Schulen geöffnet und geschlossen: Liane Jäger (64) aus dem Schulamt geht in Ruhestand

rnSchulen in Werne

Es gibt da etwas, das kann Liane Jäger nicht mehr abhaken: „Meinen Schreibtisch werde ich nicht mehr leer bekommen“, so die Leiterin des Schulamtes. Sie geht in Rente. Nach 27 Dienstjahren bei der Stadt Werne.

Werne

, 26.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es werden sicherlich Tränen fließen, wenn sie sich am Dienstag, 30. Juni, verabschiedet, glaubt Liane Jäger (64). „Wir alle im Team sind sehr emotional. Und das ist auch nicht schlimm. Das zeigt, welch eine vertrauensvolle Beziehung wir haben“, sagt die Leiterin des Schulamtes der Stadt Werne.

Vor allem die Arbeit im Team des Schulamtes und der Kontakt mit den Menschen haben ihre Arbeit ausgemacht, wie sie mit strahlenden Augen erzählt. Bevor es zum Abschied kommt, möchte sie aber soweit es geht ihren Schreibtisch geräumt und damit auch ihre Aufgaben zu Ende gebracht haben.

Liane Jäger hat noch zwei Projekt abschließen wollen

Zwei wichtige Projekte, die sie seit zwei Jahren verantwortet hat, konnte sie gerade noch beenden: der Medienentwicklungsplan und die Breitbandanbindung für die Werner Schulen. Hinter dieses wichtige Kapital auf dem Weg zu digitalem Lernen kann Jäger einen Haken machen, sind doch nun die Fördermittel des Bundes und des Landes abgesegnet.

„Das macht mich persönlich sehr glücklich, dass ich das noch abschließen konnte. Deshalb und auch wegen der Situation in der Corona-Krise habe ich noch ein paar Monate dran gehängt“, erklärt Jäger, die bereits seit 1992 bei der Stadtverwaltung Werne tätig ist.

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Eigentlich wollte sie schon Anfang Mai Schluss machen. Nun wird sie ihre freie Zeit, die sie vor allem dazu nutzen will, „Familie wieder mehr leben zu dürfen“ und zu reisen, ab dem 1. Juli genießen können. Und Liane Jäger, vielen Wernern auch bekannt als eine der „Kaktusblüten“, möchte weiter Theater spielen.

Nachfolge-Regelung noch nicht gefunden

Liane Jäger, die 2016 ein halbes Jahr lang kommissarisch das Dezernat Jugend und Schule geleitet hat, geht mit gemischten Gefühlen. Die letzten Wochen seien aufgrund der Corona-Krise sehr arbeitsintensiv gewesen. „Manchmal war schon Erschöpfung da. Da ist man dann schon etwas erleichtert, wenn der Abschied naht. Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich meinen Kollegen noch mehr Arbeit aufbürde.“

Denn ihre Stelle, die Leitung des Schulamtes, wird wohl erst ab September besetzt, erklärt Alexander Ruhe, Jugenddezernent der Stadt Werne. „Es geht uns nicht nur eine hohe Fachkompetenz verloren. Du bist so hoch engagiert, sodass ich dich eigentlich immer Tag und Nacht anrufen konnte. Das war immer sehr angenehmen. Du steckst immer viel Herzblut hinein“, lobt Alexander Ruhe in Richtung seiner Mitarbeiterin.

Ein Meilenstein in der Schullandschaft in Werne: Dezernentin Elke Kappen (l., einstige Dezernentin), Bürgermeister Lothar Christ und Liane Jäger freuen sich über die Eröffnung der Marga-Spiegel-Schule im April 2013.

Ein Meilenstein in der Schullandschaft in Werne: Dezernentin Elke Kappen (l., einstige Dezernentin), Bürgermeister Lothar Christ und Liane Jäger freuen sich über die Eröffnung der Marga-Spiegel-Schule im April 2013. © Jörg Heckenkamp (A)

Neubau und Schließungen von Werner Schulen

Seit ihrem Wechsel Anfang 2009 in das Schulamt der Stadt Werne hat Liane Jäger eine prägende Zeit in der Schullandschaft miterlebt und mitgestaltet. „Es war insgesamt eine bewegende Zeit, in der zwei neue Schulen gebaut wurden. Ein herausragendes Ereignis war natürlich die Gründung der Sekundarschule“, erzählt Jäger.

Neben dem Neubau der Marga-Spiegel-Schule am neuen Schulzentrum habe sie auch das neue Schulkonzept begleitet. Und jüngst hat sie den Neubau der Wiehagenschule erfolgreich zu den Akten gelegt. Es gab aber auch traurige Momente.

„Es gab auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Nämlich genau dann, wenn man sich von Schulen trennen muss“, sagt Jäger, die selbst mal im Sekretariat der Wiehagenschule gearbeitet hat. So seien die Schließungen der Weihbachgrundschule und der Wienbredeschule einschneidende Erlebnisse gewesen.

„Das waren sehr schmerzhafte Erfahrungen. Man nimmt den Menschen etwas. Die Schulen haben eine Historie, sie sind mit den Lehrern und Schülern gewachsen.“ Sehr emotional sei auch die Schließung der Barbaraschule gewesen. Die Förderschule hatte irgendwann zu wenig Anmeldungen.

Im Rückblick steht aber vor allem 2020 für Liane Jäger unter einem besonderen Stern. „Klar, mit der Corona-Krise ist dieses ein verrücktes Jahr. Ganz besondere Situationen bedürfen besondere Maßnahmen. Jeder gibt sein bestes“, erklärt Liane Jäger, die mit ihrem Team gerade noch kurzfristig versucht, ein Ferienprogramm für Schüler auf die Beine zu stellen. Den Schreibtisch bekommt Liane Jäger nicht mehr leer.

Theater ist ihr Hobby: Liane Jäger als Putzfrau der „Kaktusblüten“ bei der Neujahrs-Matinee 2012.

Theater ist ihr Hobby: Liane Jäger als Putzfrau der „Kaktusblüten“ bei der Neujahrs-Matinee 2012. © Jörg Heckenkamp (A)

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