Sind die Tage von St. Konrad in Werne gezählt?

Denkmalschutz und Kirche

Der Kirche St. Josef in Selm geht es an den Kragen - sie wird abgerissen. Dass es einem oder mehreren der katholischen Gotteshäuser in Werne mal ähnlich gehen könnte, daran hat bislang kaum jemand geglaubt. Die Gemeinde plant aber eine neue Verwaltung: Muss die Kirche St. Konrad deshalb weichen?

WERNE

, 28.09.2016, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sind die Tage von St. Konrad in Werne gezählt?

Ein Blick in die Kirche St. Konrad an der Stockumer Straße: 1958 wurde sie fertiggestellt. Wie lange noch die Orgel erklingen wird, bis der Bagger kommt, ist fraglich.

Abriss: Dieses Schicksal erwartet die Kirche St. Josef in Wernes Nachbarstadt Selm, die am vergangenen Sonntag entweiht wurde. In Hamm-Heessen machten Bagger die dortige Kirche St. Josef bereits vor drei Jahren dem Erdboden gleich. In Werne konnte sich dagegen bislang kaum jemand vorstellen, dass es einem der sechs katholischen Gotteshäuser an den Kragen gehen könnte. Das hat sich jetzt geändert.

„Doch, es gibt schon Pläne“, sagt Pfarrdechant Jürgen Schäfer auf Anfrage. Sie betreffen die 58 Jahre alte Kirche St. Konrad an der Stockumer Straße. Sie steht auf dem Kirchberg im Evenkamp: Dort, wo sich Schäfer und die Mitglieder des Bauausschusses der Pfarrgemeinde St. Christophorus gut den Neubau für die Zentralrendantur – die zentrale Verwaltungsstelle aller Kirchengemeinden zwischen Lünen und Senden – vorstellen können. „Wir würden den Turm der Kirche erhalten“, sagt Schäfer. An die Stelle der geklinkerten Kirche würde ein farblich angepasster Neubau treten „mit der Formsprache des 21. Jahrhunderts“.

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Dass sich Werne darum bemüht, dauerhaft Standort der erst zum Juli fusionierten Zentralrendantur der Dekanate Lüdinghausen und Hamm/Werne zu bleiben, ist seit Monaten bekannt. Dass das nur durch einen Neubau möglich ist, ebenfalls. Schnell sei der Blick dabei auf das Grundstück von St. Konrad gefallen: Da, wo schon jetzt die Verwaltungsstelle ihren Sitz hat. „Das ist auch gar kein Geheimnis.“

Kirche hat keinen Denkmalwert

Eine Entscheidung der Denkmalschützer des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe befördert solche Pläne. Wie Baudezernent Ralf Bülte am Dienstagabend dem Bauausschuss mitteilte, habe die einst vor allem für die nach Werne gezogenen Bergarbeiter und Flüchtlinge errichtete Kirche keinen Denkmalwert.

Dr. Michael Huyer, Referatsleiter beim LWL, drückt es etwas freundlicher aus. St. Konrad und die Kirche Maria Frieden am Windmühlenberg „können (...) keinen ausreichenden Zeugniswert beanspruchen“ – anders als St. Johannes im Holtkamp und die Marien-Kapelle in Horst.

Damit ergeht es den beiden Nicht-Denkmälern wie den meisten katholischen Kirchen des Bistums Münster, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden. „Wir können noch nicht die genaue Zahl angeben“, sagte Markus Fischer von der LWL-Pressestelle Mittwoch auf Nachfrage, „aber die überwiegende Zahl sind keine potenziellen Denkmäler“.

Gemeindearbeit in Maria Frieden "fluppt"

Für die Zukunft von Maria Frieden im Westen der Stadt hat diese Einschätzung laut Pfarrdechant Schäfer „keine Konsequenzen“: „Da finden an jedem Wochenende drei Gottesdienste statt, die Gemeindearbeit fluppt, alle sind sehr aktiv“ – eine Kirche voller Leben. Das gilt offenbar in diesem großen Maße nicht für St. Konrad.

„Ich finde es auch nicht schlimm, dass wir solche Überlegungen anstellen“, so Schäfer. Immerhin gehe es ja nicht nur um Abriss, sondern auch um Neubau; „und die Zentralrendantur mit 35 Mitarbeitern ist auch ein Stück gelebte Kirche.“

Die Denkmäler
St. Johannes im Holtkamp von 1962 sieht der LWL als Zeugnis für die „beginnende Öffnung des westfälischen Kirchenbaus für Tendenzen der Nachkriegsmoderne“.

Die Marienkapelle Horst von 1953 weist laut LWL einen untypisch frühen quergerichteten Innenraum auf. 

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