Entsteht hier bald eine Lücke? Denkmalamt schließt Abriss vom Schlunz-Haus nicht mehr aus

rnEinstiges Schlunz-Haus

Markante Immobilie in exponierter Lage in der Werner Innenstadt: Das Schlunz-Haus soll abgerissen werden. Doch der LWL stellt sich quer. Die Verantwortlichen in Werne sehen das anders.

Werne

, 13.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ulf Klaverkamp übt sich weiter in Geduld. Schon seit etwa einem Jahr sind er und Thomas Hölscher als Eigentümer in Verhandlungen mit dem Denkmalamt. Die Inhaber möchten die markante Immobilie an der Steinstraße 1 in Werne eigentlich abreißen und dort neu bauen. Denn eine Sanierung des alten Gebäudes würde deutlich teurer sein.

Doch ein Abriss ist nicht ohne Weiteres möglich. Denn das Haus, in der die Familie Schlunz seit 1876 eine Metzgerei geführt hat, steht seit 2016 unter Denkmalschutz. Das Gebäude, das erstmals 1528 erwähnt wurde, ist in die Jahre gekommen.

Entsteht hier bald eine Lücke? Denkmalamt schließt Abriss vom Schlunz-Haus nicht mehr aus

Die Stützbalken sind marode. Die unter der Decke freigelegten Balken verrieten, wie alt das Gebäude ungefähr sein muss. Daraufhin wurde es 2016 unter Denkmalschutz gestellt. © Andrea Wellerdiek (A)

Wenig Licht und niedrige Decken

Die Stützbalken bröckeln. Ein Statiker habe bei einer Begehung gesagt, dass das Holz marode sei, erzählt Ulf Klaverkamp. Die Immobilie mit einer Nutzfläche von rund 450 Quadratmetern ist unbewohnbar. Klaverkamp glaubt auch, dass er jeden Stützbalken erneuern müsste. Außerdem seien kleine Fenster und niedrige Deckenhöhen (2,10 Meter hoch) weitere Probleme.

Einige Lösungen haben auch die Verantwortlichen der Denkmalschutzpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) diskutiert. „Wir haben überlegt, wie man das Gebäude für die Eigentümer nutzbar machen kann. Auch ein Austausch oder eine Reparatur der Stützbalken sind möglich“, sagt Pressesprecher Markus Fischer.

„Wir sind Denkmalfpfleger und keine Denkmalzerstörer“

Doch die Stützbalken sind aus Sicht von Ulf Klaverkamp nicht erhaltenswert. Er und sein Mitstreiter Thomas Hölscher können sich außerdem eher eine große Glasfassade vorstellen. Doch den beiden sind die Hände gebunden. Denn einen Abriss wollen die Verantwortlichen des Denkmalamtes verhindern. „Wir sind Denkmalpfleger und keine Denkmalzerstörer. Ein Abriss wäre für uns die Ultima Ratio“, sagt Markus Fischer.

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Blick in das ehemalige Schlunz-Haus

Das ehemalige Schlunz-Haus ist eine große Baustelle. Kurz nach dem Kauf durch zwei Investoren wurde das Gebäude an der Steinstraße 1 als denkmalgeschützt eingestuft. Das liegt an den alten Balken. Weil diese aber marode und nicht erhaltenswert sind, wie die Investoren glauben, wollen sie das Gebäude lieber abreißen. Die Denkmalschutzbehörde durchkreuzt diese Pläne.
15.06.2018
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Die erste Etage des Gebäudes gleicht einer Baustelle. © Andrea Wellerdiek
Durch die Decke kann man durchschauen.© Andrea Wellerdiek
Einige alte Fenster wurden zwischenzeitlich zugemauert.© Andrea Wellerdiek
In der einstigen Wohnung der Familie Schlunz sind einige Lichtquellen eingebaut. Das schlauchartige, 17 Meter lange Gebäude verfügt nur über kleine Fenster.© Andrea Wellerdiek
Einige Lampen erinnern noch an die Wohnung.© Andrea Wellerdiek
Mit einem Zollstock kann Ulf Klaverkamp locker durch den porösen Balken bohren.© Andrea Wellerdiek
Das Gebäude wurde wohl 1528 errichtet. Ob auch die Balken so alt sind, ist ungewiss. An einigen Stellen ist zu sehen, dass sie später als Stütze eingebaut wurden.© Andrea Wellerdiek
Ein Gutachter hat anhand der Balken festgestellt, dass das Gebäude von 1528 ist.© Andrea Wellerdiek
Die Balken seien "statisch nicht intakt", wie Inhaber Ulf Klaverkamp sagt.© Andrea Wellerdiek
Die sogenannten Zechensteine sind wohl in den 60er-Jahren verbaut worden.© Andrea Wellerdiek
Immer wieder gab es Veränderungen an dem Gebäude. Auch deshalb sei es schutzwürdig, so die Denkmalschutzbehörde.© Andrea Wellerdiek
Einige Balken sind sehr löchrig.© Andrea Wellerdiek
Nachdem die Decke abgenommen wurde, zeigten sich die alten und maroden Balken.© Andrea Wellerdiek
Das einstige Badezimmer der Familie Schlunz verkommt.© Andrea Wellerdiek
Um die Deckenhöhe auszugleichen, sind neben den bestehenden Balken immer wieder kleine Holzstücke zu sehen. Dieser Balken ist ziemlich sicher erst nachträglich eingebaut worden.© Andrea Wellerdiek
Der Dachboden des Hauses wurde in den 50er-Jahren ausgebaut. Zuletzt wurde die Fläche als Speicher, Gäste- und Kinderzimmer genutzt.© Andrea Wellerdiek
Auch auf dem Dachboden sind die Stützbalken marode.© Andrea Wellerdiek
Löchriger Boden: Blick vom Dachboden in Richtung erste Etage. Auf dem Dachboden gibt es keine Isolierung.© Andrea Wellerdiek
Es ist viel Platz in dem dreigeschossigen Gebäude.© Andrea Wellerdiek
Der Giebel wurde mit Beton gegossen, damit er überhaupt stehen bleibt.© Andrea Wellerdiek
Im Dachstuhl stützt jedes noch so kleine Holz das Gebäude mit.© Andrea Wellerdiek
Hoch im Giebel: Eine verlassene Bank steht unter dem Dach des Gebäudes.© Andrea Wellerdiek

