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Könnten Sie ohne die EU überhaupt noch überleben, Herr Schulze Twenhöven?

rnGeld aus Brüssel

Martin Schulze Twenhöven aus Werne sieht die Vor- und Nachteile der Europäischen Union. Der 60-jährige Schweinebauer sagt: „Wenn ich jünger wäre, würde ich heute nach Rumänien gehen.“

Werne

, 22.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Ohne Mittel der EU könnten die meisten Landwirte in Deutschland nicht überleben, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Ist das wirklich so? „Wir könnten überleben, aber nur schwer“, sagt Martin Schulze Twenhöven aus Werne.

Er ist Schweinebauer, der Anbau seiner Erdbeeren ist ein Nebengeschäft und bringt jährlich nur von etwa Ende Mai bis Ende Juni Geld in die Kasse. „Wir haben unsere Stammkunden, die vor Ort kaufen“, sagt der Landwirt, der die roten Beeren auch zum Selbstpflücken anbietet.

Der Handel drückt die Preise

Die Schweine aber sind sein Hauptgeschäft. Er hält sich bedeckt bei der Anzahl der Tiere – Landwirte sind vorsichtiger geworden im Umgang mit der Öffentlichkeit, wollen nicht mehr der Sündenbock sein für all diejenigen, die beim Thema Klima und Tierhaltung mit dem Finger auf sie zeigen. Es ist ein hartes Geschäft. „Rundherum machen die Höfe doch dicht“, sagt der Werner Landwirt.

Verbraucher, Discounter und Schlachthof würden die Preise bestimmen. „Der Handel drückt auf den Schlachthof, der Schlachthof drückt auf den Bauern.“ Wenn er bei den Preisen insgesamt nicht noch mehr produzieren würde, „würden wir es nicht schaffen“, sagt der 60-Jährige.

Flächenprämie für Landwirte

Abhilfe schafft beim Thema Finanzen die EU. Jeder Bauer, der eine landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet, bekommt die sogenannte Flächenprämie. Online sind diese Gelder für jeden einsehbar. Schulze Twenhöven bezahle mithilfe der Prämie seine Pacht, sagt er.

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Betrachte man den landwirtschaftlichen Betrieb als großes Ganzes, stemme er mit diesen Geldern aber nur einen kleinen Teil der Kosten, die er insgesamt tragen müsse. Außerdem, glaubt Schulze Twenhöven: „Wenn die Mittel der EU nicht wären, wären die Pachtpreise auch nicht so hoch.“ Die Grundstückseigentümer wüssten um die finanzielle Hilfe, würden dementsprechend auch mehr fordern, sagt er.

Bürokratischer Aufwand gestiegen

Trotz dessen und auch trotz des in den vergangenen Jahren gestiegenen bürokratischen Aufwandes schätze er diesen Ausgleich, könne auch nachvollziehen, dass Landwirte in anderen EU-Ländern höhere Agrarsubventionen bekämen.

„Ich habe gerade eine Infofahrt nach Rumänien gemacht, da sieht die Sache noch mal anders aus“, sagt Schulze Twenhöven und verweist auf die Subventionen, die Landwirte in Rumänien unter anderem für die Anschaffung von Maschinen bekämen.

Angst vor der Schweinepest

„Wenn ich jung wäre, würde ich vielleicht nach Rumänien gehen“, sagt Schulze Twenhöven und lacht. Manche tun es. Zum Beispiel die ACS Landwirtschafts AG, eine in Deutschland ansässige Agrargesellschaft mit Standort in Rumänien. Das Unternehmen bewirtschaftet Ackerflächen im Nordosten des Landes und nutzt nach eigenen Angaben die Entwicklungsmöglichkeiten in den landwirtschaftlichen Wachstumsregionen der EU.

Tauschen möchte Schulze Twenhöven im Moment aber trotzdem nicht. In der Republik im Grenzraum zwischen Mittel- und Südosteuropa grassiert die Afrikanische Schweinepest. Fälle gab es in ganz Osteuropa und auch in Belgien. „Wir liegen mittendrin. Wenn die Schweinepest bei uns auftaucht, ist das reines Viehkapitel, das in dem Moment vernichtet wird“, sagt der Werner Landwirt, der nur hofft, verschont zu bleiben.

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