Tierärzte töten 17 verletzte Schweine an der A1 in Werne mit der Elektrozange

rnTiertransporter-Unfall

Nach dem Tiertransport-Unfall musste der Tierarzt 17 Schweine töten. Sie waren zu schwer verletzt, sagt Kreisveterinär-Direktor Dr. Tobias Kirschner. Er kann auch ein Vorurteil ausräumen.

Werne

, 28.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Unfall ereignete sich am Freitagmorgen, 28. Juni, beim Abbiegen des Viehtransporters mit Warendorfer Kennzeichen auf die A1-Auffahrt an der Nordlippestraße in Werne. Der Anhänger mit 85 Schweinen an Bord kippte um. Dabei verletzten sich etliche Tiere.

Weitere Tiere zogen sich Verletzungen zu, als sie durch das geborstene Dach des auf der Seite liegenden Hängers ins Freie drängten. Sie verletzten sich etwa an den scharfen Kanten. „Ich habe mir alle Tiere daraufhin genau angeschaut, ob sie noch transportfähig sind“, sagt Dr. Kirschner auf Anfrage.

Tierärzte töten 17 verletzte Schweine an der A1 in Werne mit der Elektrozange

Einige Tiere waren direkt tot oder schwer verletzt. © Jörg Heckenkamp

Bei 17 Tieren sei das nicht der Fall gewesen. Die hätten er und ein weiterer Veterinär töten müssen. Kirschner räumte mit einem Vorurteil auf. Nämlich, dass die Stressbelastung der Tiere so hoch sei, dass sie alle notgeschlachtet werden müssten.

„Die Tiere stehen unter Adrenalin, nicht anders als bei uns Menschen in einer solchen Situation.“ Wenn man ihnen genug Zeit gäbe, würde der Adrenalinspiegel wieder sinken. Dann könne man die Tiere wieder wie ursprünglich vorgesehen schlachten und verzehren.

Die 17 getöteten Schweine kommen in die Tierkörper-Beseitigung

Die 17 notgeschlachteten Tiere allerdings sind nicht mehr für den Verzehr geeignet und kommen in die Tierkörperbeseitigungs-Anstalt. Ein entsprechendes Fahrzeug hatten die Hilfskräfte am Unfallort direkt angefordert. Es ist mit einem Kran ausgerüstet, um die rund 120 Kilogramm schweren Kadaver in einen verschließbaren Edelstahlbehälter zu heben.

Die Tötung der 17 Schweine nahmen die beiden Veterinäre mittels elektrischer Energie vor. „Erst werden sie mit Strom betäubt“, schildert Dr. Kirschner, „dann führen wir mit einer Elektrozange, die wir um den Hals legen, einen Herzstillstand herbei.“ Das sei die schonendste Methode, um den Tieren vor Ort langes Leiden zu ersparen.

Zwei Veterinäre waren vor Ort an der A1-Auffahrt

Deshalb seien auch zwei Veterinäre vor Ort gewesen, „denn bei der Menge an Tieren, die zu begutachten sind, kann eine zweite Person nicht schaden, um schnell und effektiv zu arbeiten“, sagt der Amtstierarzt.

Die Tiere, die der Notschlachtung entgangen sind – das ist die Ironie des Schicksals – sind trotzdem nicht gerettet. Denn der Viehtransporter war auf dem Weg zum Schlachthof. Dort werden die überlebenden Tiere in nicht allzu ferner Zukunft landen.

Der Preis für ein solches schlachtreifes Schwein mit knapp 120 Kilogramm schwankt. Derzeit liegt es laut Angaben eines hiesigen Landwirtes bei etwa 140 Euro. Macht bei 17 getöteten Tieren einen finanziellen Verlust von 2380 Euro, der womöglich durch eine Versicherung abgedeckt ist.

Retter suchen das Schwein Nummer 85

Etwa 140 Euro – das gilt auch für Schwein Nummer 85. Feuerwehrchef Thomas Temmann erzählt auf Anfrage der Redaktion: „Beim Durchzählen kamen wir nur auf insgesamt 84 Tiere.“ Daraufhin machten sich die Helfer auf die Suche.

Das Tier war nicht auf die Autobahn gelangt, sondern hatte sich auf den Weg entlang der Nordlippestraße Richtung Werne gemacht. „Etwa 800 Meter von der Unfallstelle entfernt haben wir das Schwein entdeckt“, sagt der Feuerwehrchef.

Es sei unverletzt gewesen und die Retter konnten es zu den anderen Tieren bringen, die dem Unfalltod und der Elektrozange entgangenen sind. Denen aber dennoch bald ihr Leben ausgehaucht wird.

Die Unfallursache ist derzeit noch nicht geklärt. Im Bericht der Polizeipressestelle Dortmund heißt es lediglich, dass der Anhänger in der Kurve der Auffahrt ins Wanken geriet und auf die Seite kippte.

Die Auffahrt auf die A1 war am Freitagmorgen von etwa 6.45 bis 11 Uhr gesperrt, was zu längeren Staus im Berufsverkehr führte.

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