Schüler (16) startet Onlinepetition gegen die Eurobahn

rnBahnärger mit RB50

Joshua Tolksdorf (16) aus Stockum ist durch seine Schulsituation auf die Zugverbindung des RB50 der Eurobahn angewiesen. Die Zugausfälle und Verspätungen möchte er nun nicht mehr hinnehmen.

von Julian Reimann

Werne

, 23.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im August dieses Jahres wechselte Joshua Tolksdorf (16) auf das Wirtschaftsgymnasium in Dortmund und ist seither auf die Linie RB50 der Eurobahn angewiesen. Seit seinem ersten Schultag an der neuen Schule sieht er sich jedoch mit massiven Problemen konfrontiert, die ein Pendeln zwischen Dortmund und Werne erschweren.

Beinahe täglich würden Bahnen deutlich zu spät kommen oder Züge mit lediglich einem Waggon im Bahnhof eintreffen. Auch Zugausfälle oder Verspätungen von bis zu zwei Stunden seien nicht unüblich. Dabei kritisiert Tolksdorf nicht nur die Probleme mit der Zugverbindung, sondern vor allem auch die seiner Meinung nach mangelhafte Informationspolitik des Unternehmens Keolis, den Betreiber der Eurobahn.

Erschwerter Schulweg

Die Auswirkungen auf seinen Schulalltag sind an vielen Tagen enorm. „Wenn ich um 7.45 Uhr Unterrichtsbeginn habe, muss ich um 4.45 Uhr aufstehen“, berichtet Tolksdorf im Gespräch mit der Redaktion. „An manchen Tagen komme ich trotzdem zu spät.“ Dass seine Lehrer das auf Dauer nicht mitmachen, ist ihm auch bewusst.

Um die Fehlzeiten möglichst klein zu halten, müssen ihn oft seine Eltern fahren. „Mein Vater arbeitet zwar in Dortmund, kommt aber immer zu spät, wenn er mich fahren muss“, erzählt Tolksdorf. Der Zeitaufwand sowie die zusätzlichen Benzinkosten nerven dann Mutter und Vater am meisten. Schließlich zahle er bereits 130 Euro im Monat für eine Bahnkarte, deren Leistungen er nicht erfüllt sieht.

Onlinepetition als Druckmittel

Die Zustände der Linie RB50 will Tolksdorf nun nicht mehr hinnehmen. Deswegen richtete er am Dienstag, 20. November, unter anderem an Keolis einen dreiseitigen Brief, in dem er fordert, dass die Missstände der Eurobahn sich bessern. Am selben Tag rief er eine Onlinepetition unter dem Namen „Die Eurobahn muss zuverlässiger werden!“ ins Leben. Innerhalb der ersten drei Tage seit der Veröffentlichung sind über 600 Unterschriften zusammengekommen - 1000 sind bisher das Ziel.

„Mit einer solchen Resonanz habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet“, gibt Tolksdorf zu. Für ihn sei sie jedoch „mehr als zufriedenstellend“. Nun hofft er vor allem auf eine Reaktion seitens des Unternehmens Keolis sowie des NWL. Dem Nahverkehrs-Verband hatte er den selben Brief geschrieben und um Stellungnahme gebeten.

Infrastrukturbedingte Probleme

Nicole Pizzuti, Unternehmenssprecherin der Keolis GmbH & Co. KG, begrüßt das Schreiben. „Wir freuen uns, wenn sich junge Leute um wirtschaftliche Themen und um Mitgestaltung bemühen“, erklärt sie auf Anfrage der Redaktion. „Wir sind mit unserer Performance selbst nicht zufrieden.“ Zudem räumt sie ein, dass die Onlinepetition durchaus ernst genommen wird, da sich das Unternehmen um die Kundenzufriedenheit bemühe.

Ein absehbares Ende der von Tolksdorf angesprochenen Missstände wird es vermutlich nicht geben, so Pizzuti weiter. 46 der insgesamt 91 Fahrzeuge müssen sich einer Sicherheitsprüfung unterziehen. Hinzu kämen mehrere Unfälle sowie Sachbeschädigungen aus der Vergangenheit, die allesamt dazu führten, dass nicht alle Waggons eingesetzt werden könnten. Bauarbeiten, unter anderem durch die Deutsche Bahn AG, würden zusätzlich für Verspätungen sorgen.

Kontaktaufnahme ist eingeplant

„Wir möchten gerne mit Herrn Tolksdorf ins Gespräch kommen“, kündigte Pizzuti an. Vorgesehen sei auch eine Einladung in die Werkstatt in Hamm, um die Probleme auf der Linie RB50 zu besprechen und um einen „Blick hinter die Kulissen“ anzubieten. Tolksdorf selbst bezeichnet das Vorhaben auf Anfrage der Redaktion als einen positiven Schritt des Unternehmens und möchte das Angebot auch sehr gerne wahrnehmen. „Das alles ändert aber nichts an dem Problem“, sagt er.

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