Gemeinsame Lösung finden

Die Verantwortlichen des LWL entscheiden gemeinsam mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Werne über die Zukunft des Gebäudes. „Ich habe das Ziel im Sinne der Stadt Werne eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind“, sagt Petra Göbel von der Denkmalpflege der Stadt Werne.

Man müsse aber gemeinsam mit dem LWL zunächst die Frage klären, wie viel Denkmal wirklich in dem Gebäude steckt. „Danach muss man abwägen, was mit dem Gebäude passiert. Wenn der Denkmalschutz nicht überwiegt, ist ein Abriss nicht ausgeschlossen“, so Göbel weiter.

Status „Historischer Stadtkern“ könnte verloren gehen

Sie erklärt auch, dass es nicht einfach sei, ein denkmalgeschütztes Gebäude zum Abriss frei zu geben. Werne ist Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in NRW“. Wenn Werner Denkmäler abgerissen werden, könne man diesen Status verlieren, erklärt Göbel weiter.

Generell möchte sie im Sinne der Denkmalpflege und der Eigentümer eine Lösung finden. Deshalb steht sie im engen Kontakt mit beiden Seiten.

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Einige Dinge zu berücksichtigen

Sie erklärt auch, dass es nicht einfach sei, ein denkmalgeschütztes Gebäude zum Abriss frei zu geben. Werne ist bei der „Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in NRW“ gelistet. Wenn ein Gebäude wie das Schlunz-Haus wegfällt, könnte man diesen Status verlieren, erklärt Göbel weiter.

Generell möchte sie im Sinne der Denkmalpflege und der Eigentümer eine Lösung finden. Deshalb steht sie im engen Kontakt mit beiden Seiten.

Schlunz-Haus steht seit Mai 2018 leer

Das ehemalige Schlunz-Haus steht seit Mai 2018 leer. Zuletzt war im Erdgeschoss der Feinkost-Handel Mediterráneo zu finden. Das macht auch andere Interessenten hellhörig. Vor gut zwei Wochen habe es eine Anfrage eines Gastronomen gegeben. „Er wollte ein italienisches Restaurant dort eröffnen. Aber wir mussten ihm leider absagen“, erklärt Ulf Klaverkamp.

Entsteht hier bald eine Lücke? Denkmalamt schließt Abriss vom Schlunz-Haus nicht mehr aus

Blick in das ehemalige Bad der Familie Schlunz. Die Familie hat über mehrere Generationen in dem Gebäude gelebt und den Laden im Erdgeschoss betrieben. © Andrea Wellerdiek (A)

Inhaber planen Hotel oder Gastronomie

Mittlerweile sind die Leitungen abgeklemmt. Denn: Das einstige Schlunz-Haus ist über die Heizungsanlage mit dem dahinter liegenden Dreifamilienhaus an der Klosterstraße 10 verbunden. Zwei der drei Wohnungen sind mittlerweile renoviert. Auch Stellplätze in der Tiefgarage wurden installiert.

Mit dem Gebäude haben die Eigentümer Größeres vor. Hier soll eine Gastronomie oder ein Hotel entstehen. Dafür möchten sie das Gebäude abreißen und ein neues errichten. Denn die Sanierung der Immobilie wäre laut Klaverkamp mindestens doppelt so teuer wie ein Abriss und ein Neubau.

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