Hat gut lachen: Siegfried Scholz (r.), Ortsvereinsvorsitzender der SPD in Werne, freute sich über die guten Ergebnisse der Sozialdemokraten im Bund und das historische Ergebnis in Werne. © Andrea Wellerdiek
Bundestagswahl 2021

Scholz hat gut lachen – nicht nur in Berlin, sondern auch in Werne

Jubel in Werne: Scholz ballt die Faust, als die ersten Ergebnisse der Bundestagswahl durchsickern. Mit Namensvetter Olaf freut sich Siegfried Scholz von der SPD über die Rückkehr der Sozialdemokraten - in Berlin und Werne.

Ein kurzer Jubel und ein Lächeln geht in Richtung Parteikollegen. Als die ersten Ergebnisse der Bundestagswahl am Sonntagabend (26. September) veröffentlicht werden, ballt nicht nur ein Scholz die Sieger-Faust. Während sich Namensvetter Olaf von seinen Parteigenossen in Berlin feiern lässt und am Ende diese Wahl mit 25,7 Prozent gewinnt, genießt Siegfried Scholz den Erfolg der SPD im Stillen.

Der Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Werne verfolgt die ersten Prognosen am Abend in der Cafeteria des Stadthauses in Werne in kleiner Gesellschaft. In sehr kleiner Gesellschaft. Während neben der CDU (24,1 Prozent) die FDP (11,5) und die AfD (10,3) zweistellige Werte im Bund erreichen, schafft das die Zuschauerzahl bei der „Wahlparty“ in Werne zu keinem Zeitpunkt. Gut, eine Wahlparty hat hier niemand erwartet. Aus dem Wahlkreis Unna II und Hamm haben sich die Kandidaten in Hamm eingefunden.

Auch wenn die Veranstaltung in Werne eher an eine verpatzte Geburtstagsparty erinnerte, trübte das nicht die Stimmung bei Scholz. Zum ersten Mal seit 2005 hat die SPD wieder bei einer Bundestagswahl die meisten Stimmen in Werne verbuchen können. Erst im dritten Anlauf nach 2013 und 2017 setzte sich Michael Thews (SPD) mit 35,2 Prozent gegen die CDU in Werne durch und holte auch in diesem Jahr in seinem Wahlkreis das Direktmandat.

Erleichterung bei der SPD in Werne, kleiner Trost für CDU

Sehr zur Freude von Siegfried Scholz, der Thews zu einem erfolgreichen Wahlkampf beglückwünschte. „Die Erleichterung ist da. Die SPD ist nicht weg. Sie ist wieder da. Im Bund war die SPD fast abgeschrieben. Wir sind nicht untergegangen. Ganz im Gegenteil. Das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler ist zurückgewonnen“, erklärte Scholz auch mit Blick auf die Ergebnisse bundesweit.

Der aussichtsreichste Gegenkandidat im Wahlkreis Unna II – Hamm, Arnd Hilwig von der CDU, kam in Werne auf 31,5 Prozent. „Er hat einen guten Wahlkampf gemacht und wir hatten ein gutes Gefühl. Das Ergebnis ist allerdings enttäuschend. Es wurde aber durch andere Faktoren bestimmt. Die Bundesthemen haben überlagert. Ich gratuliere Herrn Thews zur Wiederwahl“, erklärte Wilhelm Jasperneite, Fraktionsvorsitzender der CDU in Werne. Er verfolgte das Wahl-Geschehen gemeinsam mit Parteimitgliedern in der Geschäftsstelle der CDU.

Ein kleiner Trost sei die Tatsache, dass Hubert Hüppe im Wahlkreis Unna I über die Landesliste in den Bundestag einzieht und somit die CDU für den Kreis Unna in Berlin vertreten kann. Mit Blick auf die Ergebnisse auf Bundesebene erwartet Jasperneite eine spannende Koalitionsbildung. Dabei sieht er drei mögliche Konstellationen. „Auch wenn es für eine Große Koalition nicht aussichtsreich aussieht, ist es nicht auszuschließen. Vor vier Jahren war das auch erst nicht gewollt“, so Jasperneite. Wahrscheinlicher sei aktuell jedoch eine Jamaika- oder Ampel-Koalition. „FDP und Grüne müssen jetzt ihre Schnittmengen reduzieren und dann kommt eine große Partei hinzu“, sagte Jasperneite.

Ansporn für die Grünen in Werne

Dass die Grünen eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung spielen könnten, stimmte auch Benedikt Striepens positiv. „Die Grünen im Bund sollten am Ende die Variante wählen, bei der wirklich Klimaschutz im Zentrum steht. Ich glaube, dass in Werne Klimaschutz ein großes Thema ist – sei es von der Bürgerinitiative, sei es von der Klimabewegung, die in Werne sehr stark ist.“

Benedikt Striepens (l.), Fraktionsvorsitzender der Grünen, verfolgte mit Bürgermeister Lothar Christ als einer der wenigen Politiker in der Cafeteria im Stadthaus Werne das Wahl-Geschehen.
Benedikt Striepens (l.), Fraktionsvorsitzender der Grünen, verfolgte mit Bürgermeister Lothar Christ als einer der wenigen Politiker in der Cafeteria im Stadthaus Werne das Wahl-Geschehen. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Werne gehörte zu den wenigen Gästen der Wahl-Veranstaltung im Stadthaus. Auch wenn man in Werne unter den Ergebnissen im Bund lag, zeigte sich Striepens mit den 12,30 Prozent für Kandidat Martin Kesztyüs und den 13,97 Prozent bei den Zweitstimmen zufrieden. „Denn wir sind besser in Werne im Vergleich zu den Städten im Umfeld. Das spornt uns an, weiter zu machen.“

Mit Spannung blickt auch die FDP in Werne auf die Koalitionsgespräche in Berlin. „Ich freue mich, dass die Mitte im Bundestag gestärkt wurde, sodass eine konstruktive Politik gemacht werden kann. Es wird jetzt eine große Herausforderung sein, eine Koalition zu bilden und die Kernpunkte seines Wahlprogramms und die Schwerpunkte der eigenen Politik durchzusetzen“, ordnete Claudia Lange, Fraktionsvorsitzende der FDP in Werne, ein.

Eine Große Koalition halte sie selbst nicht für zielführend. Mit dem Ergebnis im Bund (11,5 Prozent) zeigte sie sich genauso zufrieden wie mit dem Werner Ergebnis (7,51 Prozent für den Kandidaten Lucas Slunjski und 10,60 Prozent bei den Zweitstimmen).

Mit gewissem Abstand konnte Bürgermeister Lothar Christ das Geschehen an diesem Wahl-Sonntag verfolgen. Fieberte er bei der vergangenen Kommunal- und Bürgermeisterwahl 2020 noch den Ergebnissen mit Anspannung entgegen, konnte sich der parteilose Politiker dieses Mal zurücklehnen.

Und wem drückte er an diesem Tag die Daumen? Darauf hatte er eine klare Antwort: „Herrn Henning und seinem Team. Er sorgt als Wahl-Organisator dafür, dass alles reibungslos funktioniert“, so Christ. Um 21.05 Uhr konnten alle Verantwortlichen dann aufatmen, als der letzte von insgesamt 22 Wahlbezirken (davon 10 Briefwahl) die Ergebnisse meldete.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek