen den Bahnhöfen Hamm und Werne verkehrt.

Der Bus kommt immer um 52 Minuten nach der vollen Stunde am Bahnhof und 49 Minuten nach der vollen Stunde am Busbahnhof am Stadthaus an. Und damit nur ein paar Minuten, nachdem der Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV) der Eurobahn-Linie die Fahrgäste Richtung Dortmund bringt.

Joshua Tolksdorf hat bei der VKU um eine neue Taktung der R14-Buslinie gebeten. Vergebens.

Joshua Tolksdorf hat bei der VKU um eine neue Taktung der R14-Buslinie gebeten. Vergebens. © Andrea Wellerdiek

Weil es sich am Stadthaus nur um sechs Minuten handelt, stellte sich für Joshua Tolksdorf die Frage, ob nicht zumindest dieser Bus früher fahren könnte.

„In meinen Augen macht es nämlich keinen Sinn, einen Bus zum Bahnhof oder Stadthaus fahren zu lassen, ohne dass ein Anschluss erreicht wird. Vor allem sehe ich kein Problem darin, die R14 früher in Hamm starten zu lassen, weil die Linie eben nicht pendelt, sondern immer neu in Hamm eingesetzt wird“, sagt der 17-Jährige.

Sein Problem hat Joshua Tolksdorf bereits bei der VKU geschildert. Man gab Tolksdorf zwar Recht und verwies ihn zunächst auf das Online-Formular. Hier hat er bewusst um eine Rückmeldung seitens der VKU gebeten.

Keine Rückmeldung von der VKU

Auch die Frage nach einer Anpassung der Abfahrtzeiten ab Stockum habe er dort gestellt. Eine Antwort gab es bis heute nicht, wie Joshua Tolksdorf berichtet. Nach eigenen Angaben habe er sich gleich nach der Veröffentlichung der Fahrzeiten des Schienenersatzverkehrs der Eurobahn über die Verbindungen informiert. Das war Anfang Dezember.

Auch ein weiterer Anruf kurz vor Weihnachten blieb erfolglos. „Die Dame am Telefon war kurz angebunden und hat nur gesagt, dass ich mich weiter gedulden müsste“, erzählt Joshua Tolksdorf.

Die Buslinie R14 fährt stündlich von Hamm über Stockum zum Werner Stadthaus und Bahnhof.

Die Buslinie R14 fährt stündlich von Hamm über Stockum zum Werner Stadthaus und Bahnhof. © Andrea Wellerdiek

Auf Anfrage erklärt Inga Fransson aus dem Verkehrsmanagement der VKU: „Die Angelegenheit wird derzeit überprüft. Bei der Änderung/Anpassung von Fahrplänen sind viele Aspekte zu berücksichtigen. Nicht nur die Fahrzeugumläufe müssen dabei bedacht werden, auch die Auswirkungen auf andere Kunden/Verbindungen bei geänderten Zeiten sind ein wichtiger Punkt.“

Es gebe in dem konkreten Fall etwa Umlaufverknüpfungen mit anderen Linien in Hamm, die eine Rolle spielen. Geänderte Fahrtzeiten würden ebenfalls Absprachen mit den dort eingesetzten Subunternehmern erfordern, so Fransson weiter. „Es sind also viele Dinge zu klären. Wann dies abschließend erfolgt ist, können wir derzeit leider noch nicht einschätzen.“

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Joshua Tolksdorf ist mit seiner Geduld bald am Ende. Zu oft hat er schon Ärger auf seinem täglichen Weg zum Wirtschaftsgymnasium nach Dortmund gehabt. Für Zugverspätungen, Ausfälle oder defekte Toiletten war in der Vergangenheit aber Keolis, der Betreiber der Eurobahn, verantwortlich.

Nun bereitet dem Schüler bereits der Weg von Stockum bis zum Werner Bahnhof oder Stadthaus Sorgen. Wenn er um 8 Uhr Schulbeginn hat, heißt das, dass er um 5.57 Uhr den Bus R14 von Stockum aus nehmen müsste, um den Schienenersatzverkehr am Bahnhof oder am Stadthaus pünktlich zu erreichen.

Warten auf den Bus: Joshua Tolksdorf wird sich bald 40 Minuten früher auf seinen Schulweg aufmachen müssen.

Warten auf den Bus: Joshua Tolksdorf wird sich bald 40 Minuten früher auf seinen Schulweg aufmachen müssen. © Andrea Wellerdiek

„Das heißt, dass ich 40 Minuten früher los müsste. Das ist natürlich Zeit, die man anders nutzen würde - vor allem morgens“, sagt Tolksdorf. Auch die Fahrt mit dem Fahrrad aus Stockum bis zum Bahnhof würde fast genauso lange dauern, rechnet Tolksdorf vor.

„Wenn es nur um ein paar Wochen gehen würde, wäre das ja nicht schlimm. Aber der Schienenersatzverkehr gilt ja nun mal für acht Monate“, sagt Tolksdorf. Und dass der SEV aufgrund der Baustelle zwischen Davensberg und Lünen kommt, sei ja nunmal schon lange bekannt.

Zug in Lünen oft knapp verpasst

Alternativ habe er sich schon überlegt, von Stockum aus um 5.57 Uhr mit der S10 bis zum Bahnhof nach Lünen zu fahren, um den Schienenersatzverkehr komplett zu umgehen. Doch dort müsse man allerdings dann hoffen, die RB-Linie 51 der Deutschen Bahn zu bekommen. Der Zug fährt um 6.31 Uhr ab. Und das sei sehr knapp bei einer Ankunft des Busses S10 um 6.26 Uhr.

„Da habe ich in der Vergangenheit schon oft den Anschluss verpasst. Das hat in zehn Fällen vielleicht fünf Mal geklappt. Bis nach Lünen hin ist der Bus immer pünktlich unterwegs. Aber in der Innenstadt ist dann immer viel Verkehr, sodass sich der Bus oft verspätet“, erzählt Joshua Tolksdorf von seinen eigenen Erfahrungen. Dann müsste er auf den nächsten Zug um 6.44 Uhr am Bahnhof in Lünen warten.

Joshua Tolksdorf muss wohl die Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Zumindest bis zum Mai. Dann wird er 18 Jahre alt und darf ohne Begleitung Auto fahren. Dann wird er statt mit Bus und Bahn mit dem eigenen Pkw zur Schule nach Dortmund fahren. Etwas sorgenfrei blickt er dennoch auf diese Alternative: „Die A1 ist ja jetzt schon ziemlich voll. Das wird sich bestimmt nicht ändern, solange es den Schienersatzverkehr gibt.“

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