Die Kita am Familiennetz zieht im kommenden Jahr in einen Neubau um. Die Zustimmung für die neue Einrichtung wurde von regen Diskussionen um die Bürgschaft und Kommunikation der Stadt Werne begleitet. © Jörg Heckenkamp (A)
Kita in Werne

„Schlechte Infos“: Nach Kritik folgt Zustimmung für neue Kita in Werne

Die Kita am Familiennetz bekommt einen neuen Standort in Werne. Bis es die Zustimmung gab, wurde rege diskutiert um eine Bürgschaft der Stadt. Die SPD monierte die „schlechte Informationspolitik“.

Werne bekommt eine neue Kita. Bevor es im Jugendhilfeausschuss final die Zustimmung für den Neubau an der Stockumer Straße gab, entbrannte eine rege Diskussion um die Finanzierung und die nötige Bürgschaft der Stadt Werne. Die SPD sah sich zudem „überrumpelt“ von den Plänen und attestierte der Stadtverwaltung eine „schlechte Informationspolitik“.

Die Jugendhilfe Werne möchte als Träger der Kita am Familiennetz ein neues Gebäude beziehen, weil das derzeitige in den ehemaligen Verwaltungsräumen am Fürstenhof nicht mehr als ein Provisorium sei, wie Uwe Schenk, der ehemalige Geschäftsführer der Jugendhilfe, im jüngsten Jugendhilfeausschuss erklärte.

2014 hatte die Jugendhilfe hier eine Notgruppe eingerichtet. Allerdings sprechen unter anderem räumliche Gründe dafür, die Kita-Einrichtung aufzulösen. Dass eine neue Lösung her muss, damit waren alle Mitglieder des Ausschusses einverstanden. Auch die Idee, an dem Standort des ehemaligen Kindergartens St. Konrad an der Stockumer Straße eine neue Einrichtung für insgesamt vier Gruppen zu bauen, begrüßte das Plenum. Eine Zustimmung für die Pläne des Neubaus gab es dennoch nicht ohne rege Diskussionen.

Diskussionen um Bürgschaft der Stadt Werne

Für Zündstoff sorgte die notwendige Bürgschaft der Stadt Werne für das Neubauprojekt. Weil die neue Kita mit einem Investorenmodell entstehen soll, verlangt der Investor, die Bücker Grundbesitz GmbH, im Gegenzug einen Garantievertrag, mit dem sie sich für den Fall, dass die Stadt die Mietzahlungen nicht aufbringen kann, absichern kann. Jährlich wird die Stadt Mietkostenzuschüsse von 22.000 Euro aufbringen müssen. Damit wird der Investor den Neubau refinanzieren.

Bisher habe die Jugendhilfe die Kita selbst getragen – ohne einen Mietzuschuss, erklärt Uwe Schenk. Fördermittel des Landes bekäme man jedoch nur für neu gebaute Kitas, nicht für bereits bestehende Einrichtungen. Weil die derzeitige Kita am Fürstenhof nicht den Standards entspricht, käme man generell nicht über das Investorenmodell vorbei, so Schenk weiter.

Angelika Roemer (SPD) wollte daraufhin wissen, ob der Investor bei dem Blick auf die angespannte Situation in der Baubranche auch den vorgegebenen Preis einhalten könne, oder ob „die Mietzahlungen in die Höhe katapultieren werden?“. Der Mietpreis werde vom Land NRW je nach Größe der Einrichtung und Gruppengröße vorgegeben, sodass Mieterhöhungen eigentlich kein Thema seien, erkläre Uwe Schenk.

Die Stadtverwaltung verwies noch einmal darauf, dass die Gewährung der Bürgschaft im Haupt- und Finanzausschuss beschlossen wird. Dass man diese Entscheidung nicht im Jugendhilfeausschuss treffen könnte, missfiel der SPD-Fraktion.

„Wenn wir heute den Neubau beschließen, möchte ich wissen, welche Konsequenzen das für die Stadt hat. Was ist in der Bürgschaft inkludiert und für wie lange ist sie vorgesehen?“, wollte Cornelia Oßwald-Blaschke wissen. Auf die letzte Frage konnte Jugenddezernent Dirk Mahltig nur die vage Aussage von „20 oder 30 Jahre“ treffen. Das verstärkte nur noch die Kritik von Oßwald-Blaschke, die sich wie ihre Fraktion vor vollendete Tatsachen gestellt fühlte. „Die Informationspolitik ist schlecht. Man hat uns damit überfallen. Wir hatten keine Chance, uns gemeinsam zu besprechen.“

Dennoch werde man den Antrag nicht blockieren. Damit folgte die SPD wie alle anderen Fraktionen der abschließenden Bitte des Ausschussvorsitzenden Benedikt Striepens (Grüne): „Wenn wir die Entscheidung auf die nächste Sitzung im März verschieben, muss jedem klar sein, dass die Arbeit ein halbes Jahr ruht und sich der Bau verschiebt. Wir müssen dem Investor die Bürgschaft geben, der eine Garantie haben will, eine Einrichtung für die Stadt zu bauen, die auch genutzt wird.“

Bei der vorgesehenen Bauzeit von etwa einem Jahr rechnet Jugenddezernent Dirk Mahltig mit der Zustimmung des Ausschusses nun mit einer Fertigstellung im August 2023. Zum neuen Kindergartenjahr sollen in der neuen Einrichtung dann die drei Gruppen der Kita am Familiennetz und eine Gruppe der Kita Auf dem Berg starten.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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